LBM mit Aha-Effekt

EricS ⌂, (vor 8389 Tagen)

Hallo zusammen,

heute nachmittag war ich kurz vor Dämmerung nochmal kurz nach den Pilzen schauen. Nach einem kurzen Spaziergang fanden sich im Koffer:

- Weißer Rasling (Lyophyllum connatum), an dem ich einmal die violette Reaktion mit Eisensulfat ausprobieren wollte. (-> funktioniert tatsächlich)

- zwei Rißpilz-Arten (um einmal den STANGL auszuprobieren), wobei einer sicher der Erdblättrige R. (Inocybe geophylla) ist. Mit diesem möchte ich ausprobieren, ob ich fähig bin, den Schlüssel richtig zu benutzen. Die andere ist eine unauffällige braune Art - mal sehen.

Aber eigentlich möchte ich Euch einmal dazu animieren, die vermeintlich unbestimmbaren LBMs (= little brown mushrooms) mal genauer anzusehen. Sehr leicht kenntlich ist der (zumindest hier) häufige Gurkenschnitzling (Macrocystidia cucumis). Rein optisch noch nicht allzu auffällig, fällt der Geruch schon beim Aufnehmen auf. Frische Fruchtkörper riechen dermaßen nach Gurken, daß es im Zimmer etwa 3m rund um den Pilzkoffer mit den Gurkenschnitzlingen nach Salatgurke riecht. Alte Fruchtkörper riechen i.ü. nach Fischtran *würg*

Sehr auffällig sind unter dem Mikroskop die großen, dolchartigen Zystiden an den Lamellenschneiden (lat. Name!). Im Mikroskopieren bin ich sehr ungeübt, doch diese Zystiden sind nicht zu übersehen.

Also schaut doch bei den Gurkenschnitzlingen mal rein. So kann man sein Repertoire um eine leicht kenntliche, hübsche Art erweitern. Noch gibt es sie recht häufig ;-)

http://images.google.de/images?q=macrocystidia&hl=de&lr=&ie=UTF-8&sa=N&tab=wi

Viele Grüße,

Eric

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Re: LBM mit Aha-Effekt

interhias ⌂, (vor 8389 Tagen) @ EricS

Also schaut doch bei den Gurkenschnitzlingen mal rein. So kann man sein
Repertoire um eine leicht kenntliche, hübsche Art erweitern. Noch gibt es
sie recht häufig ;-)
Viele Grüße,
Eric

Servus Eric!

Den Gurkenschnitzling habe ich heuer zum ersten Mal "bewusst" gefunden. Auf einem Haufen aus Holzresten und Streu wuchs er übrigens in Gesellschaft von Nebelkappen und Weichritterlingen einmal Mitte Oktober und jetzt nocheinmal in einem neuen Schub. Der Gurkengeruch des Pilzes ist wirklich unverkennbar. An alten Exemplaren habe ich (offenbar zum Glück) noch nicht gerochen.

Gruß
Hias

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Re: LBM mit Aha-Effekt

EricS ⌂, (vor 8389 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

die Standortgemeinschaft mit Weichritterlingen kann ich bestätigen. Dazu kamen noch Grünspanträuschlinge. Ist schon interessant, mal einen solchen Pilz zu finden, der einem bisher allenfalls aus der Literatur (zumal meist mit dem nicht gerade förderlichen Prädikat 'wertlos') bekannt war.

Viele Grüße,

Eric

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Dem Geruch auf der Spur

Thomas Pruß, (vor 8389 Tagen) @ EricS

…nach Gurken, daß es im Zimmer etwa 3m rund um den Pilzkoffer mit den

Gurkenschnitzlingen nach Salatgurke riecht. Alte Fruchtkörper riechen i.ü.
nach Fischtran *würg*

Moin zusammen,
interessante Note, dass alte Pilze nach Fischtran riechen. Es wäre mal interessant zu erfahren, wie der Geruch zu Stande kommt.
Der Stint (Osmerus eperlanus), eine kleine Salmonidenart, die im Wattenmeer lebt, zum Laichen in die Unterläufe von Elbe, Weser, oder Eider usw. zieht, riecht nämlich ebefalls ausgesprochen nach Gurken. Bei Fischen ist die Herkunft des Geruchs bekannt: Sie bilden keinen Urin, sondern scheiden so genanntes Trimethylamin (TMA) aus. Dieses TMA ist beim Stint für den Gurkengeruch verantwortlich. Alter Stint stinkt, ähnlich wie der Gurkenschnitzling, nach Gammelfisch. Verantwortlich dafür ist, dass das TMA oxidiert und dann zu Trimethylaminoxid (TMAO) wird (das im übrigen bei allen Fischen nach Fisch stinkt).
Wäre es möglich, dass auch der Gurkenschnitzling TMA und TMAO bildet?
Grüsslis
Thomas

