Röhrlings-Alarm *PIC*

pilzmel ⌂, (vor 7778 Tagen)

Hallo Pilzfreunde!
Gstern fand ich im Stadtgebiet von Delitzsch, an einer Uferböschung bei Erle und Linde eine ganze Anzahl Röhrlinge. Hüte m.o.w. braun, recht hell, am Rande etwas schollig aufgebrochen. Poren gelblich/olivgelb und blauend (eher grünend). Stiel gelblich/bräunlich mit meist roter Spitze. Fleisch im Stiel gelb, im Hut blaß gelb bis weißlich, mit manchmal tief unter die Huthaut reichendem Rothauch. Rasch blauend, besonders über den Röhren und unter der Stielrinde. In der Basis vage ockerliche Töne, aber kein Karottenfleck.

[image]

Ein Exemplar wies deutliche Rot-Töne auf:

[image]

Diesen hier habe ich am 8.7.05 in Landsberg/S.-A. entdeckt. Grasiger Hohlweg mit verschiedensten Bäumen in der Nähe, auch Birke und Kiefer. Von der etwas dunkleren Hutfarbe abgesehen, gibt es keine großen Unterschiede. Das Stielfleisch war nicht mehr zu beurteilen, da madig hohl.

[image]

Nun habe ich zwar einen Verdacht, aber ich möchte Vorsichts halber in die Runde fragen, was mir begegnet ist. Für jemand, der pro Jahr zwei Maronen, einige Netzstielige Hexenröhrlinge und, wenn es hoch kommt, ein bis zwei andere Arten in der Hand hat, sind Röhrlinge nicht grade die guten Bekannten...
Beste Grüße! Pilzmel

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Re: Röhrlings-Alarm

Andreas ⌂, (vor 7778 Tagen) @ pilzmel

Hallo Andreas,

die ersten beiden Bilder halte (vorwiegend nach dem 2. Bild) für Xerocomus pruinatus, den "Herbst"-Rotfuß. Der kommt schon ab Juni, tatsächlich!
Was mir nicht so gut gefällt ist der nicht vorhandenen lilarote Randsaum und die ziemlich blassen Poren beim oberen Bild. Letzteres führe ich auf Trockenheit zurück, die Dinger sehen etwas hitzebeeinflußt aus.
Zum unteren sage ich nix.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Röhrlings-Alarm

Jürgen, (vor 7778 Tagen) @ pilzmel

Xerocomus communisaus. Manchmal muss man nach den Karottenflecken mit der Lupe suchen...

Das obere Bild könnte wegen des weißen (nicht gelben) Basalmyzels auch heller X. porosporus sein (schwer nach dem etwas unscharfen Bild zu beurteilen). Die beiden Arten wachsen gerne zusammen.

Grüße, Jürgen

Hallo Pilzfreunde!
Gstern fand ich im Stadtgebiet von Delitzsch, an einer Uferböschung bei Erle
und Linde eine ganze Anzahl Röhrlinge. Hüte m.o.w. braun, recht hell, am
Rande etwas schollig aufgebrochen. Poren gelblich/olivgelb und blauend
(eher grünend). Stiel gelblich/bräunlich mit meist roter Spitze. Fleisch
im Stiel gelb, im Hut blaß gelb bis weißlich, mit manchmal tief unter die
Huthaut reichendem Rothauch. Rasch blauend, besonders über den Röhren und
unter der Stielrinde. In der Basis vage ockerliche Töne, aber kein
Karottenfleck.

Ein Exemplar wies deutliche Rot-Töne auf:
Diesen hier habe ich am 8.7.05 in Landsberg/S.-A. entdeckt. Grasiger Hohlweg
mit verschiedensten Bäumen in der Nähe, auch Birke und Kiefer. Von der
etwas dunkleren Hutfarbe abgesehen, gibt es keine großen Unterschiede. Das
Stielfleisch war nicht mehr zu beurteilen, da madig hohl.

