Sericeocybe? *PIC*

Werner, (vor 7712 Tagen)

Hallo,

vorgestern fand ich dieses seltsame Exemplar. Ich hatte es auch auf der Münchner Pilzausstellung dabei, nur hatte niemand wirklich Ahnung, was es denn sein könne. Für C. anomalus fehlt das Lila, kein Hauch davon auf den vielen Exemplaren. Ich habe mich eigentlich auf Sericeocybe eingeschossen, nur finde ich da absolut nix passendes und renne sowohl mit Nordic Macromycetes, Moser als auch Horak gegen die Wand. Vielleicht ist es ja auch eine abartige Telamonia??

Wie auch immer, gefunden im Fichtenwald (noch jung), keine Laubbäume in Sicht. Hut und Stiel trocken. Hut meist bis ca. 4cm, Stiele meist keulig und unten leicht verdickt, aber auch dickkeulig, -1,5 cm. Velum weiß. Merkwürdig ist bei vielen Exemplaren eine manchmal vorhandene ringähnliche Zone. Die Lamellen würde ich als milchkaffeebraun beschreiben. Fleisch in Hut und Stiel weiß. Geruch und Geschmack unauffällig. Chemische Reaktionen: Guajak türkis, Formol ohne, KOH naßbraun, vielleicht kann man es auch als dkl.braun bezeichnen (--> Telamonia??). Sporen mäßig warzig (7,2)-7,5-(8,1)x(4,2)-4,5-(4,8), keulige Marginalzellen, 4-sporige Basidien. Huthauthyphen 6-17 breit, Schnallen festgestellt.

Vielleicht hat ja hier jemand eine Idee, auch wenn die Experten auf der Ausstellung auch vorerst mal ratlos waren. Manche (inklusive mir) rieten mal Richtung Anomalus, das paßt aber wegen der Sporen und dem fehlenden Lila rein gar nicht.

[image]

Wie immer, vielen Dank im Voraus.

Gruß,

Werner

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Re: Sericeocybe?

Andreas ⌂, (vor 7711 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

C. anomalus kann es aus mehreren Gründen nicht sein, bei Licht betrachtet gibt es eigentlich keinen einzigen der dafür spricht. Das Velum ist weiß und reichlich, die Stielbasis angeschwollen. Das deutet für mich auf die Privigni hin, eine sehr problematische Gruppe. Was mich als einziges etwas stört ist Deine Beschreibung "Fleisch weiß". Nun weiß ich nicht, wie abgetrocknet Deine Exemplare sind und ob die durchfeuchtet nicht vielleicht doch ein cremebräunliches Fleisch hatte, wenigstens in der Stielbasis. Diese sollte auch etwas schwammig gewesen sein.
Eine ringähnliche Zone ist in gewissen Entwicklungsstadien durchaus üblich bei den Arten mit einem reichlichen Velum.

Einen pasenden Namen zu finden wird vermutlich nicht einfach sein, selbst wenn Du Dich für diese Gruppe entscheidest. Schau doch mal in Breitenbach/Kränzlin Dir den Cortinarius privignoides an, ich denke dass Dein Pilz in diese verwnadtschaft gehört (aber nicht privignoides selbst ist!).

beste Grüße,
Andreas

Hallo,
vorgestern fand ich dieses seltsame Exemplar. Ich hatte es auch auf der
Münchner Pilzausstellung dabei, nur hatte niemand wirklich Ahnung, was es
denn sein könne. Für C. anomalus fehlt das Lila, kein Hauch davon auf den
vielen Exemplaren. Ich habe mich eigentlich auf Sericeocybe eingeschossen,
nur finde ich da absolut nix passendes und renne sowohl mit Nordic
Macromycetes, Moser als auch Horak gegen die Wand. Vielleicht ist es ja
auch eine abartige Telamonia??
Wie auch immer, gefunden im Fichtenwald (noch jung), keine Laubbäume in
Sicht. Hut und Stiel trocken. Hut meist bis ca. 4cm, Stiele meist keulig
und unten leicht verdickt, aber auch dickkeulig, -1,5 cm. Velum weiß.
Merkwürdig ist bei vielen Exemplaren eine manchmal vorhandene ringähnliche
Zone. Die Lamellen würde ich als milchkaffeebraun beschreiben. Fleisch in
Hut und Stiel weiß. Geruch und Geschmack unauffällig. Chemische
Reaktionen: Guajak türkis, Formol ohne, KOH naßbraun, vielleicht kann man
es auch als dkl.braun bezeichnen (--> Telamonia??). Sporen mäßig warzig
(7,2)-7,5-(8,1)x(4,2)-4,5-(4,8), keulige Marginalzellen, 4-sporige
Basidien. Huthauthyphen 6-17 breit, Schnallen festgestellt.
Vielleicht hat ja hier jemand eine Idee, auch wenn die Experten auf der
Ausstellung auch vorerst mal ratlos waren. Manche (inklusive mir) rieten
mal Richtung Anomalus, das paßt aber wegen der Sporen und dem fehlenden
Lila rein gar nicht.

