Pfingstliches Hilfsersuchen *PIC*

pilzmel ⌂, (vor 7837 Tagen)

Hallo Pilzfreunde!
Am gestrigen verregneten Tag hatte ich nichts Besseres zu tun, als ein altes Rätsel hervorzukramen und nochmal zu besehen. Das Pilzchen macht einen interessanten Eindruck, zeigte sich mir aber bislang unnahbar. Gefunden im September in einem Kiefern-Laubmischwald an einer grasigen Wegböschung (stark besonnt).
Hut 1-2 cm Durchmesser, deutlich genabelt, graubraun (mit leichtem Olivstich), etwas schülferig, samtig wirkend.
Lamellen mäßig dicht, untermischt, herablaufend, manchmal gegabelt und am Grunde kräuselig verbunden.
Stiel bis 3 x 0,2-0,4 cm, etwas heller als der Hut, weißlich überfasert, zäh, manchmal doppelröhrig-breitgedrückt, aber nicht hohl.
Fleisch weißlich, Geruch schwach "Pilz".

[image]

Mikromerkmale:
Sporen 6,2-6,9 x 3,7-5 µm, farblos; nur sehr wenige gefunden und vermutlich nicht reif. Ich konnte nicht recht klären, ob glatt oder etwas warzig (wahrscheinlich). Nicht amyloid, nicht dextrioid (zumindest nicht erkannt).
Basidien: 19,9-24,6 x 5,5 µm
Zystiden: An Schneide keine gefunden. An Flächen sehr zahlreich, 27-55 x 5,5-8 µm (meist um 40 x 6 µm), selten bauchiger. Sowohl bei Frischmaterial als auch in KOH und Ammoniak mit goldbraunem (nicht goldgelbem!) Inhalt, in m.o.w. großen Topfen. Wohl keine Chrysozystiden.
Huthaut hyphig mit angelagertem braunem Pigment.
Schnallen nirgendwo gefunden.

[image]

Ich habe nicht mal so recht eine Denkrichtung...Ist jemand in der Runde da ideenreicher?
Vorauseilenden pfingstlichen Dank und Beste Grüße! Pilzmel

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Re: Pfingstliches Hilfsersuchen

saibling, (vor 7837 Tagen) @ pilzmel

Hallo,

so auf den ersten oder zweiten Blick, würde ich mal
in Richtung Clitocybe trullaeformis untersuchen.
Wobei dem ein leichter Mehlgeruch nachgesagt wird.
Auch die im Bon angegebenen Sporenmasse(5,5x3 μm)
stimmen nicht ganz. Aber wer weiss? ;)

Grüsse
christian

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Re: Pfingstliches Hilfsersuchen

Andreas ⌂, (vor 7837 Tagen) @ pilzmel

Hallo Andreas,

hmm, also einen Pilz, der zwar Pleurozystiden, aber keine Cheilozystiden haben soll ist mir nicht geläufig. Ich glaube, sowas gibt's gar nicht. Und schnallenlose clitocyboide Pilze sind recht spärlich in der Zahl.

Ich könnte natürlich der Versuchung unterliegen und Dir unterstellen, Du hättest die Schnallen übersehen und außerdem irgendwelche Hyphensegmente als Pleurozystiden fehlgedeutet. Dann würde man sich leidlich gut mit Clitocybe squamulosoides anfreunden können (das ist die C. trullaefomis ss. LANGE).

Aber wie Du mich kennst liegt es mir selbstredend fern Dich solcher Unaufmerksamkeiten zu bezichtigen und hab mir mal angeschaut, was es noch so an schnallenlosen Gattungen gibt. Und tatsächlich gibt's da ja noch die Gattung Rhodocybe, die zwar rosa Sporenpulver hat (aber Du hast ja keines erhalten) und zudem warzige bis eckige Sporen, doch gerade Deine Unsicherheit diesbezüglich würde wunderbar zur Gattung Rhodocybe mit ihren oft recht schwach eckigen Sporen passen. Und siehe da, es gibt dort auch einige Arten mit sogenannten Pseudozystiden mit gelblichem oder bräunlichem, geschäumten Inhalt. Und die Cheilos sind auch nicht immer gerade auffällig. Ich denke da speziell an die Arten Rhodocybe caelata und ardosiaca. Beide passen vom Aussehen her nicht wirklich gut, weil deren Hüte nicht schuppig sind sondern glatt und dann konzentrisch aufreißen, etwa in der Art von Clitocybe rivulosa.
Aber die Richtung könnte immerhin stimmen.

