Nu der Beitrag: Hilfe, bin Täublingstestunfähig!

Bobobär, (vor 8139 Tagen)

Hallo, ihr alle!

Vergangenen Mittwoch hatte ich ein denkwürdiges Erlebnis. Ich ging mit meinem Freund Heiko nahe Berlin in die Pfifferlinge, und auf dem Weg dahin durch trockenen, flechtenreichen Kiefernwald probierte ich einen Täubling - könnte ja sein, dass er verwertbar wäre, und reichlich Genossen hatte er . . .

Die Art hatte leicht gelbliche Lamellen, einen rosa angehauchten Stiel und war oberseits sattrot bis violett. Ältere Exemplare, vom Regen ausgewaschen, waren eher gelborange.

Ich probierte also ein klein bisschen, und konnte auch nach einer Minute keine Schärfe schmecken. Heiko probierte dann auch - und spuckte sofort wieder aus: "Bäh, der ist scharf!" Ich probierte nochmals, und schließlich aß ich den halben Pilz, ohne dass ich mehr als ein leichtes Frischegefühl im Mund, etwa wie nach einmaligem Lecken eines Pfefferminzbonbons, spüren konnte.
Heiko fragte, ob ich öfters scharf äße - ja, so ist es!
Ich mache mir nun Gedanken, ob ich Täublinge in Zukunft überhaupt noch sammeln kann. Letztes Jahr schmeckte ich es noch, doch wenn´s dabei bleibt, riskiere ich ja mindestens, Mit-Esser zu vergraulen . . .

Nun meine Fragen an Euch:

- Lässt sich zum Täubling was sagen?

- Hat jemand von Euch auch schon mal ein ähnliches, individuelles Erlebnis gehabt?

- Sind Scharftäublinge giftig? Falls nicht, könnt´ ich sie ja wenigstens allein essen . . .

Gruß aus Berlin,

Boris

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Re: Nu der Beitrag: Hilfe, bin Täublingstestunfähi

Huperzia ⌂, (vor 8139 Tagen) @ Bobobär

Hallo Boris,

Ich glaube, daß es sehr unterschiedlich ist, wie die Schärfe von Täublingen wahrgenommen wird. Mir sind selbst "milde" Arten scharf.
Zum Beispiel hab ich die "Frauentäublinge" von Andreas schon ab und an als "Grauviolette Reiftäublinge" entlarvt, weil letztere mir einfach scharf schmecken - für Andreas sind beide mild.
Ich hatte auch lange arge Probleme, Täublinge zu bestimmen, weil das Merkmal "mild" für mich halt oft nicht nachvollziehbar war und ich bei eigentlich "milden" Arten bei den scharfen weitergeguckt hatte...
Naja, dies Jahr will ich mal versuchen, mir Schärfeunterschiede einzuprägen ;-).

Viele Grüße,

Tanja

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Re: Nu der Beitrag: Hilfe, bin Täublingstestunfähi