Wie immer, vielen Dank im Voraus.
Gruß,
Werner

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Re: Sericeocybe?

Werner, (vor 7711 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

C. anomalus kann es aus mehreren Gründen nicht sein, bei Licht betrachtet
gibt es eigentlich keinen einzigen der dafür spricht. Das Velum ist weiß
und reichlich, die Stielbasis angeschwollen.

Das sehen inzwischen auch alle so. Wollte nur den ersten Irrweg aufzeigen.

Das deutet für mich auf die
Privigni hin, eine sehr problematische Gruppe. Was mich als einziges etwas
stört ist Deine Beschreibung "Fleisch weiß". Nun weiß ich nicht,
wie abgetrocknet Deine Exemplare sind und ob die durchfeuchtet nicht
vielleicht doch ein cremebräunliches Fleisch hatte, wenigstens in der
Stielbasis. Diese sollte auch etwas schwammig gewesen sein.

Nein, richtig trocken waren die eigentlich nicht. Auch nicht naß. Aber ich habe sie erst am nächsten Tag aufgeschnitten. Allerdings sind die Stiele reinweiß, also kein cremebräunliches Fleisch irgendwo. Privigni war aber ein Mordstip, ich denke, da gehört der hin.

Eine ringähnliche Zone ist in gewissen Entwicklungsstadien durchaus üblich
bei den Arten mit einem reichlichen Velum.

Ja, und nach weiterer Literaturrecherche ganz speziell bei einigen Privigni ist das erwähnt. Ich glaube, es war im Moser.

Einen pasenden Namen zu finden wird vermutlich nicht einfach sein, selbst
wenn Du Dich für diese Gruppe entscheidest. Schau doch mal in
Breitenbach/Kränzlin Dir den Cortinarius privignoides an, ich denke dass
Dein Pilz in diese verwnadtschaft gehört (aber nicht privignoides selbst
ist!).

Leider ist meine Literatur dafür unzureichend, da ich zwar den Farbatlas Moser-Jülich, die Flora Photographica und den Breitenbach habe, aber da wäre wohl der vielgescholtene Franzosen Atlas des Cortinaires hilfreich. Im Philipps (uralt, 1982) fand ich ein Bild (das im Abbildungsverzeichnis mit ? angegeben ist) von C. pseudoprivignus, das nicht schlecht hinkommt, bis auf den gefärbten Stiel. Meine Sporen sind leicht kleiner als in der Lit. angegeben, aber mit AgNO3 (das ich leider nicht habe) könnte ich den vielleicht mal prüfen. Mit dem Moser komme ich da jedenfalls hin.

Ansonsten ist noch eine der Henry-Arten im Internet aufgefallen, C. poecilopus. Der wird im Abbildungsverzeichnis zwar mit C. bulbosus synonymisiert, scheint mir aber doch was anderes zu sein. Und dieses Photo käme prächtig hin: http://myco-cheype.chez.tiscali.fr/imagesw/cortinarius_poecilopus.htm

Die Beschreibung hier: http://perso.wanadoo.fr/christian.frund/analyse/cortinaires/cortsec2/poecilo.htm

Nur da paßt halt auch so einiges nur mit großer Mühe. Die Hutgröße wird in der Beschreibung evtl. falsch angegeben 35-505 mm????. Kann mir nicht vorstellen, daß der so riesig werden soll, auf dem anderen Bild ist er es definitiv nicht. Und "tres hygrophane" (Accents finde ich grad nicht auf der Tastatur :-) ist mein Exemplar auch definitiv nicht. Mit viel gutem Willen vielleicht etwas hygrophan. Die Mikros passen so einigermassen, aber meine Sporen sind gut sichtbar warzig und wurzelnd ist meiner auch nicht. Also wohl auch gar nicht.

Also wohl auch nicht. Tja, und dann gibt es noch einen C. firmus, aber da gefallen mir die Abbildungen schon nicht wirklich. Scheint mir wesentlich dunkler zu sein. Dafür würden die Sporenmaße lt. Philipps und Moser prächtig passen.

Wie auch immer, mir fehlt da wohl noch Literatur ...

Also nenne ich ihn mal Cortinarus (Tel.) Section Privigni, außer ich kriege noch was dazu raus.

Gruß und vielen Dank,

Werner

P.S.: Freue mich schon auf den Kurs Ende Okt. bei Dir.

