nochmal Märzschneckling

jascha, (vor 8265 Tagen)

Nachdem mein erster Versuch ohne Antwort nach hinten durchgerutscht ist, versuche ich es nochmals:

Hat man eine Chance, den Märzschneckling außerhalb der Alpen zu finden?
Ich wohne in Freiburg und wollte versuchen, in den höheren Lagen des Schwarzwaldes auf Urgestein zu fahnden, da jetzt der Schnee langsam schmilzt.
Kalk ist zu weit weg. Schauen würde ich in Tannen Buchen Mischwäldern.

In was für Habitaten habt Ihr Eure Funde gemacht (Baumarten, Boden etc)?

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Re: nochmal Märzschneckling

Andreas ⌂, (vor 8265 Tagen) @ jascha

Nachdem mein erster Versuch ohne Antwort nach hinten durchgerutscht ist,
versuche ich es nochmals: Hat man eine Chance, den Märzschneckling
außerhalb der Alpen zu finden?
Ich wohne in Freiburg und wollte versuchen, in den höheren Lagen des
Schwarzwaldes auf Urgestein zu fahnden, da jetzt der Schnee langsam
schmilzt.
Kalk ist zu weit weg. Schauen würde ich in Tannen Buchen Mischwäldern.
In was für Habitaten habt Ihr Eure Funde gemacht (Baumarten, Boden etc)?

Hallo,

natürlich hat man Chancen den Märzschneckling außerhalb der Alpen zu finden, gerade in Ba.-Wü. Er ist allerdings nicht nur selten geworden, sondern auch nahezu unsichtbar, da er nur wenig aus der Erde herauskommt. Am besten bei Regenwetter suchen, weil da das Laub am Boden angeklatscht ist und die recht großen Pilze dann Buckel unterm Laub bilden, ähnlich wie Maulwurfshügel. Meistens sind es allerdings tatsächlich Maulwurfshügel .....
Im Schönbuch gibt es ein paar Handvoll Standorte, aber selbst wenn man sie auf den Meter genau kennt muss man doch sehr suchen bis man die Pilze findet, selbst wenn sie da sind. Leichter findet man sie in den Weißtannen-Fichten-Mischwäldern des östlichen Schwarzwaldes auf Kalk, dort wo man auch nach Spitzmorcheln suchen würde. Allerdings gilt auch hier, dass meist nur die alten Pilze den Hut halbwegs aus dem Boden bringen.
Schmecken tun sie meiner Meinung nach übrigens nicht besonders toll. Das Wild mag sie auch gerne und manchmal findet man Reste oder umgestossene Pilze daliegen, wenn das Wild gestört worden ist.

Nachstehend der Text aus der Ba.-Wü.-Flora, Band 3.
Aus der dortigen Karte kann man erkennen, dass die nächsten Funde aus Deiner Sicht in den MTBs 7914/4 (Bannwald Zweribach) und 8213/2 (keine Ortsangabe) liegen, also schon reichlich weit weg. Ferner in 8016/1 (bei Wolterdingen) am Schwarzwald Ostrand und bereits auf Kalk.

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3.27 Hygrophorus marzuolus (Fries 1821: Fries 1821) Bresadola 1893
Märzschneckling

Morphologie: Hut 4-12 cm breit, dick, unter Erde oder Moos fast weiß, doch bald graufleckig, etwas bereift, am Licht rasch grau und bald mit grauschwärzlichen Flecken, zuletzt völlig grauschwarz, trocken, glanzlos, unregelmäßig geformt, geschweift bis verbogen. Lamellen erst weißlich, oft mit grünlichem oder bläulichem Schein, alt graulich, mit blasser, stumpfer Schneide, dick, wachsartig, entfernt, am Grund aderig verbunden, teils gegabelt, wenig herablaufend. Stiel 5-6 x 1,5-3 cm, weiß bis grau, an der Spitze etwas schuppig, seidenfaserig. Trama weiß, unter der Oberhaut und im Stiel schwach grau anlaufend, nicht hygrophan, fest, Geruch schwach süßlich, Geschmack mild.