Nun habe ich zwar einen Verdacht, aber ich möchte Vorsichts halber in die
Runde fragen, was mir begegnet ist. Für jemand, der pro Jahr zwei Maronen,
einige Netzstielige Hexenröhrlinge und, wenn es hoch kommt, ein bis zwei
andere Arten in der Hand hat, sind Röhrlinge nicht grade die guten
Bekannten...
Beste Grüße! Pilzmel

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Re: Röhrlings-Alarm

Jürgen, (vor 7778 Tagen) @ Jürgen

Das sieht trotzdem nach Xerocomus communis aus, sollte das vollständig heißen.

@Andreas: gerade Bild 2 zeigt m.M. einen der typischen Hutahautaspekte von X. communis. Soweit ich sehe, ist das Stielgelb auch viel zu stumpf für X. pruinatus, außerdem sprechen die Fundorte ("Uferböschung im Stadtgebiet", "grasiger Hohlweg") und auch das jetzige Wachstum bei hochsommerlicher Witterung in einer wärmebegünstigten Region viel, viel stärker für X. communis als für den tendenziell submontanen X. pruinatus. Auch Bild 3 ist "guter" X. communis</i<, Bild 1 wie gesagt leider nicht deutlich zu beurteilen, aber makroskop. wegen der eher gelbbraunen Farben und nach der Beschreibung wohl doch eher communis als porosporus)

Man müsste nach der Beschreibung ("kein Karottenfleck") und den Standortangaben auch noch X. ripariellus in die Überlegungen einbeziehen, die Bilder sprechen da aber eher eine andere Sprache.

Grüße, Jürgen

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Re: Röhrlings-Alarm *PIC*

Matthias, (vor 7778 Tagen) @ Jürgen

Hallo Zusammen,
ich stimme Jürgen zu, bei Bild 2 sage ich auch eindeutig X. communis. Es stimmt schon das X. pruinatus von der Struktur sehr ähnlich aussehen kann, hier ein Bild von einem jungen X. communis:

[image]

Bild 1 verleitet ja wegen den dunklen Stielfarben zu X. porosporus.
Bild 3 dürfte wieder in Richtung X. communis gehen, aber per Bild ist das keine Bestimmung, sondern nur rein spekulativ,
viele Grüsse
Matthias

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HTML-Tag-Fehler, Posting nochmal

Jürgen, (vor 7778 Tagen) @ Jürgen

Das sieht trotzdem nach Xerocomus communis aus, sollte das vollständig heißen.

@Andreas: gerade Bild 2 zeigt m.M. einen der typischen Hutahautaspekte von X. communis. Soweit ich sehe, ist das Stielgelb auch viel zu stumpf für X. pruinatus, außerdem sprechen die Fundorte ("Uferböschung im Stadtgebiet", "grasiger Hohlweg") und auch das jetzige Wachstum bei hochsommerlicher Witterung in einer wärmebegünstigten Region viel, viel stärker für X. communis als für den tendenziell submontanen X. pruinatus. Auch Bild 3 ist "guter" X. communis, Bild 1 wie gesagt leider nicht deutlich zu beurteilen, aber makroskop. wegen der eher gelbbraunen Farben und nach der Beschreibung wohl doch eher communis als porosporus)

Man müsste nach der Beschreibung ("kein Karottenfleck") und den Standortangaben auch noch X. ripariellus in die Überlegungen einbeziehen, die Bilder sprechen da aber eher eine andere Sprache.