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Re: Dem Geruch auf der Spur

Tillmann, (vor 8389 Tagen) @ Thomas Pruß

Moin, moin

als Chemiker muß ich sagen, daß Trimethylamin sehr eklig fischig und etwas wie Ammoniak "Elefantenhaus" riecht! Wie (ob?) Trimethylaminoxid riecht, weiß ich allerdings nicht zu sagen, das bildet sich normalerweise nicht so einfach. Mir ist aber auch aufgefallen, daß trocken aufgehobene Pilze (jetzt kürzlich - Fälblinge aber auch ) oft sehr eklig - "aminig" riechen. Das läßt sich schwer beschreiben - säuerlich, etwas nach Urin und auch nach Fisch...
Na dann Mahlzeit!

Ciao
Tillmann

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Re: Dem Geruch auf der Spur

Thomas Pruß, (vor 8389 Tagen) @ Tillmann

Moin Tillmann,
TMAO bildet sich aus TMA, wenn der Fisch vergammelt. Das TMA wird normalerweise über die Haut ausgeschieden, wo es dann unter dem Einfluss von Bakterien und Hautenzymen in TMAO umgewandelt wird.
Grüsslis
Thomas

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Re: Dem Geruch auf der Spur

EricS ⌂, (vor 8389 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Thomas,

eine interessante Frage! Nach ein bißchen googeln stieß ich aber nur auf einen Artikel von Prof.Steglich et al., der sich mit Anthrachinonen im Gurkenschnitzling beschäftigt (hole mir den Artikel nachher noch als *.pdf via EZB). In puncto Duftstoffe habe ich nichts gefunden.

Vielleicht sind ja Brätling oder Heringstäublinge besser untersucht, die ebenso nach Fisch riechen.

Viele Grüße,

Eric

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Re: Dem Geruch auf der Spur

Thomas Pruß, (vor 8389 Tagen) @ EricS

Moin Eric,
puh, jetzt hast du mich: Anthrachinone kenne ich nicht, während die TMAs mir aus der Lebensmittelechnologie gut bekannt sind. Wenn du den Artikel runterlädst, wäre ich dir dankbar, wenn du ihn mir rübermailen könntest. Hab’ demnächst ein paar ruhige Minuten, und dann kann ich mich mal auf die Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Substanzen machen. Momentan muss ich zu sehen, dass ich die Zeitung fertig bekomme.
Vielleicht hat Tillmann ja auch noch ein paar Tipps, ebenso zu den Brätlingen und Heringstäublingen.
Grüsslis
Thomas

Hallo Thomas,
eine interessante Frage! Nach ein bißchen googeln stieß ich aber nur auf
einen Artikel von Prof.Steglich et al., der sich mit Anthrachinonen im
Gurkenschnitzling beschäftigt (hole mir den Artikel nachher noch als *.pdf
via EZB). In puncto Duftstoffe habe ich nichts gefunden.
Vielleicht sind ja Brätling oder Heringstäublinge besser untersucht, die
ebenso nach Fisch riechen.
Viele Grüße,
Eric

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Gurkenschnitzling ohne Geruch

Birgit, (vor 8389 Tagen) @ EricS

Hallo Eric

Aber eigentlich möchte ich Euch einmal dazu animieren, die vermeintlich
unbestimmbaren LBMs (= little brown mushrooms) mal genauer anzusehen. Sehr
leicht kenntlich ist der (zumindest hier) häufige Gurkenschnitzling
(Macrocystidia cucumis). Rein optisch noch nicht allzu auffällig, fällt
der Geruch schon beim Aufnehmen auf. Frische Fruchtkörper riechen dermaßen
nach Gurken, daß es im Zimmer etwa 3m rund um den Pilzkoffer mit den
Gurkenschnitzlingen nach Salatgurke riecht. Alte Fruchtkörper riechen i.ü.
nach Fischtran *würg*
Sehr auffällig sind unter dem Mikroskop die großen, dolchartigen Zystiden an
den Lamellenschneiden (lat. Name!). Im Mikroskopieren bin ich sehr
ungeübt, doch diese Zystiden sind nicht zu übersehen.
Also schaut doch bei den Gurkenschnitzlingen mal rein. So kann man sein
Repertoire um eine leicht kenntliche, hübsche Art erweitern. Noch gibt es
sie recht häufig ;-)

