Amanita baccata

EricS ⌂, (vor 8380 Tagen)

Hallo zusammen,

Es ist eine zugegebenermaßen nicht ganz alltägliche und/oder simple Frage aber wer kann mir sagen, woher der Mittelmeer-Perlpilz (A.boudierii [klar] oder eben A.baccata) seinen wissenschaftlichen Namen hat?

Ich bezweifle, daß es sich um einen lateinischen Namen handelt. Doch bietet der gelbe Langenscheidt Latein immerhin ein paar Ansätze:

bacca, ae (f.) (wohl einer vorindogermanischen Mittelmeersprache entstammend) = Beere; runde Baumfrucht, Olive; Perle (!)

bacatus,a,um = mit Perlen besetzt

baccar, aris (n.) (aus dem Griechischen) = nicht direkt übersetzbar, bezeichnet aber eine Pflanze mit wohlriechender Wurzel.

Klar liegt die Assoziation bacatus -> Perlpilz nahe, doch sind die Velumreste auf dem Hut der Art auf allen Bildern im meiner Literatur doch ziemlich unauffällig. Oder ist damit die (ähnlich dem Fliegenpilz) mit Warzenreihen besetzte Stielbasis gemeint? Oder riecht der Pilz nach "baccar" (lit: Geruch [der Amanita] angenehm nußartig oder unauffällig)?

Weiß jemand zufällig genauer, was sich der gute Herr Fries bei dem Namen gedacht hat?

Viele Grüße und besten Dank im Voraus,

Eric

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Re: Amanita baccata/ Spekulation

Pilztom, (vor 8380 Tagen) @ EricS

Hallo Eric,
ich kann leider auch nur einen frakmentarischen spekulativen Denkansatz liefern...
ich weiss das im Mittelmeeraum oft Taxus Baccata ( eine Eibenart mit Beeren)wächst, deren Gift äusserst aggressiv (Zersetzung der roten Blutkörperchen etc.)und somit meist tödlich wirkt. Früher wurde dieses Gift sogar für Hinrichtungen im Mittelmeerraum verwendet.
Vielleicht bezog sich die Namensgebung auf den Wachstumsstandort von Amanita (Nähe eben jener Eibenart)???

viele Grüße
Pilztom

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Re: Amanita baccata/ Spekulation

Matthias, (vor 8380 Tagen) @ Pilztom

Hallo Eric,
ich kann leider auch nur einen frakmentarischen spekulativen Denkansatz
liefern...
ich weiss das im Mittelmeeraum oft Taxus Baccata ( eine Eibenart mit
Beeren)wächst, deren Gift äusserst aggressiv (Zersetzung der roten
Blutkörperchen etc.)und somit meist tödlich wirkt. Früher wurde dieses
Gift sogar für Hinrichtungen im Mittelmeerraum verwendet.
Vielleicht bezog sich die Namensgebung auf den Wachstumsstandort von Amanita
(Nähe eben jener Eibenart)???
viele Grüße
Pilztom

Hallo Pilztom,
die Eibe Taxus baccata ist auch bei uns heimisch,
viele Grüsse
Matthias

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Re: Amanita baccata/ Spekulation

Pilztom, (vor 8380 Tagen) @ Matthias

Hallo Pilztom,
die Eibe Taxus baccata ist auch bei uns heimisch,
viele Grüsse
Matthias

sicher aber net so häufig

Gruß
Pilztom

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Re: Amanita baccata/ Spekulation

Hagen Graebner, (vor 8380 Tagen) @ Pilztom

sicher aber net so häufig

Soll sie aber früher gewesen sein, bevor sie zu Bögen verarbeitet wurde.
ansonsten bildet sie aber zum Beispiel durchaus einen wesentlichen Teil der Stadtflora und samt im Wald durchaus auch aus, wenn sie in angenzenden Gärten steht. Wie sieht es bei Ihr eigentlich mit Mykhoriza-Partnern aus??

