Über zwei (!) "Erlenkätzchen-Becherchen, v. Kazuya *PIC*

Notizbrettbildservice, (vor 7902 Tagen)

hallo,

direkt nach der Schneeschmelze kann man schon so einige pilzliche "Attraktivitäten" finden, dazu gehört im Februar/März auch der Erlenkätzchen-Stromabecherling (Ciboria amentacea):
[image]

Die Art ist bei mir die häufigste Ciboria, die zudem direkt bei mir vor der Haustüre zu finden ist. Sie erscheint vorwiegend auf vorjährigen Kätzchen von Erle (Alnus), die oft etwas vergraben sind. Unverwechselbar ist Ciboria amentacea durch ihre bis zu 20 mm breiten, haselbraunen Fruchtkörper mit dem pokal- bis kelchförmigen, später flach ausgebreiteten Becher, der am Rand fein weißlich gezähnt ist und dem Stiel, der vor allem dann sehr lang ist wenn das Substrat tief im Boden steckt.
Auf dem Bild ist auf dem Erlenkätzchen unten links ein winziger Becherling zu entdecken, der rein oberflächlich an Pezizella amenti (Weidenkätzchen-Becherchen) erinnert. Diesen Becherling habe ich genauer untersucht und kann folgende Beschreibung angeben:
Fk. 0,3-0,7 mm breit, fast stiellos dem Substrat aufsitzend, weißlich, im feuchten Zustand z.T. etwas durchscheinend, ohne Haare.

Fruchtkörper (x40)
[image]
Mikroskopische Merkmale:
- Sporen 6,5-7x3,3-3,5 µm, elliptisch, vereinzelt auch spindelig-elliptisch, da an einem oder an beiden Enden etwas zugespitzt, hyalin, ohne Tropfen, ohne Septierungen, glatt.
- Asci 51-65(70)x7-8 µm, achtsporig, hyalin, dünnwandig, inoperculat, basal ohne Haken, kurzstielig, keulig bis zylindrisch, Sporen unregelmäßig biseriat.
- Paraphysen 50-55x2,5-3,5 µm, hyalin, vereinzelt septiert, die Asci kaum oder nicht überragend, an der Spitze nicht verdickt, auffallend mit zahlreichen, lichtbrechenden Vakuolen gefüllt.
- Excipulum überwiegend aus rundlichen bis etwas länglichen Zellen bestehend.

Fruchtschicht (x400)
[image]
Asci und Paraphysen (x1000)
[image]
Sporen (x1000)
[image]
Wenn man der Beschreibung folgt, so ist man geneigt, den Becherling als Peziza amenti zu bestimmen, die jedoch allgemein mit größeren Sporen 9-11x3,5-4 µm beschrieben wird und zudem (offensichtlich) nur an Weidenkätzchen erscheint. Weitaus besser passt hier eine gewisse Pezizella rava, mit Sporen von 6-9x2,5-3,2 sowie einem Vorkommen auf Kätzchen von Birke (Betula). Inwieweit welche Art auf welchem Substrat (Erlen-, Weiden- oder Birkenkätzchen) vorkommen kann, scheint bei keiner der drei Arten wirklich gesichert zu sein. Dass die hier beschriebene Art P. amenti sehr nahekommt, belegen Makro- und Mikromerkmale nahezu eindeutig.
Ich habe den winzigen Becherling vorher noch nie beobachtet, obwohl ich immer auch gezielt nach C. amentacea geschaut habe. Pezizella amenti habe ich vor drei Jahren schon einmal gefunden, damals aber auf Weidenkätzchen:
[image]
'Pezizella' amenti (Batsch: Fr.) Dennis

Soviel zu den Erlenkätzchen-Becherlingen...

Beste Grüße,
Kazuya

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Re: Über zwei (!) "Erlenkätzchen-Becherchen, v. Ka

Kazuya, (vor 7901 Tagen) @ Notizbrettbildservice

hallo,

es ist 'etwas' zu korrigieren:
Bild 2 zeigt nicht Pezizella rava, sondern Pezizella amenti, gehört also ganz an den Schluss.
Bild 3 zeigt Pezizella rava in 40-facher Vergrößerung, gehört also an den Platz von Bild 2.
Bild 4 ist richtig.
Bild 5 Ist die Fruchtschicht in 400-facher Vergrößerung.
Bild 6 sind die Sporen, müssen also dorthin, wo Bild 5 ist.

Schade, dass das jetzt derart durcheinander geraten ist.