Werner2, (vor 8139 Tagen) @ Bobobär

Hallo,
vermutlich bist Du an den "Tränentäubling" bzw. "Zitronenblättrigen Täubling" (R. sardonia) geraten. Ein Massenpilz der Kiefernwälder der sau-scharf ist und auch in einer rein gelben Variante vorkommt. Tränentäubling in zweierlei Hinsicht.
Die 1. kennst Du ja; die 2.: Auf den Lamellen junger FK bilden sich kleine Wassertröpfchen (Tränen). Vielleicht war es aber auch die R. badia, deren Hut aber mehr weinrötlich, weniger violett gefärbt ist. Bei dieser Art kommt die Schärfe erst nach ca. 20 - 30 Sekunden. Deswegen heisst er "Heimtückischer Zedernholztäubling".
Man sieht, die Grundregel "milde Täublinge sind eßbar" tut zwar stimmen, findet ihre Grenzen aber im beim Sammeln und spätestens beim Probieren.
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Gruss Werner2
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Hallo, ihr alle!
Vergangenen Mittwoch hatte ich ein denkwürdiges Erlebnis. Ich ging mit meinem
Freund Heiko nahe Berlin in die Pfifferlinge, und auf dem Weg dahin durch
trockenen, flechtenreichen Kiefernwald probierte ich einen Täubling -
könnte ja sein, dass er verwertbar wäre, und reichlich Genossen hatte er .
. .
Die Art hatte leicht gelbliche Lamellen, einen rosa angehauchten Stiel und
war oberseits sattrot bis violett. Ältere Exemplare, vom Regen
ausgewaschen, waren eher gelborange.
Ich probierte also ein klein bisschen, und konnte auch nach einer Minute
keine Schärfe schmecken. Heiko probierte dann auch - und spuckte sofort
wieder aus: "Bäh, der ist scharf!" Ich probierte nochmals, und
schließlich aß ich den halben Pilz, ohne dass ich mehr als ein leichtes
Frischegefühl im Mund, etwa wie nach einmaligem Lecken eines
Pfefferminzbonbons, spüren konnte.
Heiko fragte, ob ich öfters scharf äße - ja, so ist es!
Ich mache mir nun Gedanken, ob ich Täublinge in Zukunft überhaupt noch
sammeln kann. Letztes Jahr schmeckte ich es noch, doch wenn´s dabei
bleibt, riskiere ich ja mindestens, Mit-Esser zu vergraulen . . .
Nun meine Fragen an Euch: - Lässt sich zum Täubling was sagen?
- Hat jemand von Euch auch schon mal ein ähnliches, individuelles Erlebnis
gehabt?
- Sind Scharftäublinge giftig? Falls nicht, könnt´ ich sie ja wenigstens
allein essen . . .
Gruß aus Berlin,
Boris

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Re: Nu der Beitrag: Hilfe, bin Täublingstestunfähi

Harald Andres Schmid, (vor 8139 Tagen) @ Bobobär

hallo

das tönt ja interessant...
ich weiss nicht, ob das Vorurteil stimmt, dass Leute, die gerne scharf essen (ich gehöre dazu) abgestumpft sind, Schärfe überhaupt noch als solche wahrzunehmen.
Nach mehrmaligen Indienaufenthalten müsste ich wohl immun gegen Täublingsschärfe sein.
Ist aber nicht der Fall....
Ein anderes kurioses Beispiel, von dem wenige Leute wissen, ist die Sache mit den Bitterstoffen.
Es gibt recht viele Leute, die Bitterstoffe nicht wahrnehmen können, dies jedoch nicht wissen.
Erst das prüfende Lecken an den Röhren eines Gallenröhrlings entlarvt die Sache.
Ich habe auf der Kontrolle schon öfters erlebt, dass Leute sagen: "nein, das ist für mich überhaupt nicht bitter!" (mir zog es beim Zusehen alles zusammen...)
Auch der Chef "innere Sicherheit" in Baden, dem die Pilzkontrolle unterstellt ist, kam bei einer Pilzexkursion mit uns darauf, dass er Bitterkeit nicht schmecken kann.
Ich habe gehört, dass es sich hierbei ähnlich wie bei der Farbenblindheit verhalte: wer noch nie bitter geschmeckt hat, vermisst es auch nicht, da es ein unbekannter Reiz ist.
Nur, dass Farbenblindheit irgendwann mal, z.B. in der Schule, bei einem Test, ans Licht kommt, - aber wer testet schon Menschen auf mangelnde Rezeptoren für Bitterstoffe?
Gruss, Harald Andres

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Re: Nu der Beitrag: Hilfe, bin Täublingstestunfähi

Robert Blau, (vor 8139 Tagen) @ Harald Andres Schmid

hallo
ich weiss nicht, ob das Vorurteil stimmt, dass Leute, die gerne scharf essen
(ich gehöre dazu) abgestumpft sind, Schärfe überhaupt noch als solche
wahrzunehmen.

