PEF und Waldwirtschaft

EricS ⌂, (vor 8386 Tagen)

Hallo zusammen,

der heutige, fast 4stündige Gewaltmarsch (mmmhhh...auf der MTB-Karte sah der Weg kürzer aus *grübel*) brachte außer rauchenden Füßen und einer zerissenen Hose (Rißpilze zwischen Brombeeren!) auch einen persönlichen Erstfund (PEF):

Starkgeriefter Sternporling (Omphaliaster asterosporus). Ein kleiner unauffälliger Weißsporer mit morgensternartigen Sporen (hübsch anzusehen). Dieser Sternsporling steht auf so ziemlich allen Roten Listen in Deutschland (RLD: 3 [gefährdet], RL BaWü: 4 [latent gefährdet, Rarität]).

Auf meinem Weg kam ich an großen Windwurfflächen vorbei. Soweit ich von standorttypischer Bewaldung eine Ahnung habe, sollte dies ein Gebiet für Weißtanne/Rotbuche (evtl. schon Bergahorn) sein. Solche Wälder gibt es hier noch öfter. Auf angesprochenen Windwurfflächen wurde aber nicht auf natürliche Wiederbewaldung oder auf das Anpflanzen besagter Baumarten gesetzt. Es wurden vielmehr nicht indigene Arten wie Edelkastanie und Douglasie (*würg*) angepflanzt und mit großem Aufwand gegen Verbiß durch Rehwild geschützt. Gerade auch in puncto Sturmschäden scheint mir eine solche Bepflanzung doch fraglich.

Gibt es unter Euch zufällig Leute, die Erfahrung mit der Thematik Waldwirtschaft vs. "Vom Forst zum Wald" haben? Würde mich über Erfahrungsberichte und/oder Meinungen dazu freuen.

Viele Grüße,

Eric

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Re: PEF und Waldwirtschaft

Thomas Pruß, (vor 8385 Tagen) @ EricS

… und einer zerissenen Hose (Rißpilze zwischen Brombeeren!)…

Jetzt weiß ich endlich, woher die Risspilze ihren Namen haben ;-)
Grüsslis
Thomas

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Re: PEF und Waldwirtschaft

Thomas Pruß, (vor 8385 Tagen) @ EricS

Hallo Eric,
werde mich mal drum kümmern, denn Waldwirtschaft ist auch Bestandteil des Lehrgangs zur Jägerprüfung. Text kommt später.
Grüsslis
Thomas

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Re: PEF und Waldwirtschaft

Matthias, (vor 8385 Tagen) @ EricS

Es wurden vielmehr nicht indigene Arten wie Edelkastanie und
Douglasie (*würg*) angepflanzt und mit großem Aufwand gegen Verbiß durch
Rehwild geschützt.

Hallo Eric,
Pilztechnisch bietet die Douglasie natürlich nícht viel, aber das Holz ist halt sehr schön, das von der Edelkastanie übrigens auch,
viele Grüsse
Matthias

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Re: PEF und Waldwirtschaft

Georg, (vor 8385 Tagen) @ EricS

Hi Eric,

Auf meinem Weg kam ich an großen Windwurfflächen vorbei. Soweit ich von
standorttypischer Bewaldung eine Ahnung habe, sollte dies ein Gebiet für
Weißtanne/Rotbuche (evtl. schon Bergahorn) sein. Solche Wälder gibt es
hier noch öfter. Auf angesprochenen Windwurfflächen wurde aber nicht auf
natürliche Wiederbewaldung oder auf das Anpflanzen besagter Baumarten
gesetzt. Es wurden vielmehr nicht indigene Arten wie Edelkastanie und
Douglasie (*würg*) angepflanzt und mit großem Aufwand gegen Verbiß durch
Rehwild geschützt. Gerade auch in puncto Sturmschäden scheint mir eine
solche Bepflanzung doch fraglich.