Ökologie: Artenreiche Bergmischwälder (Galio rotundifolii-Abietenion), schwach bodensauere Fichten-Tannen- und Fichtenwälder (Piceion abietis), je einmal in einem Waldmeister-Buchen- und einem mesophilen Hainbuchen-Eichenwald. Auf locker-humosen, frischen, schwach saueren bis schwach alkalischen, gut mit Basen und mäßig mit Nährstoffen versorgten, meist sandigen Böden, vorzugsweise Braunerden über sandigen Mergeln, Schottern, basenreichen Silikatböden, selten direkt über Kalk oder mageren Silikaten (Quarz, Bunt- und sauere Keupersandsteine (Km3s, Km4m-o). Die Basidiocarpien brechen meist büschelig unter Schnee, Moos oder Streu hervor.

Symbionten (Mykorrhiza): Nadel- und Laubbäume, vorzugsweise Weißtanne.
· Abies alba (11), Picea abies (4), Pinus sylvestris (3), indet. Nadelbaum (12)
· Fagus sylvatica (3).

Anmerkung: In anderen Ländern wird Ektosymbiose auch mit Pinus mugo sowie mit Cedrus atlantica angegeben, ferner mit Castanea und Quercus vermutet. Die frühere Auffassung von HAAS und anderen, es handele sich um einen strengen Weißtannenbegleiter, mußte zwar bald revidiert werden, allerdings fruktifiziert der Pilz in Süddeutschland bevorzugt bei Abies alba, ferner besteht eine auffallende Ähnlichkeit des europäischen Areals der beiden Arten (vgl. Abschnitt Allgemeine Verbreitung).

Phänologie: Ende Februar bis Mitte Mai.
Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt
- 1 14 19 5 - - - - -

Die Erscheinungszeit wird von der klimatischen Situation, der Exposition und der Höhenlage modifiziert. Frühestes Funddatum: Gäulandschaften, Neckarbecken n. Stuttgart (Grenze zum Keuper-Lias-Land), 6921/2, ö. Abstatt, Wildeck, Südhang, ca. 330 m NN, Abies alba, 26.02.1923, HAAS (Fundbeschreibung in STU). Spätestes Funddatum: Keuper-Lias-Land, Schurwald, 7222/2, Schnait, Nordhang, ca. 370 m NN, Nadelwald, 16.05.1956, HAAS (Fundbeschreibung). Anmerkung: Seither wurde die Art an beiden Orten nicht wieder aufgefunden.

Verbreitung in Baden-Württemberg: Die Vorkommen konzentrieren sich auf das Keuper-Lias-Gebiet (Schwäbisch-Fränkischer Wald, Schurwald, Glemswald, Schönbuch, Vorland der Schwäbischen Alb). Streufunde liegen im Wesentlichen in den mittleren und südlichen Gäulandschaften, auf der Südwestalb, im Südschwarzwald inkl. Dinkelberg und im Klettgau vor. Ein kleineres, stärker ausgedünntes Teilareal liegt im Voralpenland.

Vertikale Verbreitung: Hochkollin bis unter-eumontan.
1000
- 10 31 13 - -

Die niedersten bekannten Fundstellen liegen bei ca. 320 m NN, die höchsten (im Mittleren und Südschwarzwald) bei ca. 780 m NN, doch steigt die Art vermutlich höher auf; in der Schweiz soll sie bis in 2000 m NN vorkommen.

Bestand und Bedrohung: Die meisten Bestände gingen ab Mitte der 70er Jahre vorzugsweise infolge sauerer Niederschläge exorbitant zurück. Gegen 1987 wurde selbst an Fundstellen, wo der Pilz früher zuverlässig und üppig fruktifiziert hatte, kaum mehr Basidiocarpien angetroffen, so daß das baldige Erlöschen zu befürchten war. Ab den frühen 90erJahren erschienen jedoch hie und da wieder einzelne Exemplare und kleinere Knäuel. Die Art hat sich zwar insgesamt längst noch nicht hinreichend erholt (und wird wohl auch an vielen früheren Fundorten für weitere Zeit, wenn nicht für immer, verschollen bleiben), jedoch besteht Hoffnung, wenigstens einen Teil der Vorkommen und somit des ehemaligen Areals zu stabilisieren. Voraussetzung sind rasch greifende Maßnahmen zur Drosselung der Eutrophierung, insbesondere der über Luft und Wasser weithin verbreiteten flüssigen und gasförmigen N-Verbindungen.

Erstnachweise:Gäulandschaften, 6921/4, Wildeck (ca. 370 m NN), 26.03.1923 - Keuper-Lias-Land, Glemswald, 7220/3, Stuttgart-Vaihingen, (ca. 420 m NN), 18.03.1923. - Schurwald b. Waldhausen, 7223/2, März 1923. (Jeweils HAAS, STU).