Grüße, Jürgen

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Danke! (mit Bild) *PIC*

pilzmel ⌂, (vor 7778 Tagen) @ pilzmel

Hallo zusammen!
Vielen Dank für die Hinweise zur Sache. Ich habe noch ein Bild eingefügt, was aber auch nicht viel besser ist. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, daß Fotos von Glimmer-Tintlingen immer gelingen, die von Seltenerem kaum. Andererseits kommt beim innerstädtischen Fotografieren stets ein Streßmoment hinzu. Irgend einer kommentiert die Tätigkeit garantiert. Aber zurück zu den Pilzen. X porosporus ist das nicht. Der X. communis gefällt mir ganz gut. Nun muß ich noch mal nachfragen, weil ich von Filzröhrlingen wirklich nichts verstehe und auch (bisher mangels Bedarf) auch keine Literatur dazu habe, in welche Verwandtschaft der im HORAK genannten Arten gehört der denn?

[image]

Beste Grüße! Pilzmel

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Re: Danke! (mit Bild)

Matthias, (vor 7778 Tagen) @ pilzmel

Hallo Pilzmel,
warum darf das den kein X. porosporus sein?
Der Eichenfilzröhrling X. communis gehört in die Verwandschaft des Rotfussröhrlings,
viele Grüsse
Matthias

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Re: Danke! (mit Bild)

Andreas ⌂, (vor 7778 Tagen) @ Matthias

Hallo Pilzmel,
warum darf das den kein X. porosporus sein?
Der Eichenfilzröhrling X. communis gehört in die Verwandschaft des
Rotfussröhrlings,
viele Grüsse
Matthias

Hallo,

die Hutfärbung paßt nicht gut auf den düsteren X. porosporus, der oft wie eine Miniausgabe von Tylopilus porphyrosporus aussieht.

X. communis gehört in den Verwandtschaftskreis von X. rubellus, nicht zu X. chrysenteron.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Danke! (mit Bild) *PIC*

Matthias, (vor 7778 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,
X.porosporus muss nicht zwangsläufig dunkle Hutfarben haben, im Vergleich zur Stielfarbe jedenfalls :
[image]

Bei Engel et al. Schmier- und Filzröhrlinge 1996 ist X. Communis als X. quercinus unter den Rotfussröhrlingen abgelegt, so falsch habe ich da nicht gelegen,
viele Grüsse
Matthias

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Re: Danke! (mit Bild)

Jürgen, (vor 7778 Tagen) @ Matthias

Hallo Matthias,

im weiteren Sinne hast Du mit der chrysenteron-Gruppe ja Recht, aber innerhalb dieser ist X. communis mit X. rubellus nächstverwandt (evtl. sogar konspezifisch) und nicht mit X. chrysenteron, wie Engel (1996) angibt. Ich konnte das damals schon nicht nachvollziehen, und Engels Systematik ist speziell bei den Rotfüßchen (aber auch bzgl. der eigenwilligen Einordnung von X. ferrugineus und X. persicolor) inzwischen auch überholt, nicht zuletzt dank molekularbiologischer Studien.

Pilzmels zweites Posting ist wohl - auch hier stimme ich Andreas zu - am Stiel nachgedunkelter X. communis. X. porosporus kann zwar heller ausfallen, ist aber auch dann nicht so gelbbraun gefärbt wie hier. Ein Blick auf die Sporen dürfte da aber schnell Klarheit schaffen.

Grüße, Jürgen

Hallo Andreas,
X.porosporus muss nicht zwangsläufig dunkle Hutfarben haben, im Vergleich zur
Stielfarbe jedenfalls :
Bei Engel et al. Schmier- und Filzröhrlinge 1996 ist X. Communis als X.
quercinus unter den Rotfussröhrlingen abgelegt, so falsch habe ich da
nicht gelegen,
viele Grüsse
Matthias

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Schlußwort mit Dank

pilzmel ⌂, (vor 7777 Tagen) @ Jürgen

Hallo zusammen,
ich hänge mich halt mal dankend hier unten ´ran. Nun weiß ich, daß Filzröhrlinge ein arg kompliziertes Gebiet sind. Heißen die deshalb so? Auf alle Fälle schließe ich mich der Meinung X. communis an. Den Falschen Rotfuß habe ich kategorisch ausgeklammert, weil ich die Sporen geprüft habe.
Beste Grüße! Pilzmel