Gerade das hab ich gestern gemacht, nur daß mein Pilz weder wie ein Gurkenschnitzling aussah noch so gerochen hat. Also kein wirklich samtiger dunkler Hut mit hellem Rand und keinen samtigen Stiel und er roch zwar, aber nicht nach Gurke, ich konnte den Geruch jedenfalls nicht einordnen. Erst dachte ich an einen Rötling, dann noch an ein paar andere Sachen, alles nix. Aber der Pilz hatte diese riesigen Zystiden sowohl an Lamellenschneide, - fläche, auf dem Hut und an der Stielspitze. Allerdings waren die Sporen im Mikroskop allerhöchstenfalls leicht gelblich, praktisch hyalin, statt hellrot und der Sporenabwurf war sehr spärlich, daher konnte man keine Farbbeurteilung treffen. Es soll nach B&K eine Varietät vom Gurkenschnitzling mit weißem Sporenstaub geben.... aber so glücklich bin ich nicht damit. Zu alllem Überflluß gibts kein Foto und gestern waren die beiden Exemplare nach der Mikroskopiererei schon ziemlich eingetrocknet und zerstückelt. Naja die Stelle ist nicht weit vom Haus, vielleicht zeigt er sich ja nochmal.

Liebe Grüße

Birgit

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"Gurken"schnitzlinge

EricS ⌂, (vor 8389 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

offensichtlich gibt es doch mehr Gurkenschnitzlinge als den einen hiesigen "Stinker". Dein Fund klingt aber sehr interessant, vielleicht findest Du ihn ja nochmals und dann eine(n) Mykologi(e)n, die/der Dir dabei weiterhelfen kann.

Ich drücke Dir die Daumen. Anbei noch die Liste der "Gurkenschnitzlinge" aus dem Index Fungorum.

Macrocystidia africana Singer; Marasmiaceae
Macrocystidia carneipes (Speg.) Singer (1951); Marasmiaceae
Macrocystidia cucumis (Pers.) Joss. (1934); Marasmiaceae
Macrocystidia cucumis f. cucumis; Marasmiaceae
Macrocystidia cucumis f. minor Joss. (1933); Marasmiaceae
Macrocystidia cucumis f. minor Joss. (1933); Marasmiaceae
Macrocystidia cucumis var. cucumis; Marasmiaceae
Macrocystidia cucumis var. latifolia (J.E. Lange) Imazeki & Hongo; Marasmiaceae
Macrocystidia cucumis var. leucospora (J.E. Lange) anon.{?}; Marasmiaceae
Macrocystidia cucumis var. minor (Joss.) Contu (2000); Marasmiaceae
Macrocystidia incarnata Singer; Marasmiaceae
Macrocystidia indica Saini, Atri & Singer (1982); Marasmiaceae
Macrocystidia lutea Redhead & B. Liu (1982); Marasmiaceae
Macrocystidia occidentalis Singer (1952); Marasmiaceae
Macrocystidia reducta E. Horak & Capellano (1980); Marasmiaceae

Viele Grüße,

Eric

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So jung und doch so doof....

EricS ⌂, (vor 8389 Tagen) @ Thomas Pruß

Salü Thomas,

na das war wohl nix. Wie komme ich Holzkopf auf Anthrachinone??? Das sind die Stoffe, die den Hautköpfen (Dermocyben) deren leuchtende Farben verleihen. Wurden auch schon zu Färbezwecken eingesetzt.

In angesprochenem Artikel geht es um Sesquiterpenoide (da weiß ich nicht was es ist). Ich schicke ihn Dir im Laufe des Nachmittags dennoch mal zu.