Allgemeine Verbreitung: Nordamerika (USA: Idaho), Nordafrika (Marokko: im Rif-Gebirge bis in 1880 m Höhe unter Cedrus atlantica), Europa. In Europa circum karpato-alpisch, (eine Exklave in den Ostpyrenäen); entspricht dem natürlichen Areal der Weißtanne (Abies alba). Berichtet aus Süd- (Italien: Appennin; Slowenien, selten in Serbien und Rumänien), West- (Spanien: Ostpyrenäen, Frankreich: Ostpyrenäen, Zentralmassiv, Cevennen, Westalpen) und Mittel- (Schweiz, Liechtenstein, Österreich: bes. in der Steiermark, Ungarn - Deutschland, Tschechien, selten in der Slowakei). Die europäische Verbreitungsgrenze verläuft mitten durch Deutschland. Vorkommen sind bekannt aus Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen, dazu gesellen sich Streufunde in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

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Beste Grüße,
Andreas

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Re: nochmal Märzschneckling

Manfred, (vor 8265 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas, hallo Experten

Kann es sein, dass der Rückgang der Morcheln in der Schweiz auch auf den sauren Regen oder zuviel Stickstoff zurückzuführen ist? Wenn ja, müsste ein solcher Rückgang ja auch in anderen Gebieten feststellbar sein.... Aus Elfi's Berichten z.B. geht jedoch ein solcher nicht hervor, wie siehts denn bei Dir damit wirklich aus, Elfi, oder bei Dir, Gerald?
Meine Ueberlegung stützt sich auf die Annahme, dass der Niederschlag infolge der globalen Durchmischung der Atmosphäre ja überall angesäuert sein müsste, oder ist die Konzentration der Schadstoffe in übervölkerten Gebieten generell höher als anderswo und damit entscheidend?? Meinungen, Kommentare..?

Manfred

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Schadstoffverteilung

Hagen Graebner, (vor 8264 Tagen) @ Manfred

Hallo Andreas, hallo Experten
Kann es sein, dass der Rückgang der Morcheln in der Schweiz auch auf den
sauren Regen oder zuviel Stickstoff zurückzuführen ist? Wenn ja, müsste
ein solcher Rückgang ja auch in anderen Gebieten feststellbar sein.... Aus
Elfi's Berichten z.B. geht jedoch ein solcher nicht hervor, wie siehts
denn bei Dir damit wirklich aus, Elfi, oder bei Dir, Gerald?
Meine Ueberlegung stützt sich auf die Annahme, dass der Niederschlag infolge
der globalen Durchmischung der Atmosphäre ja überall angesäuert sein
müsste, oder ist die Konzentration der Schadstoffe in übervölkerten
Gebieten generell höher als anderswo und damit entscheidend?? Meinungen,
Kommentare..?
Manfred

so gut scheint das mit der Durchmischung der Atmosphäre nicht zu funktionieren, sondern die Schadstoffe ziehen in der Regel mit der Hauptwindrichtung ab und regnen dann z.T. in weit entfernten Gegenden ab. Das ist zum Beispiel im Erzgebirge der Fall, wo die Hauptmenge der Schadstoffe wohl es Mitteldeutschland kam und nicht vom berühmten "Böhmischen Nebel", abgesehen davon hatte es für den Wald keinen Wert, wenn der wind drehte, weil dann kam der dreck von Nordböhmen. Das heißt aber auch, das nicht generell der Schadstoffgehalt der Luft in dichtbevölkerten Gebieten am höchsten sein muß, oder eher umgekehrt, das dünn besiedelte oder kaum industrialisierte Gebiete besonders schadstofffrei sein müssen, sondern das die Deposition teilweise sehr weit von der Quelle weg erfolgt.
Das war zum Beispiel der Grund, warum in Europa die "besseren Stadtteile" in der Regel im "Westend" sind, weil dorthin, durch die vorherrschenden Westwinde, der "Ruß" der Industrie nicht hingeblasen wird.
Allerdings scheint zumindest in Deutschland beim sauren Regen echte Fortschriite zu geben, da sehr viel Rauchgasentschwefelungsanlagen eingebaut wurden. Gegenwärtig scheint das Hauptproblem der erhöhte Stickstoffeintrag aus Verkehr und Landwirtschaft zu sein, wobei auch hier Quelle und Depositionsort weit voneinander weg sein können.
Aber was red ich hier als Chemiker über Wind und Wetter, wenn unser Moderator Metereologe ist :-) Schönen Sonntag noch allerseits.