Gruß,
Kazuya

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Re: Über zwei (!) "Erlenkätzchen-Becherchen, v. Ka

Nobi, (vor 7899 Tagen) @ Notizbrettbildservice

hallo,
direkt nach der Schneeschmelze kann man schon so einige pilzliche
"Attraktivitäten" finden, dazu gehört im Februar/März auch der
Erlenkätzchen-Stromabecherling (Ciboria amentacea):
Die Art ist bei mir die häufigste Ciboria, die zudem direkt bei mir vor der
Haustüre zu finden ist. Sie erscheint vorwiegend auf vorjährigen Kätzchen
von Erle (Alnus), die oft etwas vergraben sind. Unverwechselbar ist
Ciboria amentacea durch ihre bis zu 20 mm breiten, haselbraunen
Fruchtkörper mit dem pokal- bis kelchförmigen, später flach ausgebreiteten
Becher, der am Rand fein weißlich gezähnt ist und dem Stiel, der vor allem
dann sehr lang ist wenn das Substrat tief im Boden steckt.
Auf dem Bild ist auf dem Erlenkätzchen unten links ein winziger Becherling zu
entdecken, der rein oberflächlich an Pezizella amenti
(Weidenkätzchen-Becherchen) erinnert. Diesen Becherling habe ich genauer
untersucht und kann folgende Beschreibung angeben: Fk. 0,3-0,7 mm breit,
fast stiellos dem Substrat aufsitzend, weißlich, im feuchten Zustand z.T.
etwas durchscheinend, ohne Haare.
Fruchtkörper (x40)

Mikroskopische Merkmale: - Sporen 6,5-7x3,3-3,5 µm, elliptisch, vereinzelt
auch spindelig-elliptisch, da an einem oder an beiden Enden etwas
zugespitzt, hyalin, ohne Tropfen, ohne Septierungen, glatt.
- Asci 51-65(70)x7-8 µm, achtsporig, hyalin, dünnwandig, inoperculat, basal
ohne Haken, kurzstielig, keulig bis zylindrisch, Sporen unregelmäßig
biseriat.
- Paraphysen 50-55x2,5-3,5 µm, hyalin, vereinzelt septiert, die Asci kaum
oder nicht überragend, an der Spitze nicht verdickt, auffallend mit
zahlreichen, lichtbrechenden Vakuolen gefüllt.
- Excipulum überwiegend aus rundlichen bis etwas länglichen Zellen bestehend.
Fruchtschicht (x400)

Asci und Paraphysen (x1000)

Sporen (x1000)

Wenn man der Beschreibung folgt, so ist man geneigt, den Becherling als
Peziza amenti zu bestimmen, die jedoch allgemein mit größeren Sporen
9-11x3,5-4 µm beschrieben wird und zudem (offensichtlich) nur an
Weidenkätzchen erscheint. Weitaus besser passt hier eine gewisse Pezizella
rava, mit Sporen von 6-9x2,5-3,2 sowie einem Vorkommen auf Kätzchen von
Birke (Betula). Inwieweit welche Art auf welchem Substrat (Erlen-, Weiden-
oder Birkenkätzchen) vorkommen kann, scheint bei keiner der drei Arten
wirklich gesichert zu sein. Dass die hier beschriebene Art P. amenti sehr
nahekommt, belegen Makro- und Mikromerkmale nahezu eindeutig.
Ich habe den winzigen Becherling vorher noch nie beobachtet, obwohl ich immer
auch gezielt nach C. amentacea geschaut habe. Pezizella amenti habe ich
vor drei Jahren schon einmal gefunden, damals aber auf Weidenkätzchen:
'Pezizella' amenti (Batsch: Fr.) Dennis
Soviel zu den Erlenkätzchen-Becherlingen...
Beste Grüße,
Kazuya

Hallo Kazuya,

auch wenn Dir offensichtlich niemand hinsichtlich der weißlichen Erlenkätzchen - Becherlinge weiterhelfen kann (ich kann es leider auch nicht), möchte ich Dir unbedingt Mut machen, weiterhin solche und ähnliche Beiträge ins Forum zu stellen. Für mich war dies einer der interessantesten Beiträge der letzten Tage. Ich denke, dass es gerade die Vielfalt ist, die dieses Forum so spannend macht. Wirst Du wieder mal was über Copros bringen? Einen Fan hättest Du da schon mal!

Beste Grüße Nobi

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Re: Über zwei (!) "Erlenkätzchen-Becherchen, v. Ka

Hans-Otto Baral, (vor 7896 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Lieber Björn,

dein Fund ist sehr interessant und besonders deine Mikros sehr gut. Gut zu sehen sind schon die Tropfen in den lebenden Paraphysen, die typisch sind für Cyathicula, wohin zur Zeit die Pezizella amenti wohl zurecht gerechnet wird (allerdings als Crocicreas, siehe Carpenter 1981), und womit dein Pilz auf Alnus-Kätzchen sicher nahe verwandt ist. Nicht einig bin ich mit den Haken: Ich meine von deinem Foto sicher zu sein, dass dein Fund Haken hat, aber gut, dass du auf das Merkmal achtest. Ich habe kürzlich sehr ähnliches gesehen, allerdings auf Knospenschuppen von Pinus maritima aus der Bretagne (leg. J.P. Priou). Ich glaube fast, dass das dieselbe Art ist! Wenn ich wüsste, wie man hier Bilder einbaut, würde ich welche einstellen. Ähnliches kenne ich zudem von Betula-Kätzchen, vielleicht ist alles eine Art, mit etwas variabler Sporengröße. Svrcek hat nun zwei Arten beschrieben, Ciboria rava Svrcek (1989, New or less XX) auf Betula-Kätzchen und Hymenoscyphus ravus Svrcek (1989, New or less XIX) auf Picea-Knospen, die auf unsere Funde mehr/weniger passen. Komischerweise verwendete er zweimal denselben Artnamen. Bei H. ravus hat er allerdings Kristalle auf dem Excipulum gesehen, was mich sehr irritiert. Wie kommst du auf Pezizella? Hat die Art jemand umkombiniert, und wenn ja, welche der beiden Svrcek-Arten, und wo? Wenn du willst, kannst du mir deine Funddaten mitteilen, ich nehme deine Bilder gerne in meine Datenbank auf, wenn dich das nicht stört. Hast du eigentlich meine CD mit Zeichnungen und Fotos?