Hier noch der Abstract:

New Triquinane-Type Sesquiterpenoids from Macrocystidia cucumis (Basidiomycetes)
European Journal of Organic Chemistry
Volume 1998, Issue 1, Date: January 1998, Pages: 73-79
Veronika Hellwig, Johannes Dasenbrock, Susanne Schumann, Wolfgang Steglich, Klaus Leonhardt, Timm Anke

Viele Grüße,

Eric

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Re: Dem Geruch auf der Spur

Tillmann, (vor 8388 Tagen) @ Thomas Pruß

Hi, ich fühle mich nochmal angesprochen ;-)

Terpene sind allgemein leicht flüchtige Substanzen, die für viele verschiedene Düfte verantwortlich sind, wie man auch schon oft nach den Name vermuten kann: Geraniol, Limonen, Pinen, aber im Campher, Kümmel, Zimt usw. Sie bestehen aus Isopreneinheiten und die Anzahl dieser Einheiten wird als Vorsilbe (Sesqi-) angegeben. Da es sehr viele Isomere gibt und ich auch auf die Schnelle keine Literatur zur Hand habe, würde ich die Geruchsrichtung eher in die Ecke mit Kräutern und Zitrusfrüchten also eher "frisch" nicht so "erdig" definieren ;-).

Wovon ich auch keine Ahnung habe, aber mal so als Suchhinweis wäre Geosmin, das ist - glaube ich - der "Geruchsstoff" nach modrigem Waldboden. Ich habe auch noch eine ungefähre Strukturvostellung, weiß aber nicht ob ich mit hydroxyliertem Decalin jemandem helfe!
Ich mache mich noch mal ein bißchen schlauer...

Viele Grüße
Tillmann

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Sehr interessant, danke Eric für die Mühe! *oT*

Birgit, (vor 8388 Tagen) @ EricS

- kein Text -

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Re: Gurkenschnitzling ohne Geruch

Andreas ⌂, (vor 8388 Tagen) @ Birgit

Hallo Birgit,

Fredi Kasparek hat mal im Tintling den Gurkenschnitzling und seine beiden Varietäten leucospora und latifolia beschrieben und mit Fotos abgebildet. Weiß leider nicht mehr in welchem Heft, aber das Suchen lohnt sich, der Artikel war sehr lesenswert.
Ferner interessant, dass Ludwig im Pilzkompendium schreibt "es sollen selten auch geruchlose Formen vorkommen". Lt. Ludwig hat die var. leucospora weißes bis sehr blaß bräunliches Sporenpulvwer und unterscheidet sich auch durch mit ähnchen herablaufende Lamellen.

Beste Grüße,
Andreas

Gerade das hab ich gestern gemacht, nur daß mein Pilz weder wie ein
Gurkenschnitzling aussah noch so gerochen hat. Also kein wirklich samtiger
dunkler Hut mit hellem Rand und keinen samtigen Stiel und er roch zwar,
aber nicht nach Gurke, ich konnte den Geruch jedenfalls nicht einordnen.
Erst dachte ich an einen Rötling, dann noch an ein paar andere Sachen,
alles nix. Aber der Pilz hatte diese riesigen Zystiden sowohl an
Lamellenschneide, - fläche, auf dem Hut und an der Stielspitze. Allerdings
waren die Sporen im Mikroskop allerhöchstenfalls leicht gelblich,
praktisch hyalin, statt hellrot und der Sporenabwurf war sehr spärlich,
daher konnte man keine Farbbeurteilung treffen. Es soll nach B&K eine
Varietät vom Gurkenschnitzling mit weißem Sporenstaub geben.... aber so
glücklich bin ich nicht damit. Zu alllem Überflluß gibts kein Foto und
gestern waren die beiden Exemplare nach der Mikroskopiererei schon
ziemlich eingetrocknet und zerstückelt. Naja die Stelle ist nicht weit vom
Haus, vielleicht zeigt er sich ja nochmal.
Liebe Grüße
Birgit

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Re: Dem Geruch auf der Spur

Hagen Graebner, (vor 8387 Tagen) @ Tillmann

Moin, moin
als Chemiker muß ich sagen, daß Trimethylamin sehr eklig fischig und etwas
wie Ammoniak "Elefantenhaus" riecht!

Schon interessant wieviele Chemiker unter den Pilzfreunden sind. Deiner E-Mail-Adresse nach bist Du in Jena an der Uni, kennst Du den Professor Beckert aus der OC? der war zumindest früher mal Pilzberater, ob er das jetzt noch ist, weiß ich nicht.

Gruß

Hagen