Hagen

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Re: nochmal Märzschneckling

Gerald, (vor 8263 Tagen) @ Manfred

Hallo Andreas, hallo Experten
Kann es sein, dass der Rückgang der Morcheln in der Schweiz auch auf den
sauren Regen oder zuviel Stickstoff zurückzuführen ist? Wenn ja, müsste
ein solcher Rückgang ja auch in anderen Gebieten feststellbar sein.... Aus
Elfi's Berichten z.B. geht jedoch ein solcher nicht hervor, wie siehts
denn bei Dir damit wirklich aus, Elfi, oder bei Dir, Gerald?
Meine Ueberlegung stützt sich auf die Annahme, dass der Niederschlag infolge
der globalen Durchmischung der Atmosphäre ja überall angesäuert sein
müsste, oder ist die Konzentration der Schadstoffe in übervölkerten
Gebieten generell höher als anderswo und damit entscheidend?? Meinungen,
Kommentare..?
Manfred

Hallo Manfred,
habe keinen Rückgang der Morcheln feststellen können außer durch Forstarbeiten die aber wiederum neue Plätze hervorbringen. Speisemorcheln reagieren da nach meiner Erfahrung allerdings empfindlicher. Habe übrigens vor einigen Jahren im Altmühltal beim Morchelsuchen viele Märzschnecklinge gefunden seitdem aber nicht mehr. An meinem Morchelberg kommt jetzt die zweite Generation Spitzmorcheln , war gerade heute dort.
Gruß
Gerald

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Re: nochmal Märzschneckling

jascha, (vor 8262 Tagen) @ Andreas

Danke für die ausführliche Antwort - da bleibt keine Frage mehr offen.
Zweribach ist Bannwald und noch dazu recht unwegsam, daher sollte man dort nicht abseits der Wege rumstiefeln. Es könnte aber auch sein, daß der Pilz an vielen Orten unerkannt steht, so heimlich wie er sich gibt.
Gezielt suchen macht wohl demnach keinen Sinn, aber beim Strobilurus Suchen kann man die Augen mal offen halten.

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Re: nochmal Märzschneckling (3 Bilder) *PIC*

Alpenhans, (vor 8262 Tagen) @ jascha

Hallo Jascha!

Den ausführlichen Ausführungen von Andreas ist nichts hinzuzufügen außer 3 Bilder zur Veranschaulichung.
Ich sammle den Märzenellerling seit Jahren im Süden von Wien (Fischauer Vorberge) in ca 3oo - 700 m Höhe. Er war in den letzten 10 Jahren ein Massenpilz, aber trotzdem sehr schwer zu finden, weil er meistens auch in voller Reife nur in Form von Hügeln zu sehen ist. Eine Ausnahme war das vorige Jahr. Ich glaube (hoffe), dass das geringe Auftreten nur auf die ungünstigen Wetterverhältnisse (Trockenheit u. Kälte) zurückzuführen war.
Er kommt bei uns im reinen Föhrenwald, Misch- u- reinen Laubwald vor.
Beim Speisewert teile ich nicht die Meinumg von Andreas - ich zähle ihn zu den wohlschmeckensten Pilzen - aber Geschmack ist eben sehr subjektiv.

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Lg Hans

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Re: nochmal Märzschneckling (3 Bilder)

Karl Keck ⌂, (vor 8262 Tagen) @ Alpenhans

Er kommt bei uns im reinen Föhrenwald, Misch- u- reinen Laubwald vor.

Hallo Hans,

jetzt muss ich doch mal auf diese "Hügel" achten. Vielleicht habe ich die bisher einfach übersehen ...
Grüße, Karl

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Re: nochmal Märzschneckling (3 Bilder)

42, (vor 8261 Tagen) @ Karl Keck

jetzt muss ich doch mal auf diese "Hügel" achten. Vielleicht habe
ich die bisher einfach übersehen ...

Doch Vorsicht! Sollte sich der (vermeintliche) Märzschneckling unter dem
Hügel dem Zugriff zu entziehen versuchen, KÖNNTE es sich auch um
einen 'Talpa europaea' handeln ... SCNR

Thomas