Frage zur Exsikkat-Mikroskopie

interhias ⌂, (vor 7857 Tagen)

Servus!

Wie muss ich vorgehen, wenn ich ein Exsikkat mikroskopieren will, also wie lange muss ich das Objekt quellen lassen und wann mache ich am besten den Schnitt?
Habe gelesen, dass Leitungswasser 3%iger KOH vorzuziehen sei.

Gruß
Hias

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Re: Frage zur Exsikkat-Mikroskopie

saibling, (vor 7857 Tagen) @ interhias

Servus Hias,

den Schnitt würd ich immer am trockenen Exikat durchführen.
erst den kleinen Abschnitt lasse ich auf dem Objektträger in Wasser quellen,
was meist recht schnell geht. Man sieht im Mikroskop dann schön wie sich
die Strukturen entfalten. KOH lässt die Hyphen, Cystiden usw. meist nach
kurzer Zeit schon überdimensional aufquellen, was einen schnell mal zu einer
Fehlinterpretation verleiten kann.

Grüsse
christian

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Re: Frage zur Exsikkat-Mikroskopie

Wolfgang P., (vor 7856 Tagen) @ interhias

Manche Pilze quellen in Wasser nur schlecht, und dann kommst Du um KOH nicht rum. Es hängt also, wie immer, vom Pilz ab.

Von einem Ascomyceten-Spezialisten wirst Du jedenfalls eine andere Auskunft bekommen als von einem Porlingsspezialisten (der wird immer KOH nehmen).

Brüchige Pilze musst Du jedenfalls erst quellen und dann schneiden, mache musst Du angeblich sogar in KOH/Glycerin quellen, damit noch ein Schnitt möglich ist. Sporen messen solltest Du aber an einem solchen Schnitt besser bleiben lassen...

Grüße,

Wolfgang

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Meine Laienmethode

pilzmel ⌂, (vor 7856 Tagen) @ interhias

Servus Hias!
Deine Frage ist ja fast unter Morcheln begraben. Ich antworte mal etwas länglich; nicht, weil ich in der Sache der Obermufti bin (im Gegenteil), sondern weil ich mir so ziemlich dieselbe Frage fast jahrelang auf der Zunge zerbissen habe. Alle wissen Bescheid, nur ich nicht, hatte ich immer im Hinterkopf. Zu lesen war beständig: Aufquellen in KOH (oder Ammoniak). Wie jetzt? Pilz ins Einweckglas und Lauge drüber? Mit ein paar Fragmenten im Blockschälchen habe ich das probiert - ergibt eine nicht zu händelnde Masse und ist natürlich ein wenig materialintensiv. Schließlich hatte ich mir den ERB/MATTHEIS besorgt (und wegen überwiegender Enttäuschung gleich wieder verkauft), wo ich endlich mal Näheres erfahren habe. Schnitt an Trockenmaterial ausführen (klappt inzwischen, auch das Benetzen mit Spiritus kann man weglassen). Spannender ist es schon, bei Minipilzchen ein Lamellenstück heraus zu obduzieren, wenn man keine feststellbare Lupe hat. Da fehlt ein dritter Arm...
Auf den Objektträger verbringen, KOH drüber und (mit Feuerzeug) bis zur ersten Bläschenbildung erhitzen. Der Tropfen muß "stehen", sonst verdampft die Lauge schneller als sie kocht. Dann mit destill. Wasser ablöschen (nicht bis zur Abkühlung warten, wegen erwähnter Verdunstung). Mir ist nie ein Objektträger geplatzt. Absaugen. Wieder Wasser drüber, oder Farbstoff (ich verwende Kongorot als Allheilmittel). Nach Einwirkungszeit wieder säuberlich aufsaugen und nochmal Wasser zugeben. Eindeckeln. Freuen. So mache jedenfalls ich das, und ich bin gespannt, ob es Kritik regnet. Irgendwelche abnormen Quelleffekte habe ich im Literaturvergleich nicht bemerkt. Anfügen möchte ich noch, daß KOH nicht immer die tolle Lösung ist, weil z.B. Kristalle an Psathyrellen-Zystiden schlicht verschwinden, was sie in Ammoniak nicht zu tun pflegen. Mit KOH habe ich ewig einen erfolgreichen Bogen um P. olympiana geschlagen, bis ich mit Ammoniak zu Werke ging. Das mal am Rande...
Beste Grüße! Pilzmel
PS: Wenn das posting doppelt erscheint, sorry. Die Indexseite hat sich wieder mal verweigert.