Bezüglich der Douglasie gebe ich dir recht. Sie ist ein fremdes Florenelement
ohne einheimische Mykorrhizapartner und daher als Wiederaufforstungsbaum abzulehnen.
Anders sieht es m.E. mit der Edelkastanie aus. Sie ist seit 2000 Jahren
fest eingebügert (seit der Römerzeit) und bildet vielfach geschlossene, gesunde
und vitale Bestände (so am Westrand des Schwarzwaldes und im Pfälzer Wald).
Sie ist sehr konkurrenzkräftig und selbst von "Lothar" komplett gefällte
Flächen verjüngen sich mittlerweile durch Stockausschlag wieder selbst. Eine
Vielzahl von Pilzen (Mykorrhizabildner und Saprobionten) fühlt sich in solchen
Wäldern wohl und das Laub wirkt bodenverbessernd.
Ich habe schon mehrfach interessante, eigentlich eher neutrale oder gar basische
Böden bevorzugende Pilze in Esskastanienwäldern über stocksaurem Boden gefunden
(einige Beispiele: Goldporiger Röhrling, Maipilz, Lactarius azonites und
pterosporus, diverse Cortinarien und Risspilze).
Edelkastanienwälder gehören daher zu meinen bevorzugten Pilzgebieten. Allein schon der
berauschende Duft zur Blütezeit im Juni ist genial. Dazu dann Pfifferlinge und
Sommersteinpilze in Massen. Schwärm.

Zur Waldwirtschaft nach "Lothar" hat German Krieglsteiner einen Artikel verfasst,
der auch hier auf PPP zu finden ist:

http://www.pilzepilze.de/kriegl.html

Georg

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Ok, das ist besser als meine Lieferung! *oT*

Thomas Pruß, (vor 8385 Tagen) @ Georg

- kein Text -

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Widerspruch....

Christoph G, (vor 8385 Tagen) @ Georg

Hi Georg,

Als studierter Förster, hab ich dem Artikel von German Krieglsteiner nix hinzuzufügen. ABER: Deine Ablehnung der Douglasie ist unlogisch. Vielleicht warten wir auch mal zweitausend und nicht dreihundert Jahre ab und es stellen sich bei Douglasie Mykorrhizapartner ein. Die Edelkastanie ist auch nicht wie viele andere Arten nach der letzten Eiszeit wieder eingewandert, sondern wie Du richtig sagst durch die Römer angesiedelt worden. Also stellt sie genauso wie die Douglasie eine Verfälschung der mitteleuropäischen Flora dar. Was man nun schön findet ist Geschmacksache, meiner Meinung nach hat aber die Douglasie als forstwirtschaftlich eingebrachte Baumart dieselbe Berechtigung wie die Edelkastanie.

Gruß aus Karlsruhe Christoph

Hi Eric,
Bezüglich der Douglasie gebe ich dir recht. Sie ist ein fremdes Florenelement
ohne einheimische Mykorrhizapartner und daher als Wiederaufforstungsbaum
abzulehnen.
Anders sieht es m.E. mit der Edelkastanie aus. Sie ist seit 2000 Jahren
fest eingebügert (seit der Römerzeit) und bildet vielfach geschlossene,
gesunde
und vitale Bestände (so am Westrand des Schwarzwaldes und im Pfälzer Wald).
Sie ist sehr konkurrenzkräftig und selbst von "Lothar" komplett
gefällte
Flächen verjüngen sich mittlerweile durch Stockausschlag wieder selbst. Eine
Vielzahl von Pilzen (Mykorrhizabildner und Saprobionten) fühlt sich in
solchen
Wäldern wohl und das Laub wirkt bodenverbessernd.
Ich habe schon mehrfach interessante, eigentlich eher neutrale oder gar
basische
Böden bevorzugende Pilze in Esskastanienwäldern über stocksaurem Boden
gefunden
(einige Beispiele: Goldporiger Röhrling, Maipilz, Lactarius azonites und
pterosporus, diverse Cortinarien und Risspilze).
Edelkastanienwälder gehören daher zu meinen bevorzugten Pilzgebieten. Allein
schon der
berauschende Duft zur Blütezeit im Juni ist genial. Dazu dann Pfifferlinge
und
Sommersteinpilze in Massen. Schwärm.
Zur Waldwirtschaft nach "Lothar" hat German Krieglsteiner einen
Artikel verfasst,
der auch hier auf PPP zu finden ist: http://www.pilzepilze.de/kriegl.html
Georg