mit herzlichen Grüße

Zotto

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Re: Über zwei (!) "Erlenkätzchen-Becherchen, v. Ka

Guy Marson, (vor 7896 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Hallo Kazuya

hallo,
direkt nach der Schneeschmelze kann man schon so einige pilzliche
"Attraktivitäten" finden, dazu gehört im Februar/März auch der
Erlenkätzchen-Stromabecherling (Ciboria amentacea),....

Würde mich interessieren, mit welcher Digicam diese Bilder - vor allem die mikroskopischen - aufgenommen wurden?

Ciaoo,

Guy

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Re: Über zwei (!) "Erlenkätzchen-Becherchen, v. Ka

Kazuya, (vor 7894 Tagen) @ Guy Marson

Hallo Kazuya
Würde mich interessieren, mit welcher Digicam diese Bilder - vor allem die
mikroskopischen - aufgenommen wurden?
Ciaoo,
Guy

hallo Guy,

Ciboria amentacea, Pezizella rava und die Mikrofotos sind mit einer Lumix-Digitalkalera mit einem Leika-Objektiv aufgenommen worden, Pezizella amenti mit einer Olympus C-2100.
Die Mikrofotos habe ich durchs Okular fotografiert, und Pezizella amenti ist mit der Olympus durch eine 6-fach Lupe "geknipst" worden. Ich habe mittlerweile allerdings eine neue Lupe (4-, 6- und 10-fach in einem). Ich versuche gerade, mit der Lumix durch die Lupe zu fotografieren, muss allerdings feststellen, dass dies bislang nicht so gut funktioniert wie mit der Olympus.

Beste Grüße,
Kazuya

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Re: Über zwei (!) "Erlenkätzchen-Becherchen, v. Ka

Guy Marson, (vor 7892 Tagen) @ Kazuya

Hallo Kazuya

Würde mich interessieren, mit welcher Digicam diese Bilder - vor

allem die

mikroskopischen - aufgenommen wurden?

Ciaoo,
Guy
hallo Guy,
Ciboria amentacea, Pezizella rava und die Mikrofotos sind mit einer
Lumix-Digitalkalera mit einem Leika-Objektiv aufgenommen worden,

Zur Information: Seit Monaten teste ich diverse Digicams auf ihre

Tauglichkeit in der Durchlicht-Hellfeld-Mikroskopie. Bei den

kontrastarmen Pilzzellen versagen viele Digicams weil ab etwa

400-facher Vergrösserung sich Ringe (und andere Artefakte) einstellen,

die man bei schwächeren Vergrösserungen oder Lupenbildern nicht sieht.

Ein schlimmes Beispiel ist die sehr oft in der Mykologie verwendete

Coolpix Serie (950/990/995/4500). Die Lumilux II von Leica macht sehr

starke Ringe, diese Lumix (Panasonic?) hab ich noch nicht getestet,

werde das aber mal machen, denn sie scheint tauglich zu sein. Die Firma

Leica verwendet seit einiger Zeit eine Canon PowerShot S50 für ihre

Mikroskope, wohl weil die mitgekriegt haben, dass ihre eigenen Produkte

(??) nicht tauglich sind wegen Ringen und Staubpartikeln im

Strahlengang eines jeden Modells.

:Pezizella amenti mit einer Olympus C-2100.

Diese Olympus kenne ich auch nicht, weil sie wahrscheinlich etwas älter

ist und nicht mehr in den Regalen der M-/S-Märkte zu finden ist.

:Die Mikrofotos habe ich durchs Okular fotografiert, und Pezizella

amenti ist mit der Olympus durch eine 6-fach Lupe "geknipst" worden.

ok.. mache ich bei Lupen auch so, das wird recht brauchbar.

Ich habe mittlerweile allerdings eine neue Lupe (4-, 6- und 10-fach in

einem). Ich versuche gerade, mit der Lumix durch die Lupe zu

fotografieren, muss allerdings feststellen, dass dies bislang nicht so

gut funktioniert wie mit der Olympus.

Diese Lumix hat sicher ein lichtstarkes Objektiv mit grosser

Vorderlinse. Das wird dann schwierig wegen Vignettierung bei kurzen

Brennweiten.

Beste Grüße,

Kazuya

Ciaoo,

Guy

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