BARONI diskutiert diese Pseudozystiden ausführlich und ich denke, das ist genau das was Du beschreibst. Damit käme man in die Sektion Rhodocybe. Dort will aber keine der Arten so recht passen, vor allem auch wegen der Hutfarbe schon nicht. Die sind eigentlich alle irgendwie braun. Und wenn auch Rh. caelata einen etwas flaumig-subtomentösen Hut hat in jungem Zustand, so befremden die Schüppchen halt doch.

Du solltest am besten nochmals überprüfen, wie die Sporenform nun wirklich ist und ob es vielleicht sein kann, dass es kein Weiß- sondern ein Rosasporer ist. Wenn Du magst, kannst Du mir auch gerne was davon vorbeischicken.

beste Grüße,
Andreas

Hallo Pilzfreunde!
Am gestrigen verregneten Tag hatte ich nichts Besseres zu tun, als ein altes
Rätsel hervorzukramen und nochmal zu besehen. Das Pilzchen macht einen
interessanten Eindruck, zeigte sich mir aber bislang unnahbar. Gefunden im
September in einem Kiefern-Laubmischwald an einer grasigen Wegböschung
(stark besonnt).
Hut 1-2 cm Durchmesser, deutlich genabelt, graubraun (mit leichtem
Olivstich), etwas schülferig, samtig wirkend.
Lamellen mäßig dicht, untermischt, herablaufend, manchmal gegabelt und am
Grunde kräuselig verbunden.
Stiel bis 3 x 0,2-0,4 cm, etwas heller als der Hut, weißlich überfasert, zäh,
manchmal doppelröhrig-breitgedrückt, aber nicht hohl.
Fleisch weißlich, Geruch schwach "Pilz".


Mikromerkmale: Sporen 6,2-6,9 x 3,7-5 µm, farblos; nur sehr wenige gefunden
und vermutlich nicht reif. Ich konnte nicht recht klären, ob glatt oder
etwas warzig (wahrscheinlich). Nicht amyloid, nicht dextrioid (zumindest
nicht erkannt).
Basidien: 19,9-24,6 x 5,5 µm
Zystiden: An Schneide keine gefunden. An Flächen sehr zahlreich, 27-55 x
5,5-8 µm (meist um 40 x 6 µm), selten bauchiger. Sowohl bei Frischmaterial
als auch in KOH und Ammoniak mit goldbraunem (nicht goldgelbem!) Inhalt,
in m.o.w. großen Topfen. Wohl keine Chrysozystiden.
Huthaut hyphig mit angelagertem braunem Pigment.
Schnallen nirgendwo gefunden.


Ich habe nicht mal so recht eine Denkrichtung...Ist jemand in der Runde da
ideenreicher?
Vorauseilenden pfingstlichen Dank und Beste Grüße! Pilzmel

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Re: Pfingstliches Hilfsersuchen

Peter Reiter, (vor 7837 Tagen) @ pilzmel

Hallo Pilzfreunde!
Am gestrigen verregneten Tag hatte ich nichts Besseres zu tun, als ein altes
Rätsel hervorzukramen und nochmal zu besehen. Das Pilzchen macht einen
interessanten Eindruck, zeigte sich mir aber bislang unnahbar. Gefunden im
September in einem Kiefern-Laubmischwald an einer grasigen Wegböschung
(stark besonnt).
Hut 1-2 cm Durchmesser, deutlich genabelt, graubraun (mit leichtem
Olivstich), etwas schülferig, samtig wirkend.
Lamellen mäßig dicht, untermischt, herablaufend, manchmal gegabelt und am
Grunde kräuselig verbunden.
Stiel bis 3 x 0,2-0,4 cm, etwas heller als der Hut, weißlich überfasert, zäh,
manchmal doppelröhrig-breitgedrückt, aber nicht hohl.
Fleisch weißlich, Geruch schwach "Pilz".


Mikromerkmale: Sporen 6,2-6,9 x 3,7-5 µm, farblos; nur sehr wenige gefunden
und vermutlich nicht reif. Ich konnte nicht recht klären, ob glatt oder
etwas warzig (wahrscheinlich). Nicht amyloid, nicht dextrioid (zumindest
nicht erkannt).
Basidien: 19,9-24,6 x 5,5 µm
Zystiden: An Schneide keine gefunden. An Flächen sehr zahlreich, 27-55 x
5,5-8 µm (meist um 40 x 6 µm), selten bauchiger. Sowohl bei Frischmaterial
als auch in KOH und Ammoniak mit goldbraunem (nicht goldgelbem!) Inhalt,
in m.o.w. großen Topfen. Wohl keine Chrysozystiden.
Huthaut hyphig mit angelagertem braunem Pigment.
Schnallen nirgendwo gefunden.


