suche Literatur über Pilzaspekte

phyllobius, (vor 8201 Tagen)

Liebe ForumsteilnehmerInnen,

ich interessiere mich für die zeitliche Abfolge von typischen Pilzgesellschaften, in der Fachliteratur auch "Pilzaspekte" genannt. Sicherlich habt ihr auch schon auffällige „Pilzkonstellationen“ wahrgenommen. Z.B. fand ich im letzten, extrem heißen und trockenen Sommer während Wochen unzählige Exemplare von Boletus radicans und Russula chloroides, wo sonst absolut nichts wuchs. Auffällig sind solche Pilzaspekte meist nur bei extremen Witterungsverhältnissen, aber es ist naheliegend, daß das ganze Pilzjahr eine gewisse Struktur in der Abfolge (Frühjahr-, Sommer-, Herbstpilze) und witterungsbedingte Variationen von Pilzgesellschaften aufweist. Das ist auch nichts neues, nur tue ich mich schwer damit, neuere Literatur über dieses Thema zu finden.
Im Handbuch für Pilzfreunde (Michel/Henning/Kreisel, Bd. I, S. 20ff.) sind jeweils die charakteristischen Vertreter von typischen Pilzgesellschaften für die jeweilige Jahreszeit in ihrer Fruktifikationsfolge aufgeführt. Kennt jemand weitere, und vor allem aktuellere Publikationen/Untersuchungen, die sich mit diesem Phänomen befassen? Die Literaturhinweise aus dem „Handbuch“ kenne ich; die neusten sind jedoch genau fünfzig Jahre alt und ich bin überzeugt, daß es seither neuere Erkenntnisse gibt.

Vielen Dank für eure Hinweise,

phyllobius

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Re: suche Literatur über Pilzaspekte

Werner, (vor 8201 Tagen) @ phyllobius

Nicht ganz das, was Du suchst. ABER - schau Dir doch mal die Großpilze Baden-Württembergs Bd. 1-4 an. Dort sind für alle nicht gnadenlos seltenen Pilze sowohl die Fruktifikationsdaten als auch die Verteilung über bestimmte Meereshöhen in jeweils einer kleinen Tabelle beim jeweiligen Pilz gelistet. Ich finde das fast noch hilfreicher, weil man durchaus die Maxima und Minima erkennen kann. Es ist ja oft so, daß ein Herbstpilz durchaus auch in manchen Fällen im Frühsommer auftritt und umgekehrt. Und das läßt sich sehr gut aus den Bänden von Krieglsteiner und Gminder (Andreas, der ja hier mitschreibt und -liest) ablesen. Ich finde diese Bücher jedenfalls sehr hilfreich. Allerdings kannst Du daraus nicht direkt ablesen, welche Pilze gemeinhin zusammen auftreten - Du kannst aber die Fruktifikationsmaxima vergleichen, wenn Du das willst. Ich jedenfalls bin sehr zufrieden mit den Tabellen.

Frage an Andreas: Wann kommt denn Bd. 5 raus und wieviele Bände sind insgesamt geplant?

Gruß,

Werner - der sich schon auf Bd. 5 freut.

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Re: suche Literatur über Pilzaspekte

Jens ⌂, (vor 8201 Tagen) @ Werner

Hallo,

ich glaube, daß es zu dieser speziellen Frage kaum Literatur gibt (verbessert mich, wenn ich da falsch liege). Man kann sicherlich in manchen Jahren einen Röhrlingsaspekt im Frühsommer oder einen Herbstpilzaspekt im Winter erkennen,
aber darüber hinaus und auf spezielle Artenkombinationen bezogen, kann ich mir das nicht vorstellen.

Ansonsten - die Arbeit, die in den Baden-Württemberg-Bänden steckt, ist wirklich zu bewundern. Habe die bisher erschienen Bücher von Andreas persönlich bekommen und soweit ich weiß, ist nach dem Band 5 Schluss.

Gruß Jens

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Re: suche Literatur über Pilzaspekte

EricS ⌂, (vor 8200 Tagen) @ phyllobius

Hallo Phyllobius,

versuchs mal hiermit:

Einhellinger, A. (1969) - Die Pilze der Garchinger Heide. Ein Beitrag zur Mykosoziologie der Trockenrasen. Ber. d. Bayer. Bot. Ges. 41: 79-130.

Ansonsten würde ich Dir raten, die Frage einmal im DGfM-Forum posten, u.U. kann Dir dort auch jemand helfen.

Viele Grüße,

Eric

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Re: suche Literatur über Pilzaspekte

Andreas ⌂, (vor 8200 Tagen) @ phyllobius

Liebe ForumsteilnehmerInnen,
ich interessiere mich für die zeitliche Abfolge von typischen
Pilzgesellschaften, in der Fachliteratur auch "Pilzaspekte"
genannt. Sicherlich habt ihr auch schon auffällige „Pilzkonstellationen“
wahrgenommen. Z.B. fand ich im letzten, extrem heißen und trockenen Sommer
während Wochen unzählige Exemplare von Boletus radicans und Russula
chloroides, wo sonst absolut nichts wuchs. Auffällig sind solche
Pilzaspekte meist nur bei extremen Witterungsverhältnissen, aber es ist
naheliegend, daß das ganze Pilzjahr eine gewisse Struktur in der Abfolge
(Frühjahr-, Sommer-, Herbstpilze) und witterungsbedingte Variationen von
Pilzgesellschaften aufweist. Das ist auch nichts neues, nur tue ich mich
schwer damit, neuere Literatur über dieses Thema zu finden.
Im Handbuch für Pilzfreunde (Michel/Henning/Kreisel, Bd. I, S. 20ff.) sind
jeweils die charakteristischen Vertreter von typischen Pilzgesellschaften
für die jeweilige Jahreszeit in ihrer Fruktifikationsfolge aufgeführt.
Kennt jemand weitere, und vor allem aktuellere
Publikationen/Untersuchungen, die sich mit diesem Phänomen befassen? Die
Literaturhinweise aus dem „Handbuch“ kenne ich; die neusten sind jedoch
genau fünfzig Jahre alt und ich bin überzeugt, daß es seither neuere
Erkenntnisse gibt.
Vielen Dank für eure Hinweise,
phyllobius

Hallo,

ich glaube, dass es dazu keine Literatur gibt. Es wurde und wird zwar einiges in Richtung Pilzgesellschaften geforscht und auch publiziert, aber was Du Dir vorstellst ist ja eine gleichzeitig Koppelung an Jahreszeiten.
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann schwebt Dir folgendes fiktive Beispiel vor:
Im Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald tritt im April/Mai ein Mycena abramsii-Peziza arvernensis Aspekt auf, mit den zusätzlichen Pilzarten x1, x2, x3,x4 und x5, der sich bei wenig winterlichen Niederschlägen um drei Wochen nach hinten verschiebt und außerdem dann die Art x1 ausfällt, statt dessen aber x3 Massenfruktifikationen bildet und zusätzlich noch x7 auftritt. Im Juni ist der Wald pilzleer und im Juli/August tritt dann ein Hochsommeraspekt auf, der bei genügend Niederschlag und Hitze von Korallen, Leistlingen und Amaniten gebildet wird, bei weniger Niederschlag dagegen von Täublingen, Röhrlingen und Milchlingen. War der Sommer heiss, dann folgt im Herbst ein Cortinarius und Lepiota-Aspekt, war er eher feucht und nicht so warm, so setzt sich der Täublings-Röhrlingsaspekt bis in den Spätherbst fort. Etc. etc.
Ich denke, dass Mykologen mit viel Felderfahrung Zusammenhänge in irgendeiner Form erkennen können. Aber diese in eine fixe Form zu bringen, die dann auch noch über größere Gebiete anwendbar ist, das geht meiner Ansicht nach (noch) nicht. Ich kenne auch keine Projekte, die sich in dieser Form damit beschäftigen. Meiner Meinung nach spielen da auch zu viele unwägbare Faktoren mit herein, als dass man da irgendwelche Versuchsreihen ausdenken könnte.

Beste Grüße,
Andreas

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Re: suche Literatur über Pilzaspekte

Wolfgang P., (vor 8200 Tagen) @ phyllobius

Ich kenne auch keine Studie, die sich diesem Thema widmet.

Die Wissenschaft ist, soweit ich sehe, immer noch dabei, Artenlisten von Pilzen in einzelnen Pflanzengesellschaften zu erstellen, von richtigen Fungocoenosen ist das aber noch einen Schritt entfernt.

Die Literatur dazu:
Handbook of Vegetation Science, Bd. 19/1: Fungi in Vegetation Science

Ganz neu hat auch Zehfuß 'was dazu geschrieben, allerdings kenne ich das Buch noch nicht: www.pollichia.de

Wolfgang

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Re: Danke für die Hinweise

phyllobius, (vor 8199 Tagen) @ phyllobius

Lieber Werner, Jens, Eric, Andreas und Wolfgang,
vielen Dank für eure Hinweise; die "Großpilze Baden-Württembergs" hatte ich auch schon in den Händen; ich erinnerte mich aber nicht mehr daran, dass die Fruktifikationszeiträume so detailliert beschrieben sind. Danke für den Hinweis.
@Andreas: ja, genau so stelle ich mir die Kenntnis von Pilzaspekten idealerweise vor. Das Problem ist, wie Du das beschrieben hast, die Verknüfung von Biotop mit den möglichen Pilzgesellschaften und der zeitlichen Folge in Abhängigkeit der Witterung. Arbeiten in dieser Richtung beschränken sich wahrscheinlich in der Erforschung eines bestimmten Biotops mit den zugehörigen Pilzgesellschaften, wie das die Arbeiten von Karl Friedrich (1940, 1954) und Karl Höfler (1954) zu den Pilzaspekten auch tun.(vgl. Handbuch der Pilze Bd. I, S. 121) Friedrich fügt der Pilzkartierung noch eine Umfangreiche Dokunentation der Witterung bei, dies jedoch nur über einen relativ kurzen Zeitraum. Im "heimischen" Pilzwald ist über die Jahre wohl eine gewisse Dokumentation der Pilzaspekte möglich, aber dies systematisch zu verallgemeinern erscheint mir auch schwierig.
Aber trotzdem interessiert mich das Thema und wenn man auch nur sagen kann: dieses Jahr erschien der Maipilz schon eine Woche vor dem St. Georgstag, zusammen mit Gyromitra gigans, Morchella esculenta, Sclerotinia tuberosa und Polyporus ciliatus.

ein lieber Gruss,

Philipp

PS: auch für die anderen Literaturhinweise sei gedankt; ich werde sie mir mal ansehen.