Hallo Sepp,
Wieder mal für Ratlosigkeit gesorgt hat diese Art beim Blick durchs
Mikroskop.
Ich glaubte fest daran irgend einen Rindenpilz vor mir zu haben und
dann...Schläuche!
Der Pilz ist scheinbar(?) auf Holz gewachsen. Nach dem enfernen des Gebildes
hab ich festgestellt, dass sich zwischen dem vermodernden Holz und dem
Pilz bereits eine dünne Humusschicht gebildet hat.
Mikroskopisch würde die Art gut zu Hypomyces aurantius, dem Goldgelben
Schmarotzerpustelpilz, passen. Bei den wenigen reifen, spindelförmigen
Sporen habe ich im Mittel 25/5 mü gemessen. Sie sind farblos, punktiert
und in der Mitte septiert. Soweit sogut...sein Substrat, faulende Porlinge
hab ich leider nicht feststellen können.
Gibt es weitere Hypomyces-Arten welche in Frage kommen können...oder befinde
ich mich auf völlig falscher Fährte. Vielen Dank schon zum Voraus.
Es gibt bei uns etwa 50 Hypomyces-Arten im weiteren Sinne (inkl. Peckiella, Nectria p.p., Apiocrea p.p., Nectriopsis). Allerdings tauchen sie wesentlich öfter als imperfekte Form (= Nebenfruchtform NFF oder Anamorphe) auf und sehen dann wie ein Schimmel aus, während die perfekte Form mit Asci wie bei Deinem Fund (= Hauptfruchtform HFF oder Teleomorphe) bei fast allen Arten deutlich seltener ist. Von weiteren ca. 25 Arten ist nur die NFF bekannt, das Ascusstadium jedoch nicht.
Gerade vor ein paar Tagen ist mir eine schöne, bebilderte Übersicht über die Gattung ins Haus gekommen:
MOINGEON, J.-M. (2004) - Hypomyces et genres apparentés. Bull. myc. bot. Dauph.-Sav. 172: 31-48.
Es ist allerdings kein Bestimmungsschlüssel enthalten (außer für die Arten auf Russulaceae
Unter den Arten auf Aphyllophorales (die auch oft auf Holz übergehen bzw. übrig bleiben wenn der Wirt schon völlig zersetzt ist), zu denen ich Deinen Fund ziehen würde, kommt u.a. H. aurantius in Frage, wie Du ja vermutet hast. Ebenfalls orange, aber in einem cremefarbenen statt orangefarbenen Subiculum sitzend, ist H. polyporinus. Die beiden Arten lassen sich gut anhand eine KOH-reaktion trennen: H. aurantius reagiert purpurn (auch getrocknet), H. polyporinus nicht.
An weiterer Literatur wäre wohl vor allem die Arbeit von PÖLDEMAA (1999) wichtig, die in der Folia Crpytogamia Estonica 34: 15-31 veröffentlicht ist. Leider habe ich dieses Journal nur bis zur Nr. 30, aber vielleicht kannst Du es Dir bei Interesse über Fernleihe organisieren.
Vermutlich ebenfalls weiterbringen wird Dich folgende website: http://nt.ars-grin.gov/taxadescriptions/keys/HypomycesIndex.cfm
Beste Grüße,
Andreas