Ich habe nicht mal so recht eine Denkrichtung...Ist jemand in der Runde da
ideenreicher?
Vorauseilenden pfingstlichen Dank und Beste Grüße! Pilzmel

Hallo Pilzmel

Im letzten Jahr bin ich zusammen mit Prof. Winterhoff in einem Naturschutzgebiet bei Sandhausen gewesen. Dort gibt es die größten Binnendünen in BW. Südlich der Düne steht ein kleines Wäldchen mit Kiefern auf basischem Sandboden und dort fand ich kleine graue Pilze. Als ich jetzt dein Foto sah, erinnerte ich mich sofort wieder an meinen Fund. Ich bestimmte meine Pilze damals zusammen mit Herrn Winterhoff als Rhodocybe hirneola. Die Sopren waren fast glatt und ich hatte Schwierigkeiten überhaupt zur richtigen Gattung zu kommen aber ich hatte einen schönen Sporenawurf. Die Art hat gewöhnlich septierte Zystiden (laut Pilze BW).

Gruß, Peter

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Re: Pfingstliches Hilfsersuchen

Andreas ⌂, (vor 7837 Tagen) @ Peter Reiter

Hallo Pilzmel
Im letzten Jahr bin ich zusammen mit Prof. Winterhoff in einem
Naturschutzgebiet bei Sandhausen gewesen. Dort gibt es die größten
Binnendünen in BW. Südlich der Düne steht ein kleines Wäldchen mit Kiefern
auf basischem Sandboden und dort fand ich kleine graue Pilze. Als ich
jetzt dein Foto sah, erinnerte ich mich sofort wieder an meinen Fund. Ich
bestimmte meine Pilze damals zusammen mit Herrn Winterhoff als Rhodocybe
hirneola. Die Sopren waren fast glatt und ich hatte Schwierigkeiten
überhaupt zur richtigen Gattung zu kommen aber ich hatte einen schönen
Sporenawurf. Die Art hat gewöhnlich septierte Zystiden (laut Pilze BW).
Gruß, Peter

Hallo Peter und Andreas,

an Rhodocybe hirneola dachte ich auch schon, denn die Farbe paßt von allen Rhodocyben am besten. Aber auch diese Art hat keinen schuppigen, sondern einen etwas bereiften Hut, der dann bisweilen etwas rinnig aufreißt. Zudem hat Rh. hirneola keine Pseudozystiden, was ich in dieser Gattung als entscheidend ansehe.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Pfingstliches Hilfsersuchen

pilzmel ⌂, (vor 7836 Tagen) @ saibling

Hallo Christian,
vielen Dank für deine Meinung. Ich hatte die Art tatsächlich als trullaeformis? eingelagert, aber nachträglich waren die Trichterlinge doch auszuschließen.
Beste Grüße! Pilzmel

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Re: Pfingstliches Hilfsersuchen

pilzmel ⌂, (vor 7836 Tagen) @ Peter Reiter

Hallo Peter!
Endlich bin ich mit Rhodocybe auf die richtige Spur gebracht worden. Die Rhodocybe hirneola wird nicht zutreffen, wegen dieser ominösen Pseudozystiden. Von denen habe ich hier das erste Mal gehört, obwohl groß und breit im HORAK erwähnt.
Beste Grüße! Pilzmel

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Re: Pfingstliches Hilfsersuchen

pilzmel ⌂, (vor 7836 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas!
Nachträglich betrachtet, kommt eigentlich nur Rhodocybe in Frage, wenn man nicht so dusselig wie ich ist und wichtige Texte überliest. Unter Pseudozystiden konnte ich mir aber gar nix vorstellen. An der Lamellenschneide habe ich keine anderen gefunden. Die Sporen sind m.o.w. elliptisch (unter Mittag nochmal nachgeschaut). Vielleicht mit ein paar runden Ecken oder eckigen Rundungen, und Höckern. Der Schlüssel im HORAK führt recht glatt zu caelata. Die Hutschüppchen könnten auch der Sonne geschuldet sein? Wenn dich der Pilz interessiert, kann ich natürlich was davon schicken, aber viel lieber wäre es mir, ich könnte das mit zwei Hebelomen tun, die mir hart im Magen liegen...
Beste Grüße! Andreas