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Cortinarius poecilopus *PIC*

Andreas ⌂, (vor 7711 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

Leider ist meine Literatur dafür unzureichend, da ich zwar den Farbatlas
Moser-Jülich, die Flora Photographica und den Breitenbach habe, aber da
wäre wohl der vielgescholtene Franzosen Atlas des Cortinaires hilfreich.

Zumindest habe die diese gruppe schon abgehandelt und man kommt normalerweise auch zu einem Namen. Ob diese Namen dann auch alle was verschiedenes sind, sei mal dahingestellt ....

Ansonsten ist noch eine der Henry-Arten im Internet aufgefallen, C.
poecilopus. Der wird im Abbildungsverzeichnis zwar mit C. bulbosus
synonymisiert, scheint mir aber doch was anderes zu sein. Und dieses Photo
käme prächtig hin:
http://myco-cheype.chez.tiscali.fr/imagesw/cortinarius_poecilopus.htm

C. poecilopus habe ich dieses jahr auch schon gefunden, vor etwa 4 Wochen. Bestimmen konnte ich ihn nicht selbst, was aber daran lag dass ich eine Mischkollektion hatte und dadurch vom falschen Pilz gemessene Sporen (10-13 µm lang ...) zugrunde legte. Guillaume Eyssartier gab mir aber den Tipp mit poecilopus, der seiner Meinung nach einer der häufigeren Arten ist. Beschreibung und Bild im Atlas des Cortinaires paßten auf meinen Fund insgesamt gut. Die Art wurde neu beschrieben für C. bulbosus ss. Cooke. Auffallend war mir vor allem das praktisch rein weiße Fleisch der Stielknolle, was ich für die Gruppe Privigni so bisher nicht kannte. Meine sehr feuchten Pilze waren in der oberen Stielspitze leicht wässrig-bräunlichgrau durchzogen (kommt im zweiten Scan leider mit Violettton raus, der aber in Natura nicht vorhanden war), vor allem im Bereich der Stielrinde.

Hier zwei Bilder, allerdings auf meinem Teppichboden nachträglich geknipst:
[image]

[image]

Nur da paßt halt auch so einiges nur mit großer Mühe. Die Hutgröße wird in
der Beschreibung evtl. falsch angegeben 35-505 mm????. Kann mir nicht
vorstellen, daß der so riesig werden soll, auf dem anderen Bild ist er es
definitiv nicht. Und "tres hygrophane" (Accents finde ich grad
nicht auf der Tastatur :-) ist mein Exemplar auch definitiv nicht. Mit
viel gutem Willen vielleicht etwas hygrophan. Die Mikros passen so
einigermassen, aber meine Sporen sind gut sichtbar warzig und wurzelnd ist
meiner auch nicht. Also wohl auch gar nicht.

Sporenornamentation ist natürlich relativ. Cortinariensporen sind eigentlich immer gut sichtbar warzig. Die Ornamentation wird allerdings als "fein und zerstreut warzig, am Ende gedrängter und dunkler [= "gröber"]" angegeben.
Die Hutgröße soll bestimmt 35-55 mm heißen oder 35-50 mm. Meine waren allerdings noch ein klein wenig größer, schätzungsweise bis etwa 7 cm.
Die starke Hygrophanität ist jedoch ein wichtiges Artmerkmal dieses Taxons. Wenn deine Pilze tatsächlich kaum hygrophan waren, dann wäre das für mich ein schwergewichtiges Argument gegen die Bestimmung als poecilopus, aber ansonsten scheint mir sehr viel dafür zu sprechen. Die Franzosen vergleichen ihn übrigens mit C. armeniacus, aber mehr rostbräunlich und mit anderer Statur.
Die Sporenmaße im "Atlas": (8)8,5-9-10 x 5,5-5,8 µm.

Hier zum Vergleich die Tafel 58 des "Atlas des Cortinaires" (kommt einen Tick zu lebhaft raus vielleicht)
[image]

Das einzige was mir nicht ganz so gut gefallen hat war das im Bild ziemlich braun getönte Fleisch, aber in der Beschreibung heißt es "Fleisch im Hutbuckel rotbräunlich, im Stiel leicht bräunlich werdend". Und dieses mit der Zeit leicht cremebräunlich anlaufen hatte ich bei meinen Pilzen auch beobachtet, war aber ziemlich schwach, schwächer als in privognoides z.B.. Auf dem zweiten Scan kann man das beim Vergleich des rechten Exemplares mit dem mittleren ganz gut erkennen.

beste Grüße,
Andreas

P.S.: Freue mich schon auf den Kurs Ende Okt. bei Dir.

Ich auch, wenn auch bisher die Teilnahme recht dürftig ist (2 Teilnehmer). Hoffen wir, dass uns das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht!