Sommerseitlinge *PIC*

interhias ⌂, (vor 8162 Tagen)

Servus nochmal!

Alle Jahre wieder finde ich im Sommer "Austernseitlinge" und weiß nicht, wie ich sie einordnen muss. Es gab auch schon Beiträge dazu im Forum, allerdings sind bei fast allen die Fotos schon gelöscht (seufz!). Gestern fand ich die Sommerseitlinge in beachtlicher Menge, sowohl an liegenden als auch recht hoch oben an stehenden Buchen, in einem Fall an einer kränkelnden, aber noch lebenden Buche.

Hier die Fotos, bei den letzten beiden musste ich blitzen, deswegen sind sie nichts Gescheites. Für mein kleines Stativ wuchsen sie einfach zu hoch oben und es war stockfinster im Wald.
[image]
[image]
[image]

Infos: Durchmesser 4-10 cm; Lamellen weiß, weit am Stiel herablaufend; Stiel meist kurz und exzentrisch, oft zu mehreren verwachsen; Sporenpulver: schmutzigweiß bis leicht violett-bräunlich verfärbt (war das erste Mal dass ich inhomogen gefärbtes Sporenpulver gesehen habe); beim ersten Foto fällt auf, dass die Stiele kaum exzentrisch sind, was einfach daran liegen dürfte, dass die Exemplare eben nicht seitlich sondern vertikal aus der bemoosten Oberseite des liegenden Buchenstammes wuchsen.

Pleurotus ostreatus scheidet wegen der Erscheinungszeit wohl aus, bleibt eigentlich nur der Rillstielige Seitling (Pleurotus cornucopiae), der soll aber recht selten sein und bei meinen ist der Stiel, sofern ausgeprägt, zumindest an der Basis eher glatt.

Wem fällt was dazu ein?

Gruß aus München
Hias

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Re: Sommerseitlinge

Oktober, (vor 8162 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

nicht alle Jahre wieder, - aber letzten Sonntag - habe ich ebenfalls Pleurotus ostreatus gefunden (auch Buche).
Die Stiele waren bei meinen Funden kaum gerieft, Hut taubengrau, das Spp. eher rosa(lich).

Wie viele Pilze ist der Austernseitling hier wohl recht variabel.
Es gibt - meine ich - auch hellere Zuchtformen, die vorzugsweise im Sommer fruktifizieren.

Gruß
Oktober

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Re: Sommerseitlinge

elfi ⌂, (vor 8162 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,
zu meiner Pilzprüfung in Hornberg hatte Herr Pätzold einen
rein weißen P. ostreatus aufgelegt. Also wird es wohl je
nach Licht oder Standort eine größere Farbpalette geben.
Du bist aber nicht der einzige, der um diese Jahreszeit
solche Pilze findet. Aleuria hat diese Woche im Chat eine
große Beute dieser Pilze gezeigt.
Die Ausbreitung passiert auch gerne in der Nähe von
Seitlingszüchtungen, da machen sich die Sporen selbstständig.
Übrigends sieht der Baum toll aus, das hat so was von
einer "Invasion aus der Wega!"
Grüße
elfi

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Re: Sommerseitlinge Bild P. cornucopiae *PIC*

Markus Wilhelm ⌂, (vor 8161 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

das ist wirklich gar nicht einfach! Es könnte schon P. cornucopiae (Rillstieliger Seitling) sein, du zeigst leider den Stiel eines sehr jungen Pilzes. P. cornucopiae hat vor allem in Alter einen wie bei einer Lorchel gerippten Stiel, z.T. netzig. Die Farben können bei beiden Arten recht verschieden sein. Mikroskopisch ist auch nicht viel eindeutiges zu machen. Wie du sagst, spricht die Zeit für P. cornucopiae, aber auch der Austernpilz kann sich wohl einmal irren! Übrigens wächst cornucopiae fast nur in tiefen Lagen, vor allem der grösseren Ströme.
Hier ein Bild von P. cornucopiae von Oberrhein: man sieht links sogar die gelbliche Form, sogar am gleichen Stamm. Kein gestelltes Bild!

[image]

Viele Grüsse, Markus

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Pleurotus pulmonarius?

interhias ⌂, (vor 8161 Tagen) @ Markus Wilhelm

Erstmal Danke für eure Hinweise!

In einem netten Schwammerlbuch von Schmid und Helfer (1995) fand ich folgenden Hinweis auf die Art Pleurotus pulmonarius:

"... die Fruchtkörper, die Sie beim Kaufmann als Austernpilz ... erwerben, sind keine Austernseitlinge im ganz strengen Sinn. Industriell gezüchtet wird nämlich in der Regel ein nah verwandter Pilz, der Löffelförmige Seitling, von der Wissenschaft Pleurotus pulmonarius genannt. Er ist meist etwas anders gefärbt als der wirkliche Austernseitling, aber in Zweifelsfällen weder äußerlich noch unter dem Mikroskop sicher von ihm zu unterscheiden, ...
Einen für die Austernpilzerzeuger sehr wichtigen Unterschied gibt es aber doch: Der Löffelförmige Seitling ist kein Spätherbstpilz, sondern bevorzugt deutlich höhere Temperaturen, weshalb er manchmal auch als "Sommertyp des Austernpilzes" bezeichnet wird. Mit dem Frost, den sein Verwandter unabdingbar benötigt, um Fruchtkörper zu bilden, kann er überhaupt nichts anfangen. Dem Züchter erspart das immerhin den Bau von Gefrierhäusern."