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*g*

EricS ⌂, (vor 8385 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Thomas,

das ist mir erst nach Abschicken des Beitrages aufgefallen. Trotzdem irgendwie passend ;-)

Grüße,

Eric

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Re: Widerspruch....

Georg, (vor 8385 Tagen) @ Christoph G

Hi Christoph,

Deine Ablehnung der Douglasie ist unlogisch.
Vielleicht warten wir auch mal zweitausend und nicht dreihundert Jahre ab
und es stellen sich bei Douglasie Mykorrhizapartner ein. Die Edelkastanie
ist auch nicht wie viele andere Arten nach der letzten Eiszeit wieder
eingewandert, sondern wie Du richtig sagst durch die Römer angesiedelt
worden. Also stellt sie genauso wie die Douglasie eine Verfälschung der
mitteleuropäischen Flora dar. Was man nun schön findet ist Geschmacksache,
meiner Meinung nach hat aber die Douglasie als forstwirtschaftlich
eingebrachte Baumart dieselbe Berechtigung wie die Edelkastanie.

Da bin ich etwas anderer Meinung. Die Douglasie stammt aus einer ganz
anderen Klimazone (Westküstenklima Nordamerikas mit trocken-warmen
Sommern und feucht-milden Wintern), die bei uns keine Entsprechung
hat. Die Edelkastanie gedeiht in den Bergländern Südeuropas, die wenigstens
ein ähnliches Klima wie im Südwesten Mitteleuropas aufweisen. Deswegen
finden sich hier auch stabile Bestände mit Selbstverjüngung. Könnte gut sein,
dass sie so oder so eingewandert wäre, Römer hin oder her. Auch die anderen
einheimischen Bäume sind nach der Eiszeit erst nach und nach wieder zurückgekehrt
und die Rotbuche ist heute in Skandinavien noch auf dem Weg nach Norden.

Ich glaube hingegen kaum, dass sich ein Douglasienforst, sich selbst überlassen,
lange halten würde. Das selbe gilt ja bekanntlich auch für die vom Menschen
geförderte Fichte im Flach- und Hügelland.

Georg

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Re: Widerspruch....

Anette, (vor 8385 Tagen) @ Christoph G

Hi Georg,
Als studierter Förster, hab ich dem Artikel von German Krieglsteiner nix
hinzuzufügen. ABER: Deine Ablehnung der Douglasie ist unlogisch.
Vielleicht warten wir auch mal zweitausend und nicht dreihundert Jahre ab
und es stellen sich bei Douglasie Mykorrhizapartner ein. Die Edelkastanie
ist auch nicht wie viele andere Arten nach der letzten Eiszeit wieder
eingewandert, sondern wie Du richtig sagst durch die Römer angesiedelt
worden. Also stellt sie genauso wie die Douglasie eine Verfälschung der
mitteleuropäischen Flora dar. Was man nun schön findet ist Geschmacksache,
meiner Meinung nach hat aber die Douglasie als forstwirtschaftlich
eingebrachte Baumart dieselbe Berechtigung wie die Edelkastanie.
Gruß aus Karlsruhe Christoph

Hi Christoph,

der Unterschied zwischen Douglasie und Edelkastanie ist, daß die Edelkastanie eine Art der Alten Welt ist, die aufgrund ihrer natürlichen Verbreitung im südlichen Alpenraum doch früher oder später auch ohne menschliches Zutun nach Norden vorgedrungen wäre, mitsamt zugehöriger Assoziation. Die Douglasie hingegen stammt aus Nordamerika. Es wäre sicherlich kein forsttechnisches Problem, auch ihre Mykorrhizapartner von dort zu importieren, die Douglasien würden damit sogar besser wachsen, die Frage ist, ob man das will und was man damit womöglich anrichtet.

Es ist klar, daß es in ganz Deutschland mit Ausnahme weniger, verschwindend kleiner Randgebiete keinen ursprünglichen Wald mehr gibt. Es sind im Grunde genommen alles nur Holzplantagen. Und das Hauptinteresse der Forstwirtschaft ist und bleibt nun mal, möglichst schnell möglichst viel hochwertiges Holz zu erzeugen. Also ruhig anpflanzen was gerade die beste Rendite verspricht?

Die Erfahrung lehrt es anders. Die Anpflanzung standortfremder Fichtenmonokulturen in unseren Mittelgebirgen hat sich schon als problematisch herausgestellt, nicht zu reden von den Eukalyptus globulus-Plantagen in Südeuropa, die man nur als ökologische Katastrophe bezeichnen kann. In beiden Fällen ist man sich schon seit Jahrzehnten über die Folgeschäden im Klaren, und daß es - eben deswegen - langfristig alles andere als wirtschaftlich ist.

Insofern kann und sollte man sehr wohl die Folgen einer großflächigen Kultur von nicht endemischen Waldbäumen hinterfragen.

Gruß, Anette

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Re: PEF und Waldwirtschaft

Rudi, (vor 8385 Tagen) @ Matthias

Hallo Eric,
Pilztechnisch bietet die Douglasie natürlich nícht viel,

Hallo Matthias,
das stimmt natürlich. Aber Ausnahmen gibts doch, z.B. meine Breitblättrige Glucke von letzter Woche auf einem alten Douglasienstumpf im Spessart.
Dort wächst auch noch der dunkle Lackporling (Ganoderma carnosum) und -etwas banaler- der Kiefernbraunporling.
Grüße Rudi

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Ihr habt ja recht, aber....

Christoph G, (vor 8385 Tagen) @ Anette

Hallo georg, hallo anette

Ich bin ja mit fast allem einverstanden, was ihr schreibt. Ich bin auch überhaupt kein freund einseitiger douglasien Kulturen, Gott bewahre. NUR: die allermeisten Kastanienwälder im oberrheingebiet sind das Produkt einer Jahrhunderte alten Niederwaldwirtschaft mit streifenweisem kalhschlag zur Brennholzgewinnung, die erst in den letzten Jahrzehnten sich selbst überlassen wurden. Diese waren also klassische Wirtschaftswälder. Die douglasie zeigt an vielen Orten z.B. Löwensteiner Berge bei Heilbronn eine üppige Natuverjüngungsfähigkeit und bildet dort z.B. mit Tanne gemischt schöne Bestände. Du hast sicherlich recht, dass sie auf dauer gegenüber der buche nicht konkurrenzfähig ist. Das gilt aber in der gemäßigten klimazone ebenso für die Esskastanie, die meiner Meinung nach ohne menschliche Eingriffe über kurz oder lang von der Buche ausgedunkelt wird und verschwindet, mal abgesehen von besonders trockenen standorten, wo sie dann aber Konkurrenz von Eiche und bedingt auch von hainbuche bekommt. Was die Standortansprüche im herkunftslandbetrifft stimmt zwar alles was Du sagst, nur kommt die douglasie auch blendend mit baden württembergischen Klimazonen, zurecht in denen die Kastanie sofort erfriert.Ergo: Sie ist an einen viel größeren Bereich in BW gut angepasst, während die Esskastanie nur in den wärmsten klimazonen gedeiehn kann.
Alles in allem, wie Anette richtig schreibt, gibt es in baden Württemberg den Urwald, der sich ohne menschliche eingriffe über jahrtausende entwickelt hätte, allenfalls noch rudimentär.
Da dies aber nun mal Tatsache ist, finde ich euere Argumente douglasie - contra Esskastanie nicht ganz überzeugend.