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Re: Pfingstliches Hilfsersuchen

Andreas ⌂, (vor 7836 Tagen) @ pilzmel

Hallo Peter!
Endlich bin ich mit Rhodocybe auf die richtige Spur gebracht worden. Die
Rhodocybe hirneola wird nicht zutreffen, wegen dieser ominösen
Pseudozystiden. Von denen habe ich hier das erste Mal gehört, obwohl groß
und breit im HORAK erwähnt.
Beste Grüße! Pilzmel

Hallo Andreas,

wenn's Dich tröstet, erst durch Deine Frage bin ich dazugekommen, mir mal die Rhodocyben bei E. LUDWIG im Pilzkompendium durchzusehen und dort sind auch Mikroskizzen wo diese Pseudozystiden gezeichnet . Davor konnte ich mir nämlich auch nichts wirklich darunter vorstellen und hatte sie fälschlich für sehr unscheinbar gehalten. Und dank diesem Wissen (aus dem LUDWIG) nun ist mir auch klar, das meine Rhodocybe aus dem Tropenhaus Jena KEINE Pseudozystiden hat, obwohl ich in einem Präparat ein einziges Mal so etwas zu sehen vermutete. War aber im Nachhinein mit Sicherheit nichts!

beste Grüße,
Andreas

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Re: Pfingstliches Hilfsersuchen

Andreas ⌂, (vor 7836 Tagen) @ pilzmel

Hallo Andreas!
Nachträglich betrachtet, kommt eigentlich nur Rhodocybe in Frage, wenn man
nicht so dusselig wie ich ist und wichtige Texte überliest. Unter
Pseudozystiden konnte ich mir aber gar nix vorstellen. An der
Lamellenschneide habe ich keine anderen gefunden. Die Sporen sind m.o.w.
elliptisch (unter Mittag nochmal nachgeschaut). Vielleicht mit ein paar
runden Ecken oder eckigen Rundungen, und Höckern. Der Schlüssel im HORAK
führt recht glatt zu caelata. Die Hutschüppchen könnten auch der Sonne
geschuldet sein? Wenn dich der Pilz interessiert, kann ich natürlich was
davon schicken, aber viel lieber wäre es mir, ich könnte das mit zwei
Hebelomen tun, die mir hart im Magen liegen...
Beste Grüße! Andreas

Hallo Andreas,

selbstredend kannst Du auch zwei Hebelomen mitschicken.
Ob ich Dir mit der Rhodocybe wirklich weiterhelfen kann, bin ich mir nicht sicher. Deine Mirkoskopiererei hat eigentlich alles Wesentliche gebracht. Aber ich würde gerne mal ne Art MIT Pseudozystiden "life" sehen, einfach um's eben mal gesehen zu haben. Musst aber wirklich deshalb nicht extra Porto verschwenden.
Hast Du den Pilz mal ins DGfM-Forum oder zu mycologia-europaea gestellt, was die Fachleute dazu meinen? Rh. caelata habe ich zwei Mal gefunden und beide Male war sie düster graubraun, etwa wie ein Kohlenabeling oder eine große Omphalina velutipes, dazu der Hut rinnig wie bei Clitocybe rivulosa.
Alle Abbildungen die ich kenne entsprechen diesem. Alle? Nein, ein kleines unbeugsames .... Äh, also die Abbildung bei RYMAN/HOLMASEN kommt farblich Deinem Pilz schon etwas entgegen. Trotzdem, für mich hat die Bestimmung als caelata dennoch noch mindestens zwei große Fragezeichen!

beste Grüße,
Andreas

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Post kommt

pilzmel ⌂, (vor 7836 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas!
Vielen Dank, ich schicke dieser Tage die Post ab, mit Pseudozystiden. Welche Rhodocybe der Träger dieser ist, läßt sich vielleicht nicht mehr herausfinden. Möglicherweise waren die Exemplare noch jugendlich frisch oder das Wetter tat sein Werk. Nur gut, daß die Pilze nicht aus meiner Ecke stammen, so daß ich mit Rhodocybe gut leben kann. Habe sonst noch nie eine gesehen. Na gut, Pfifferlinge ja auch nicht. Die Hebelomen liegen mir da etwas mehr "am Herzen". Die sind übrigens
hier geparkt (unter sacchariolens und spec.).
Beste Grüße! Andreas