Diese Theorie würde zu Elfis Hinweis auf die Züchter passen.

Dass Pleurotus cornucopiae, wie Markus anmerkt, gewöhnlich in Tieflagen wächst (laut Krieglsteiners "Großpilze ..." kommt er über 400 m kaum noch vor), spricht gegen diese Bestimmung, da der Fundort bei München ca. 620 m hoch gelegen ist.

Es darf also weiter gerätselt werden. Eins ist aber gewiss: Egal, um welche Art es sich bei diesen Pilzen handelt, sie schmecken hervorragend!

Grüße aus München
Hias

Eintrag gesperrt
8 Aufrufe

P. ostreatus var. praecox

Peter K., (vor 8160 Tagen) @ interhias

Erstmal Danke für eure Hinweise!

Hallo Hias,

probiere doch einmal den SV-Test bei deinen Funden auf dem Hut aus.
(Sulvovanillin- Etwas Vanillin mit H2So4 mischen und aufbringen)

Ein weiteres Merkmal kann der leicht süßliche Geschmack sein (vor dem Braten!)

Es könnte sich bei deinem Fund gut um die Sommerform des Austernseitlings handeln. Die wird im LUDWIG unter Nr. 69.4 abgebildet und beschrieben.
Gestern habe ich auch gut 50 FK an einem Buchenstamm gefunden.
Meine Bilder sind vom letzten Sommer an gleicher Stelle.

http://mitglied.lycos.de/fungi82131/ostreatusSVTestK.jpg

http://mitglied.lycos.de/fungi82131/ostreatus.jpg

Gruß, Peter

In einem netten Schwammerlbuch von Schmid und Helfer (1995) fand ich
folgenden Hinweis auf die Art Pleurotus pulmonarius: "... die
Fruchtkörper, die Sie beim Kaufmann als Austernpilz ... erwerben, sind
keine Austernseitlinge im ganz strengen Sinn. Industriell gezüchtet wird
nämlich in der Regel ein nah verwandter Pilz, der Löffelförmige Seitling,
von der Wissenschaft Pleurotus pulmonarius genannt. Er ist meist etwas
anders gefärbt als der wirkliche Austernseitling, aber in Zweifelsfällen
weder äußerlich noch unter dem Mikroskop sicher von ihm zu unterscheiden,
...
Einen für die Austernpilzerzeuger sehr wichtigen Unterschied gibt es aber
doch: Der Löffelförmige Seitling ist kein Spätherbstpilz, sondern
bevorzugt deutlich höhere Temperaturen, weshalb er manchmal auch als
"Sommertyp des Austernpilzes" bezeichnet wird. Mit dem Frost,
den sein Verwandter unabdingbar benötigt, um Fruchtkörper zu bilden, kann
er überhaupt nichts anfangen. Dem Züchter erspart das immerhin den Bau von
Gefrierhäusern."
Diese Theorie würde zu Elfis Hinweis auf die Züchter passen.
Dass Pleurotus cornucopiae, wie Markus anmerkt, gewöhnlich in Tieflagen
wächst (laut Krieglsteiners "Großpilze ..." kommt er über 400 m
kaum noch vor), spricht gegen diese Bestimmung, da der Fundort bei München
ca. 620 m hoch gelegen ist.
Es darf also weiter gerätselt werden. Eins ist aber gewiss: Egal, um welche
Art es sich bei diesen Pilzen handelt, sie schmecken hervorragend!
Grüße aus München
Hias

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Pleurotus und Sulfovanillin

Oktober, (vor 8159 Tagen) @ Peter K.

Hallo Peter.

Ich habe den Test bei meinen Seitlingen durchgeführt und einen heftigen Farbumschlag nach Weinrot festgestellt.
Jetzt weiß ich aber trotzdem nicht, gegen was Sulfovanillin innerhalb Pleurotus eigentlich abgrenzt.
In meiner Literatur habe ich leider keine Hinweise dazu gefunden.

Gruß
Oktober

Eintrag gesperrt
8 Aufrufe

Re: Pleurotus und Sulfovanillin

Peter K., (vor 8159 Tagen) @ Oktober

Hallo Peter.
Ich habe den Test bei meinen Seitlingen durchgeführt und einen heftigen
Farbumschlag nach Weinrot festgestellt.
Jetzt weiß ich aber trotzdem nicht, gegen was Sulfovanillin innerhalb
Pleurotus eigentlich abgrenzt.
In meiner Literatur habe ich leider keine Hinweise dazu gefunden.
Gruß
Oktober

Hallo Oktober,

genau diese Farbreaktion haben meine Sommerkollektionen auch. An Zucht-Austernseitlingen habe ich den SV-Test noch nicht durchgeführt. Die sollten aber auch so reagieren.

Dieser Test hilft nach LUDWIG 2001:570 zur Abgrenzung von P. pulmonarius, der ja ähnlich aussehen kann und mikroskopisch schwierig abzugrenzen ist. Dessen Huttrama färbt nicht weinrot.

Meine Kollektionen sind jedenfalls mit denen in Ludwig Nr. 69.4 vergleichbar und daher als solche angesprochen worden.

Gruß, Peter

Eintrag gesperrt
7 Aufrufe

Danke! Wieder was gelernt. *oT*

Oktober, (vor 8158 Tagen) @ Peter K.

- kein Text -