Und noch so am Rande, was würden denn unsere "steinis und flockis Spezialisten" ohne Fichtenmonokulturen machen? Phlegmacien aus dem buchenwald essen ;-))

Ist aber wirklich ein interessantes Thema und ich bin sicher, dass alle hier im Forum, mich eingeschlossen, staunen würden einmal durch einen "deutschen Urwald" von vor vielleicht 2500 jahren zu spazieren. vielleicht sähe er doch anders aus, wie es heute von forstbotanischen "Historikern" beschrieben wird, wer weiß....

Viele grüße christoph

der Unterschied zwischen Douglasie und Edelkastanie ist, daß die Edelkastanie
eine Art der Alten Welt ist, die aufgrund ihrer natürlichen Verbreitung im
südlichen Alpenraum doch früher oder später auch ohne menschliches Zutun
nach Norden vorgedrungen wäre, mitsamt zugehöriger Assoziation. Die
Douglasie hingegen stammt aus Nordamerika. Es wäre sicherlich kein
forsttechnisches Problem, auch ihre Mykorrhizapartner von dort zu
importieren, die Douglasien würden damit sogar besser wachsen, die Frage
ist, ob man das will und was man damit womöglich anrichtet.
Es ist klar, daß es in ganz Deutschland mit Ausnahme weniger, verschwindend
kleiner Randgebiete keinen ursprünglichen Wald mehr gibt. Es sind im
Grunde genommen alles nur Holzplantagen. Und das Hauptinteresse der
Forstwirtschaft ist und bleibt nun mal, möglichst schnell möglichst viel
hochwertiges Holz zu erzeugen. Also ruhig anpflanzen was gerade die beste
Rendite verspricht?
Die Erfahrung lehrt es anders. Die Anpflanzung standortfremder
Fichtenmonokulturen in unseren Mittelgebirgen hat sich schon als
problematisch herausgestellt, nicht zu reden von den Eukalyptus
globulus-Plantagen in Südeuropa, die man nur als ökologische Katastrophe
bezeichnen kann. In beiden Fällen ist man sich schon seit Jahrzehnten über
die Folgeschäden im Klaren, und daß es - eben deswegen - langfristig alles
andere als wirtschaftlich ist.
Insofern kann und sollte man sehr wohl die Folgen einer großflächigen Kultur
von nicht endemischen Waldbäumen hinterfragen.
Gruß, Anette

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Re: PEF und Waldwirtschaft

Pilztom, (vor 8385 Tagen) @ EricS

Hallo Leute,

die Douglasie ist doch im Grunde ein als rein wirtschaftlich orientierter
Nadelbaumvertreter anzusehen. Es gibt keinen natürlichen Grund eine intensive Aufforstung zu betreiben.
Die Gründe sind doch eher:
1.) Die Douglasie besitzt ein wesentlich härteres Holz als z.B die Fichte
dadurch ist es für die Bauwirtschaft /Möbelbau etc. wesentlich interessanter
2.)hohe verwitterungsbeständigkeit
3.)die Nachfrage ist sehr groß...dadurch lassen sich wesentlich bessere Gewinnmargen erzielen als bei einheimischen Arten.

der Mangel an Mykorizzapartnern scheint für die Forstwirtschaft ja nicht interessant zu sein, jedoch ist die Douglasie anfällig (und das besonders in unseren Breiten) für Botrytis cinerea (Grauschimmelfäule)an den Trieben...und das könnte die Rache 'unserer Freunde' der Pilze sein.
Bei intensiver Aufforstung denke ich werden wir als Pilzsammler wohl in den nächsten 50 Jahren in solchen Waldgebieten kaum Chancen haben etwas zu finden, insbesondere da auch eine Mischwaldaufforstung mit der Douglasie sicherlich mit einer Anpflanzung eines völlig neuen und jungen Baumbestandes einhergeht.
Abgesehen von den "Pflegemassnahmen" wie Spritzmitteln und ähnliches um oben genannten Botrytis cinerea Einhalt zu gebieten.

