Hallo Jürgen,
ich kann trotzdem fast nicht glauben, dass das Bild 1 ein queletii sein soll. Ich habe noch nie auch nur eine Andeutung von einem grauen Filz über Hutfarbe bei dieser Art gefunden. Das wird für comptus zwar so nicht gezeigt, aber ganz klar beschrieben: "L'evoluzione cromatica del capello, che va da colori grigiastri a colorazioni rosate è piuttosto tipica". Genau das meine ich aber bei Hias' Fund auch so zu erkennen.
Alles andere paßte auch gut bei meinem Gardasee-Fund, u.a. der Stiel mit den schülferigen Flöckchen (beim oberen Bild und bei Galli gut zu sehen) und nahezu fehlendem Netz ("Colore giallo ocraceo, aranciato con estremità superioro poco reticulato o talvolta anche priva di reticolo"), das fast fehlende Rot in der Stielbasis (ist beim ganzen Pilz aber schwach zu erkennen, war in Natura etwas deutlicher), das bei Hias' Fund auch nur wenig ausgeprägt ist ("Carne giallo, un po' rossa solo all'estrema base del gambo o anche completamente gialla").
Dass die Poren jung gelb sind, ist für alle Hexenröhrlinge gleich ungewöhnlich oder auch üblöich, je nachdem wie man das sehen will. Insgesamt hat queletii wohl dir größte Tendenz, wenig orange in den Poren zu zeigen, aber der zweite kleine Pilz auf Hias' Bild scheint mir wiederum doch orangerote Poren zu zeigen. Ich messe dem keinen Wert bei.
Bleibt noch die glänzende gegenüber der matten Hutoberfläche. Hier bin ich der Meinung, dass es sich durchaus um Altersstadien handeln kann, dass nämlich der Glanz (und damit mikroskopisch auch die liegende Kutis von comptus statt aufgerichteten Hyphen von queletii) erst nach Verschwinden des Filzes auftritt.
Nun, das sind natürlich nur meine Hypthesen, KENNEN tue ich die Art natürlich nicht wirklich. Aber wenn mein Gardasee-Röhrling kein B. comptus sein sollte, was dann? Ich glaube kaum, dass es sich um einen Purpur-Röhrling handelt, dazu war das Ding auch zu klein und überhaupt. Und an Boletus luridus mit fehlendem roten Röhrenboden (was ja vorkommt) kann ich auch nicht so recht glauben, auch dazu fehlt mir die rote Stielbasis.
Und das 1. Bild von Hias sieht mir schon nach demselben Pilz aus wie meiner vom Gardasee. Warum sollte comptus im Übrigen nicht mit B. queletii zusammenwachsen, diese Röhrlinge zeigen oft enge Vergesellschaftung.
beste Grüße,
Andreas
bei Bild 1 hatte ich auch B. comptus überlegt, aber
- die Huthaut erscheint mir nicht glänzend genug
- die Hutfarbe geht eher ins hell olivgelbe mit orangen Flecken , was ich bei
queletii auch schon beobachtet habe
- die Röhren beim jungen Pilz sind gelb (nicht rot wie bei deinem ungefähr
gleich alten Fund)
- die Stielbasis ist im Schnitt rot (davon sieht man bei deinem Fund nichts)
Die Exemplare auf Bild 1 sind nur insgesamt etwas zu hell/blass pigmentiert,
aber sonst sehe ich keinen Grund, warum das nicht auch B. queletii sein
sollte.
Zudem hatte ich den Eindruck, die Bilder 1-3 seien aus demselben
Fundzusammenhang (was Interhias bestätigen müsste).
Grüße, Jürgen
P.S.: Schöner Fund am Gardasee (aber B. comptus hätte ich, speziell nach
dem Galli-Bild, auf Anhieb darin auch nicht erkannt.)