Bericht über vier Vergiftungsfälle!!

Christoph G, (vor 8045 Tagen)

Hallo zusammen,

Angeregt durch Olafs Frage von gestern was denn für Anfänger idiotensicher ist, hab ich mir überlegt zu was für Vergiftungsfällen ich schon ins Krankenhaus gerufen wurde. Exemplarisch vier völlig unterschiedliche Fälle der letzten zehn Jahre.

Fall 1: Durchfall und magenschmerzen bei 60 jähriger Frau. Ergebnis: Mir wurde ein halb verschimmelter Filzröhrling gezeigt, den die Dame in ihrem garten gefunden hatte und von dem sie roh ein kräftigen Bissen genommen hatte!!!

Fall 2: Mann von ca. 50 Jahren mit Bauchschmerzen in Klinik: Reste von irgendeiner blassgelben Korallenart vorhanden. Der Mann zeigte mir Dähnkes 700 Pilze, und dass er die Koralle dort als essbar bestimmt hatte. Ich finde das Beispiel zeigt, dass korallen generell nicht mehr als essbar bezeichnet werden sollten. Weil "DEN" essbaren goldgelben Ziegenbart von "DER" giftigen Bauchwehkoralle unterscheiden zu können überlass ich lieber Joseph Christian.

Fall 3: Jüngerer frau wurde auf intensivstation magen ausgepumpt WEIL: Sie hatte beim Wandern im hegau viele weiße Champignons gefunden und abends zubereitet. DANACH kam sie auf die Idee mal in ein Pilzbuch zu schauen. Dort las sie dann was von weissen knollis und geriet in Panik. Ich bin nachts mit Taschenlampe auf dem Hegauvulkan Mägdeberg an beschriebener stelle rumgelaufen und fand nur Anischampignons - hatte auch schon vom Standort her A. virosa eigentlich ausschliessen können. Typischer fall von eingebildeter Pilzvergiftung gepaart mit bodenlosem Leichtsinn.

Aber es geht noch leichtsinniger und dazu noch gemeingefährlich...

Fall 4: Anruf aus Klinik: zehn jähriges Mädchen liegt mit bauchweh im KH, nachdem ihm die Mutter Champignons zubereitet hatte, die das Mädchen auf einem Wanderausflug mit der Klasse von einem fremden Pilzsucher geschenkt bekam. Die Mutter brachte mir dann einen wunderschönen Karbolchampignon!!!!! Man muss sich das mal vor Augen führen: Ein Pilzsucher verschenkt an fremde Kinder Giftpilze. Wenn man dem Mann keinen Vorsatz unterstellt, er also nix von Karbolchampignons wusste, ist das verhalten mindestens so grob fahrlässig, dass er sich einer fahrlässigen Körperverletzung strafbar macht. Mal ganz abgesehen von der Aufsichtspflicht der Lehrer/in und den Eltern, die blind jemand vertrauen, den sie nicht kennen und noch nicht einmal gesehen haben.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

LG Christoph

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Re: Bericht über vier Vergiftungsfälle!!

Thomas Pruß, (vor 8045 Tagen) @ Christoph G

Moin Christoph,
zumindest Fall 3 und 4 sind der Hammer!
Zu 3: Hoffentlich hast du dir die nächtliche Exkursion bezahlen lassen. Das muss der Tante weh tun, sonst rennt die noch mal los…
Und Fall 4 ist eigentlich einer für die Polizei!
Grüsslis
Thomas

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Re: Bericht über vier Vergiftungsfälle!!

AK_CCM, (vor 8045 Tagen) @ Thomas Pruß

Hi Christoph,

der letzte Fall ist tatsächlich der Hammer. Dem Kind kann man keinen Vorwurf machen, aber sehr wohl der Lehrerin, die das zuliess und die Mutter, die die Pilze auch noch kochte und dem Kind zu essen gab.

Und das mit dem verschimmelten Röhrling verstehe ich auch nicht. Keine 10 Pferde würden mich dazu bringen verschimmelte, matschige oder madige Pilze roh zu verspeisen! Da wird mir echt schlecht...

Gruß, Andreas

Moin Christoph,
zumindest Fall 3 und 4 sind der Hammer!
Zu 3: Hoffentlich hast du dir die nächtliche Exkursion bezahlen lassen. Das
muss der Tante weh tun, sonst rennt die noch mal los…
Und Fall 4 ist eigentlich einer für die Polizei!
Grüsslis
Thomas

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Re: Bericht über vier Vergiftungsfälle!!