Grüsse
Pilztom

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Pilze und Douglasie in BaWü

EricS ⌂, (vor 8385 Tagen) @ Matthias

Hallo zusammen,

schön, daß sich doch eine kleine Diskussion um das Thema entwickeln konnte, bevor der Thread im Niemandsland verschwunden ist :-))

Ich habe einmal in der BaWü-Pilzflora (Bände 1-4) geblättert, um nach "Douglasienpilzen" zu fahnden. Bisher fand ich übrigens keinen obligat an Pseudotsuga gebundenen Einwanderer (wie den Douglasienröhrling). Vielmehr wird die Douglasie auch von unserer Pilzflora angenommen, aber scheinbar nur zögerlich und auch nur dann, wenn es nichts besseres gibt. Eine Ausnahme könnte vielleicht der Rosafarbene Saftporling [Oligoporus placenta] sein, der an dreien seiner bisher nachgewiesenen fünf Standorten an Douglasienholz gefunden wurde.

Hier die Mykorrhiza-Pilze, die unter Pseudotsuga in BaWü gefunden wurden (die Zahlen in Klammern beziffern die Anzahl der Nachweise):

Amanita citrina - Gelber Knollenblätterpilz (1)
Amanita excelsa - Grauer Wulstling (1)
Amanita fulva - Rotbrauner Scheidenstreifling (1)
Cantharellus cibarius - Pfifferling (1)
Cantharellus tubaefiormis - Trompetenpfifferling (2)
Lactarius camphoratus - Kampfermilchling (1)
Lactarius deterrimus - Fichtenreizker (1 aber sehr unsicher)
Rhodocollybia butyracea var. butyracea - Butterrübling (1)
Rhodocollybia maculata - Gefleckter Rübling (1)
Russula densifolia - Dichtblättriger Schwarztäubling (1)
Russula foetens - Stinktäubling (1)
Russula ochroleuca - Ockertäubling (1)
Russula olivacea - Rotstieliger Ledertäubling (1)
Russula puellaris - Milder Wachstäubling (2)
Tomentella lateritia (1)
Tomentella subclavigera (1)
Tomentella sublilacina (2)
Tylopilus porphyrosporus - Düsterer Röhrling (1)
Xerocomus chrysenteron - Echter Rotfußröhrling (2)

Außerdem soll auch der Stahlblaue Rötling (Entoloma nitidum) unter Douglasie vorkommen ("aus einem Nachbarland angegeben").

Sowohl symbiontisch als auch saprotroph können Lacktrichterlinge leben. Zwei Arten wurden mit Pseudotsuga in Verbindung gebracht:

Laccaria amethystea - Violetter Lacktrichterling (1)
Laccaria laccata var. laccata - Rötlicher Lacktrichterling (1)

Der große Rest sind Saprobionten (incl. Parasiten), die sich rund um die Douglasie fanden. Dazu gehören Streuzersetzer wie Holzzersetzer etc.