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Re: Amanita baccata/ Spekulation

Matthias, (vor 8380 Tagen) @ Hagen Graebner

Soll sie aber früher gewesen sein, bevor sie zu Bögen verarbeitet wurde.
ansonsten bildet sie aber zum Beispiel durchaus einen wesentlichen Teil der
Stadtflora und samt im Wald durchaus auch aus, wenn sie in angenzenden
Gärten steht. Wie sieht es bei Ihr eigentlich mit Mykhoriza-Partnern aus??

So ist es,
im Mittelalter sind grosse Teile des Eibenbestandes abgeholzt worden
Gruss
Matthias

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Taxus

EricS ⌂, (vor 8380 Tagen) @ Pilztom

Hallo Tom,

eine gute Idee. Ich habe auch noch Andromeda baccata und Yucca baccata gefunden. Lt. einer frz. Internetseite bezieht sich das "baccata" auf die Eibenfrucht (Frucht an sich eßbar, Samen giftig)...leider bringt uns das der "echten" Etymologie nicht weiter :-(

Der Pilz soll unter Kiefern (Pinus) wachsen.

Viele Grüße,

Eric

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Re: Amanita baccata

DieterB, (vor 8379 Tagen) @ EricS

Hallo Eric,

laut Erläuterungen in Hegi Band Ib zu Taxus b. bedeutet baccata beerentragend.

Grüße
Dieter

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... und taxus = Schnitzholz *oT*

DieterB, (vor 8379 Tagen) @ DieterB

- kein Text -

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Gewußt wo :-)

EricS ⌂, (vor 8379 Tagen) @ DieterB

Hallo Dieter,

besten Dank für die Info. Jetzt fehlt nur noch die Beziehung zum Pilz. Vielleicht hat Tom ja doch den richtigen Riecher gehabt.

Viele Grüße,

Eric

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Siehe auch

Georg, (vor 8379 Tagen) @ EricS

hier auf PilzePilze unter "B" bei den "Wissenschaftlichen Pilznamen":

baccat-: 1. mit Perlen besetzt 2. weich, fleischig

Und in der "Plants Database":

baccata
With berry-like fruit
http://plantsdatabase.com/botanary/go/710/

was nun davon auf Amanita baccata anzuwenden ist weiß ich auch nicht.
Weiches Fleisch hat der Pilz laut Beschreibung. Könnte also 2. sein.
Wo sollten am Pilz "beeren- oder perlenähnliche" Dinge sein?
Das wird wohl nur Fries selbst genau gewusst haben.

Georg

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Re: Amanita baccata

Andreas ⌂, (vor 8379 Tagen) @ EricS

Hallo,

Eric's erster Verdacht ist schon der richtige, der lateinische Name kommt nicht von der Eibe (Taxus baccata) sondern vom lateinischen Wort "baccatus" = mit Perlen versehen. Auch die Eibe ist eben ein "mit Perlen versehener" Nadelbaum.
Amanita boudieri/baccata hat übrigens schöne, etwa pyramidenartige Hutschuppen, doch wischen diese leicht ab und da die Art meist in sandigem Boden vorkommt und mit dem Aufschirmen des Hutes in jüngstebn Stadien beginnt, streift sie die meistens Hüllreste schon beim Wachsen ab.

beste Grüße,
Andreas

Hallo zusammen,
Es ist eine zugegebenermaßen nicht ganz alltägliche und/oder simple Frage
aber wer kann mir sagen, woher der Mittelmeer-Perlpilz (A.boudierii [klar]
oder eben A.baccata) seinen wissenschaftlichen Namen hat?
Ich bezweifle, daß es sich um einen lateinischen Namen handelt. Doch bietet
der gelbe Langenscheidt Latein immerhin ein paar Ansätze: bacca, ae (f.)
(wohl einer vorindogermanischen Mittelmeersprache entstammend) = Beere;
runde Baumfrucht, Olive; Perle (!)
bacatus,a,um = mit Perlen besetzt
baccar, aris (n.) (aus dem Griechischen) = nicht direkt übersetzbar,
bezeichnet aber eine Pflanze mit wohlriechender Wurzel.
Klar liegt die Assoziation bacatus -> Perlpilz nahe, doch sind die
Velumreste auf dem Hut der Art auf allen Bildern im meiner Literatur doch
ziemlich unauffällig. Oder ist damit die (ähnlich dem Fliegenpilz) mit
Warzenreihen besetzte Stielbasis gemeint? Oder riecht der Pilz nach
"baccar" (lit: Geruch [der Amanita] angenehm nußartig oder
unauffällig)?
Weiß jemand zufällig genauer, was sich der gute Herr Fries bei dem Namen
gedacht hat?
Viele Grüße und besten Dank im Voraus,
Eric