Dedimyk, (vor 8044 Tagen) @ AK_CCM

Hallo im Forum,

das ist zum Teil wirklich das letzte. Da war mein letzter" Vergiftungsfall" noch harmlos.
Eine Mutter rief mich am 8.6.04 aufgeregt an und teilte mir mit, daß ihr Kind im Kindergarten gespielt hat und aus dem Rasen vor dem Haus einen Pilz gegessen
habe und sie nicht wüßte was zu tun wäre.Auf meine Nachfrage teilte sie mir mit,daß sie einen Musterpilz gepflückt habe und ihn mir umgehend bringe, was auch sofort passierte.
Als ich den Pilz sah, fiel mir ein Stein vom Herzen, denn ich hatte den Verdacht auf Nelkenschwindling ( roh giftig, Blausäure ), oder eventuell ein giftigen Trichterling;
aber es war gottseidank nur Panaeolus foenisecii, der Heuschnittpilz.
Ich konnte die aufgeregte Mutter beruhigen und darauf hinweisen, daß dieser Pilz nur schwach halluzinogen ist und sonst keine Nebenwirkungen auftreten ( eventuell etwas lustiges Verhalten ).
Trotzdem bat ich um Beobachtung und bei Bedarf Arztbesuch sowie um Rückmeldung nach 1 Stunde, die erfolgte: ohne Befund.
Damit war diese " Vergiftung" erledigt.

Gruß Detlef

Das war ein Hi Christoph,

der letzte Fall ist tatsächlich der Hammer. Dem Kind kann man keinen Vorwurf
machen, aber sehr wohl der Lehrerin, die das zuliess und die Mutter, die
die Pilze auch noch kochte und dem Kind zu essen gab.
Und das mit dem verschimmelten Röhrling verstehe ich auch nicht. Keine 10
Pferde würden mich dazu bringen verschimmelte, matschige oder madige Pilze
roh zu verspeisen! Da wird mir echt schlecht...
Gruß, Andreas

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Auch ein Profi kann irren ...

Blausprödler, (vor 8044 Tagen) @ Christoph G

Hallo Christoph - super Beitrag!

Auch uns ging es vor etwa 10 Jahren so.
Ein guter Freund und Bekannter - eigentlich ein topp Pilzkenner - brachte uns an den Tisch eine Menge Röhrlinge darunter einen Schönfußröhrling. Ich zweifelte extrem an der Genießbarkeit und sagte zu meiner Frau dass dieser noch zu überprüfen sei. Doch wie der Zufall es will, kam ich nicht mehr dazu, sie machte ein Gericht, und Gott sei Dank war dieser Kerl Bitter (es gibt auch Varitäten unbitter) und sie schmieß die mit Eier in der Pfanne gebratenen Pilze sofort weg.
Leichtsinn oder Unkenntnis - ich persönlich sage man sollte immer "keinen" Vertrauen der nicht die entsprechenden Erfahrungen und Kenntnisse vorweisen kann.
Darum ein Lob, an alle Pilzsachverständigen!

Gruß und weiter so

MFG

Wolfgang

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Re: Bericht über vier Vergiftungsfälle!!

Huperzia ⌂, (vor 8044 Tagen) @ Christoph G

...heute kam auch ein Mann zu mir zur Beratung und legte erst ein paar Nebelkappen vor und dann einen Pilz, der ihn besonders interessierte: es waren ein paar Rosa Rettichhelmlinge (Mycena rosea) und er erzählte mir dann, daß er die vor ein paar Tagen gegessen hatte und es ihm danach nicht besonders gut ging. Und seine geschilderten Symptome entsprachen dann auch dem, was im "Giftpilze"-Buch stand.
"Verwechselt" hatte er die mit Täublingen und da er die Täublingsregel kannte und die Pilze mild waren (und vor allem reichlich und die einzigen).....

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täublingsregel

coco, (vor 8044 Tagen) @ Huperzia

hallo tanja,

da sieht man mal, wie sehr man mit der täublingsregel aufpassen muss. ich fürchte, oft wird gar nicht bedacht, dass die sammler täublinge erst mal als solche erkennen müssen.

lg coco