Hallo georg, hallo anette
Ich bin ja mit fast allem einverstanden, was ihr schreibt. Ich bin auch überhaupt kein freund einseitiger douglasien Kulturen, Gott bewahre. NUR: die allermeisten Kastanienwälder im oberrheingebiet sind das Produkt einer Jahrhunderte alten Niederwaldwirtschaft mit streifenweisem kalhschlag zur Brennholzgewinnung, die erst in den letzten Jahrzehnten sich selbst überlassen wurden. Diese waren also klassische Wirtschaftswälder. Die douglasie zeigt an vielen Orten z.B. Löwensteiner Berge bei Heilbronn eine üppige Natuverjüngungsfähigkeit und bildet dort z.B. mit Tanne gemischt schöne Bestände. Du hast sicherlich recht, dass sie auf dauer gegenüber der buche nicht konkurrenzfähig ist. Das gilt aber in der gemäßigten klimazone ebenso für die Esskastanie, die meiner Meinung nach ohne menschliche Eingriffe über kurz oder lang von der Buche ausgedunkelt wird und verschwindet, mal abgesehen von besonders trockenen standorten, wo sie dann aber Konkurrenz von Eiche und bedingt auch von hainbuche bekommt. Was die Standortansprüche im herkunftslandbetrifft stimmt zwar alles was Du sagst, nur kommt die douglasie auch blendend mit baden württembergischen Klimazonen, zurecht in denen die Kastanie sofort erfriert.Ergo: Sie ist an einen viel größeren Bereich in BW gut angepasst, während die Esskastanie nur in den wärmsten klimazonen gedeiehn kann.
Alles in allem, wie Anette richtig schreibt, gibt es in baden Württemberg den Urwald, der sich ohne menschliche eingriffe über jahrtausende entwickelt hätte, allenfalls noch rudimentär.
Da dies aber nun mal Tatsache ist, finde ich euere Argumente douglasie - contra Esskastanie nicht ganz überzeugend.
Und noch so am Rande, was würden denn unsere "steinis und flockis Spezialisten" ohne Fichtenmonokulturen machen? Phlegmacien aus dem buchenwald essen
)
Ist aber wirklich ein interessantes Thema und ich bin sicher, dass alle hier im Forum, mich eingeschlossen, staunen würden einmal durch einen "deutschen Urwald" von vor vielleicht 2500 jahren zu spazieren. vielleicht sähe er doch anders aus, wie es heute von forstbotanischen "Historikern" beschrieben wird, wer weiß....
Viele grüße christoph
der Unterschied zwischen Douglasie und Edelkastanie ist, daß die Edelkastanie
eine Art der Alten Welt ist, die aufgrund ihrer natürlichen Verbreitung im
südlichen Alpenraum doch früher oder später auch ohne menschliches Zutun
nach Norden vorgedrungen wäre, mitsamt zugehöriger Assoziation. Die
Douglasie hingegen stammt aus Nordamerika. Es wäre sicherlich kein
forsttechnisches Problem, auch ihre Mykorrhizapartner von dort zu
importieren, die Douglasien würden damit sogar besser wachsen, die Frage
ist, ob man das will und was man damit womöglich anrichtet.
Es ist klar, daß es in ganz Deutschland mit Ausnahme weniger, verschwindend
kleiner Randgebiete keinen ursprünglichen Wald mehr gibt. Es sind im
Grunde genommen alles nur Holzplantagen. Und das Hauptinteresse der
Forstwirtschaft ist und bleibt nun mal, möglichst schnell möglichst viel
hochwertiges Holz zu erzeugen. Also ruhig anpflanzen was gerade die beste
Rendite verspricht?
Die Erfahrung lehrt es anders. Die Anpflanzung standortfremder
Fichtenmonokulturen in unseren Mittelgebirgen hat sich schon als
problematisch herausgestellt, nicht zu reden von den Eukalyptus
globulus-Plantagen in Südeuropa, die man nur als ökologische Katastrophe
bezeichnen kann. In beiden Fällen ist man sich schon seit Jahrzehnten über
die Folgeschäden im Klaren, und daß es - eben deswegen - langfristig alles
andere als wirtschaftlich ist.
Insofern kann und sollte man sehr wohl die Folgen einer großflächigen Kultur
von nicht endemischen Waldbäumen hinterfragen.
Gruß, Anette