Aleurodiscus amorphus - Orangefarbene Mehlscheibe (2)
Amphinema byssoides - Fransiger Wollrindenpilz (1)
Antrodia serialis - Reihige Tramete (1)
Athelia epiphylla (1)
Botryobasidium pruinatum var. laeve (1)
Botryobasidium subcoronatum - Schnallentragende Traubenbasidie (1)
Botryohypochnus isabellinus - Sternsporiger Spinnwebrindenpilz (1)
Calocera viscosa - Klebriger Hörnling (2)
Ceriporiopsis mucida - Weicher Schnallenporling (1)
Clavulina coralloides - Kammförmige Koralle (1)
Clavulina rugosa - Runzlige Koralle (1)
Coniophora arida (2)
Coniophora arida var. suffocata (1)
Dacryomyces stillatus - Zerfließende Gallertträne (3)
Exidia plana var. pithya - Teerflecken-Drüsling (3)
Fomitopsis pinicola - Rotrandiger Baumschwamm (2)
Ganoderma carnosum - Dunkler Lackporling (3)
Ganoderma lucidum - Glänzender Lackporling (1)
Gloeocystdiellum furfuraceum (1)
Gymnopus confluens - Knopfstieliger Rübling (3)
Gymnopus peronatus - Brennender Rübling (3)
Hapalopilus nidulans - Zimtfarbener Weichporling (1)
Heterobasidion annosum - Wurzelschwamm (1)
Hyphoderma pratermissum (1)
Hyphoderma setigerum - Feinborstiger Rindenpilz (1)
Hyphodontia nespori (1)
Hyphodontia sambuci - Holunder-Rindenpilz (1)
Hypholoma fasciculare - Grünblättriger Schwefelkopf (1)
Lepista flaccida - Fuchsiger Röteltrichterling (1)
Leptosporomyces mutabilis (1)
Limacella illinata - Gländender Schleimschirmling (2)
Lycoperdon pyriforme - Birnenstäubling (k.A.)
Marasmiellus ramealis - Ast-Zwergschwindling (7)
Marasmius scorodonius - Echter Knoblauchschwindling (1)
Melanoleuca cognata - Frühlings-Weichritterling (1)
Mycena pura - Rettichhelmling (1)
Mycena rorida - Schleimfuß-Helmling (1)
Mycena galopus - Weißmilchender Helmling (incl. var.nigra) (1)
Mycena galericulata - Rosablättriger Helmling (1)
Oligoporus caesius - Blauender Saftporling (1)
Oligoporus placenta - Rosafarbener Saftporling (3 von 5!!)
Oligoporus sericeomollis (1)
Oligoporus stipticus - Bitterer Saftporling (1)
Panellus mitis - Milder Zwergknäueling (4)
Phaeolus spadiceus - Kiefern-Braunporling (6)
Phellinus hartigii - Weißtannen-Feuerschwamm (1)
Phlebia lilascens - Lilafarbener Kammpilz (1)
Phlebiella pseudotsugae (1)
Phlebiella vaga - Schwefelgelber Rindenpilz (1)
Physisporinus sanguinolentus (1)
Piloderma byssidnum - Weißer Hautrindenpilz (1)
Plicatura crispa - Krauser Aderzähling (1)
Pulveroboletus lignicola - Nadelholzröhrling (1)
Resinicium bicolor - Zweifarbiger Harzrindenpilz (4)
Schizophyllum commune - Gemeiner Spaltblättling (1)
Schizopora paradoxa - Veränderlicher Spaltporling (1)
Serpula himantioides - Wilder Hausschwamm (1)
Sistotrema brinkmannii (1)
Skeletocutis carneogrisea - Fleischgrauer Knorpelporling (1)
Sparassis crispa - Krause Glucke (2)
Steccherinum ochraceum - Ockerrötlicher Resupinatstacheling (1)
Stereum sanguinolentum - Blutender Nadelholz-Schichtpilz (11)
Trametes hirsuta - Striegelige Tramete (1)
Trechispora farinacea - Mehliger Stachelsporling (1)
Trichaptum abietinum - Gemeiner Violettporling (3)
Tricholomopsis rutilans - Rötlicher Holzritterling (2)
Tubaria furfuracea - Gemeiner Trompetenschnitzling (1)
Tubulicrinis gracillimus (1)
Tulasnella eichleriana (1)
Tulasnella violea (1)
Vesiculomyces radiosus - Zitronengelber Gloeocystiden-Rindenpilz (1)
Xerula radicata - Grubiger Wurzelrübling (1)

Viele Grüße,

Eric

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Re: Ihr habt ja recht, aber....