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Re: Amanita baccata

Pilztom, (vor 8379 Tagen) @ Andreas

Hallo,
Eric's erster Verdacht ist schon der richtige, der lateinische Name kommt
nicht von der Eibe (Taxus baccata) sondern vom lateinischen Wort
"baccatus" = mit Perlen versehen. Auch die Eibe ist eben ein
"mit Perlen versehener" Nadelbaum.
Amanita boudieri/baccata hat übrigens schöne, etwa pyramidenartige
Hutschuppen, doch wischen diese leicht ab und da die Art meist in sandigem
Boden vorkommt und mit dem Aufschirmen des Hutes in jüngstebn Stadien
beginnt, streift sie die meistens Hüllreste schon beim Wachsen ab.
beste Grüße,
Andreas

Das Erscheinungsbild dieser pyramidalen Hutschuppen bei jungen Exemplaren kommt
dem Aussehen einer nichtgezüchteten kleinen Austernperle ziemlich nah. So'n Mist ich hatte so ein schönes Foto von Amanita Baccata von einer italienischen Website...find's nicht wieder.

Grüß
Pilztom

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Danke Euch allen :-) *oT*

EricS ⌂, (vor 8379 Tagen) @ EricS

- kein Text -

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Re: Amanita baccata

42, (vor 8379 Tagen) @ Pilztom

Mist ich hatte so ein schönes Foto von Amanita Baccata von einer
italienischen Website...find's nicht wieder.

Da bin ich mal gespannt, ob jemand ein Bild im WWW findet - mir
ist's jedenfalls nicht gelungen. Übrigens: meist werde ich hier
fündig (nur diesmal nicht):

http://www.grzyby.pl/fglobal-directory.htm

Also: falls jemand einen Link anzubieten hat, bitte hier posten!

Gruß
Thomas

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Zur Eibe

Anette, (vor 8375 Tagen) @ Matthias

Hallo an Alle,

um Mißverständnisse auszuräumen: Die roten Beerenfrüchte der Eibe sind das einzige an diesem Gehölz, das nicht giftig ist, obwohl gerade sie so aussehen.
Eiben sind zweihäusig, die 'männliche' Eibe produziert nur Pollenstände, die 'weibliche' die Beere.

Selten sind Eiben überhaupt nicht, sie sind als Hecken und Gehölze in unseren Gärten und Parks allgegenwärtig.

Ob und wo allerdings in der freien Natur in Deutschland und Westeuropa noch größere Eibenbestände zu finden sind, da bin ich aus dem Stand überfragt - ich kann mich an zumindest einen Eibenhochwald in Norddänemark (Vendsyssel) erinnern.

Das Holz ist so zäh, daß die Axt beim Versuch, einen 3 cm dicken Ast durchzuhacken zurückfedert. Ich hab mal versuch, das mißglückte Produkt eines Bogenbauexperiment für die Mülltonne kleinzubrechen. Ging nicht!

Zu "baccata" fallen mir zwei weitere Ableitungen ein: "Bacchus", vielleicht in Anspielung auf die immergrünen Zweige der Eibe, obwohl es mir unwahrscheinlich erscheint. Oder "Baktrien" als Hinweis auf die Verbreitung. Im übrigen sind unheimlich viele Namen unübersetzbar. Wo es sich nicht um lateinisierte Griechisch oder sogar Hybridisierungen von Wortstämmen handelt, handelt es sich oft um die Eigennamen von Botanikern - kann also auch sein, das sich ein Herr "Bakkus" oder "Backhus" um Eibe und Perlpilz verdient gemacht hat.

Ob Amanita baccata in Eibenbeständen vorkommt, weiß ich nicht, halte es aber aber nicht für abwegig.

Gruß, Anette