Es stimmt, wenn man _wirklich_ scharf isst. Ich habe mal mit 2 Chinesen in einer WG gewohnt. Der eine hatte schon echte Ausfallserscheinungen beim Geschmack. Kein Wunder, so wie er gekocht hat. Aber lecker wars ;)

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Re: Nu der Beitrag: Hilfe, bin Täublingstestunfähi

Werner, (vor 8139 Tagen) @ Robert Blau

Es stimmt, wenn man _wirklich_ scharf isst. Ich habe mal mit 2 Chinesen in
einer WG gewohnt. Der eine hatte schon echte Ausfallserscheinungen beim
Geschmack. Kein Wunder, so wie er gekocht hat. Aber lecker wars ;)

Ich kann da auch nur zustimmen. Ich esse auch sehr gern sehr scharf und kann nur die allerschärfsten Täublinge als leicht scharf erkennen. Aber ich habe gelernt (im Lauf der Zeit) wenig scharfe Täublinge als "irgendwie komisch mild" zu erkennen, bei ganz milden schmecke ich dann irgendwie was Butteriges oder so ... ist aber trotzdem sehr schwierig und ich muß ziemlich lang auf schwach scharfen Täublingen "rumlutschen".

Gruß,

Werner

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Re: Nu der Beitrag: Hilfe, bin Täublingstestunfähi

Mebo, (vor 8138 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo,

ein sehr interessantes Thema.

Ich hatte letztes Wochenende bei einigen Kostproben auch nicht so ganz normale Ergebnisse: Samstag habe ich mal probehalber einen Eichenmilchling gekostet -bei uns eine der häufigsten Arten; andere uneingeschränkt essbare Milchlinge gibt es nur höchst selten. Kurz und gut, die Kostprobe ergab eine erhebliche Schärfe - nichts da mit fast mild.

Indessen habe ich sonntags mal zwei Ockertäublinge probiert und war ziemlich positiv überrascht, weil bei beiden absolut keine Schärfe festzustellen war. Außerdem noch einen Kirschroten Speitäubling (ich war nicht irgendwie weggetreten). Das Ergebnis war erstaunlicherweise nur leicht scharf - ohne die Zunge zu "verbrennen".

Dem ungeachtet wende ich die Kostprobe, um die Essbarkeit zu prüfen, nur bei Täublingen an.

Gruß Matthias

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Re: Beitraege: Hilfe, bin Täublingstestunfähi

Bobobär, (vor 8138 Tagen) @ Mebo

Liebe Leute,

Danke für Eure Beiträge! Es scheint ja, dass ich Schicksalsgenossen genug habe, und das beruhigt mich erstmal.

Den angesprochenen Effekt des Bitter-nichtSchmeckens kenne ich aus dem Biologieunterricht, wo unser Lehrer es mit der ganzen Klasse durchgeführt hat. War ´ne Demo zum Thema Erblichkeit, denn mit dem Testbitterstoff (keine Ahnung,was) verhält es sich so, dass der Geschmack für ihn ganz klar nach Mendelscher Regel vererbt wird, und in jeder Schulklasse ihn ein paar nicht wahrnehmen. Für mich war´s abscheulich . . .

Mit der Schärfe des Zitronenblättrigen Täublings (das Bild in Eurer Galerie passt sehr gut!) ist es vielleicht auch so. Gewöhnung an "Scharf" habe ich zwar, aber letztes Jahr war der Speitäubling auch für mich noch extrem!

Ich werde mal im Rest des Jahres mich durchprobieren und dann mal melden, wie die Ergebnisse so ausfallen. Es könnten ja durchaus verschiedene Scharfstoffe (mit unterschiedlicher persönlicher Sensibilität) auch in nah verwandten Arten vorkommen.

Boris