Birgit, (vor 8385 Tagen) @ Christoph G

Hallo christoph

Und noch so am Rande, was würden denn unsere "steinis und flockis
Spezialisten" ohne Fichtenmonokulturen machen? Phlegmacien aus dem
buchenwald essen ;-))

Das ist nun wirklich kein Argument. Sie würden halt Sommersteinpilze, Semmelstoppelpilze, schwarzhütige Steinpilze, Espen- und EIchenrotkappen, Stockschwämmchen, Buchenwaldpfifferlinge, Flockis, Totentrompeten, netzstielige Hexenröhrlinge und vielleicht auch hin und wieder irrtümlicherweise nen Satansröhrling oder nen rosahütigen Purpurröhrling ;-) essen. Und da gibts noch vieles mehr. Ich finde hier in der näheren und weiteren Umgebung nie Nadelwaldpfifferlinge, die BUchenwaldpfifferlinge (Cantharellus subpruinosus = bereifter Pfifferling) hingegen hab ich schon öfter in Mahlzeitenmenge gefunden.

liebe Grüße

Birgit

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ich fänd das auch schöner...

Christoph G, (vor 8384 Tagen) @ Birgit

... birgit, durch die von dir beschriebenen Wälder zu marschieren. Und einen pupurröhrling das erstemal zu finden war für mich bisher mein aufregenstes pilzerlebnis. nur noch so als kleine klugscheißerei am rande: Ob es wirklich viele espenrotkappen gäbe wag ich zu bezweifeln, da diese ja als pionierbaum art im urwald wahrscheinlich nur 20-30 jahre lebensfähig wäre in Biotopen in denen etwa durch sturm kahlflächen entstanden sind.man müsste halt diese biotope gezielt absuchen :-))
lieber gruß christoph

Das ist nun wirklich kein Argument. Sie würden halt Sommersteinpilze,
Semmelstoppelpilze, schwarzhütige Steinpilze, Espen- und EIchenrotkappen,
Stockschwämmchen, Buchenwaldpfifferlinge, Flockis, Totentrompeten,
netzstielige Hexenröhrlinge und vielleicht auch hin und wieder
irrtümlicherweise nen Satansröhrling oder nen rosahütigen Purpurröhrling
;-) essen. Und da gibts noch vieles mehr. Ich finde hier in der näheren
und weiteren Umgebung nie Nadelwaldpfifferlinge, die
BUchenwaldpfifferlinge (Cantharellus subpruinosus = bereifter Pfifferling)
hingegen hab ich schon öfter in Mahlzeitenmenge gefunden.
liebe Grüße
Birgit

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Re: PEF und Waldwirtschaft

Matthias, (vor 8383 Tagen) @ Pilztom

1.) Die Douglasie besitzt ein wesentlich härteres
Holz als z.B die Fichte
dadurch ist es für die Bauwirtschaft /Möbelbau etc. wesentlich interessanter
2.)hohe verwitterungsbeständigkeit
3.)die Nachfrage ist sehr groß...dadurch lassen sich wesentlich bessere
Gewinnmargen erzielen als bei einheimischen Arten.

Hallo Pilztom,
zu Punkt 1: Das Holz der Douglasie ist nicht viel härter Fichtenholz, habe am Wochenende beide Hölzer verarbeitet,
zu Punkt 2: Die Douglasie ist etwa so beständig wie Kiefern- und Lärchenholz, also ein wenig besser als Fichte, aber von der natürlichen Dauerhaftigkeit sind Eiche, Esskastanie und Robinie deutlich überlegen,
http://www.holzschutz.com/infothek/infothek_natuerliche_dauerhaftigkeit.html
und zu Punkt 3: da Fichte und Douglasie etwa gleich schnell wachsen sehe ich keinen so grossen Vorteil der Douglasie,
viele Grüsse
Matthias