Risspilz-Bestimmung (6 Fotos) *PIC*

interhias ⌂, (vor 7705 Tagen)

Servus,

zur Abwechslung möchte ich wieder einmal ein paar Risspilze hier im Forum aussetzten in der Hoffnung, dass sich ihrer jemand annimmt.

Sie wuchsen trotz einsetzender Trockenheit alle in der Laubstreu des Kalkbuchenwaldes in den Münchner Isarauen. Es sind je zwei Fotos von 3 Standorten. Möglicherweise sind alle Pilze dieselbe Art, jedenfalls sind sie sich makro- und mikroskopisch recht ähnlich.

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Beschreibung:
Hut: 1,5-3 cm breit, ocker- bis graubraun, dunkler feinschuppig bis flockig, in der Mitte dunkler und mit +/- ausgeprägtem stumpfen Buckel;
Stiel: 3-6 cm lang, anfangs weißlich, längsfaserig, bisweilen feinflockig, später ockerbräunlich und bisweilen verkahlend;
Lamellen: hellgrau bis graubraun, bisweilen mit Olivton;
Fleisch: weißlich; Geruch: schwach spermatisch (?);
Sporen: elliptisch bis mandelförmig, glatt, 7,5-10,5 x 4-6;
Cheilozystiden: apikal mit Kristallen, spindelig, sehr zahlreich, 40-70 x 10-20, dickwandig, dazwischen reichlich keulige Zellen; Pleurozystiden etwas weniger zahlreich, sonst ähnlich;

Vielleicht ist es (zumindest in einem Fall) Inocybe flocculosa? Wenn nicht, was wäre an Alternativen denkbar?

Gruß aus München
Hias

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Re: Risspilz-Bestimmung (6 Fotos)

Andreas 2, (vor 7704 Tagen) @ interhias

Servus,
zur Abwechslung möchte ich wieder einmal ein paar Risspilze hier im Forum
aussetzten in der Hoffnung, dass sich ihrer jemand annimmt.
Sie wuchsen trotz einsetzender Trockenheit alle in der Laubstreu des
Kalkbuchenwaldes in den Münchner Isarauen. Es sind je zwei Fotos von 3
Standorten. Möglicherweise sind alle Pilze dieselbe Art, jedenfalls sind
sie sich makro- und mikroskopisch recht ähnlich.


Beschreibung: Hut : 1,5-3 cm breit, ocker- bis graubraun, dunkler
feinschuppig bis flockig, in der Mitte dunkler und mit +/- ausgeprägtem
stumpfen Buckel;
Stiel : 3-6 cm lang, anfangs weißlich, längsfaserig, bisweilen feinflockig,
später ockerbräunlich und bisweilen verkahlend;
Lamellen : hellgrau bis graubraun, bisweilen mit Olivton;
Fleisch : weißlich; Geruch: schwach spermatisch (?);
Sporen : elliptisch bis mandelförmig, glatt, 7,5-10,5 x 4-6;
Cheilozystiden : apikal mit Kristallen, spindelig, sehr zahlreich, 40-70 x
10-20, dickwandig, dazwischen reichlich keulige Zellen; Pleurozystiden
etwas weniger zahlreich, sonst ähnlich;
Vielleicht ist es (zumindest in einem Fall) Inocybe flocculosa? Wenn nicht,
was wäre an Alternativen denkbar?
Gruß aus München
Hias

Hallo Hias,

die letzten beiden Aufnahmen zeigen wahrscheinlich I. flocculosa. Bei Bild 1-4 kann ich, bei der gegeben Varabilitätsbreite von flocculosa, diese Art auch nicht ausschließen, kann aber ebenso gut etwas anderes sein. Zu einer +/- abgesicherten Diagnose muss ich Sporen- und Zystidenform, Kaulo-Verhätnisse und vielleicht noch den mikroskopischen Gesamteindruck sehen.

Gruß Andreas

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Re: Risspilz-Bestimmung (noch 3 Fotos) *PIC*

interhias ⌂, (vor 7704 Tagen) @ Andreas 2

Vielen Dank, Andreas!

Von den Exemplaren auf den Fotos 3 und 4 kann ich noch Sporen- und Cheilozystidenfotos nachreichen:

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Leider habe ich keine Ahnung, wie ich am Stiel schneiden muss, damit z.B. Kaulozystiden sichtbar werden.

Gruß
Hias

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Re: Risspilz-Bestimmung (noch 3 Fotos)

Andreas 2, (vor 7703 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

Von den Exemplaren auf den Fotos 3 und 4 kann ich noch Sporen- und
Cheilozystidenfotos nachreichen:

Wirklich schöne, brauchbare Mikroaufnahmen.

Leider habe ich keine Ahnung, wie ich am Stiel schneiden muss, damit z.B.
Kaulozystiden sichtbar werden.

Zum Untersuchen der Kaulozyst. zieht man längs ein paar Fasern von den verschieden Stielbereichen ab. Bei der Beurteilung der Kauloverhältnisse sind aber nicht nur die echten Kaulos, sondern auch die keuligen oder birnenförmigen Zellen, sogenannte Parazyst. wichtig. Bei den abgebildeten Inocyben dürften aber, außer an der Stielspitze, kaum Kaulos zu finden sein.

Der Fund steht m.E. auf Grund der dichten weißen Stielbefaserung und der oft apikal, teils verlängert zugespitzten Zyst. I. albovelutipes sehr nahe. Unpassend ist aber die fast schwarzbraune Hutmitte bei dem etwas reiferem Frk. Sowie die überwiegend fusiformen Zyst. Allerding wurde diese Art bisher nur selten gefunden und die wirkliche Amplituden der Erscheinungsformen dürfte noch längst nicht bekannt sein.

Ich empfehle den Fund als I. cf. albovelutipes zu bezeichnen und auf jedem Fall (sofern noch möglich) ein Exsikkat anzulegen. Falls du keine Verwendung dafür hast, wäre ich auch daran interessiert.

Weitere ähnliche Arten wie I. griseovelata, phaeodisca und flocculosa haben keine zugespitzen Zystiden. Ganz auszuschließen sind sie aber trotzdem noch nicht.

Viele Grüße, Andreas

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Re: Risspilz-Bestimmung (noch 3 Fotos)

interhias ⌂, (vor 7703 Tagen) @ Andreas 2

Hallo Andreas,

Wirklich schöne, brauchbare Mikroaufnahmen.

Das freut mich, es sind die ersten mit meinem neuen Mikroskop.

Zum Untersuchen der Kaulozyst. zieht man längs ein paar Fasern von den
verschieden Stielbereichen ab. Bei der Beurteilung der Kauloverhältnisse
sind aber nicht nur die echten Kaulos, sondern auch die keuligen oder
birnenförmigen Zellen, sogenannte Parazyst. wichtig. Bei den abgebildeten
Inocyben dürften aber, außer an der Stielspitze, kaum Kaulos zu finden
sein.

Rein auf Verdacht hatte ich sowas Ähnliches probiert, bei dem Präparat aus dem oberen Stieldrittel (nicht Spitze) aber - wie du schon vermutet hast - keine Kaulos gefunden.

Ich empfehle den Fund als I. cf. albovelutipes zu bezeichnen und auf jedem
Fall (sofern noch möglich) ein Exsikkat anzulegen. Falls du keine
Verwendung dafür hast, wäre ich auch daran interessiert.

Von den zwei Exemplaren, zu denen die Mikrofotos gehören, ist nicht mehr allzuviel übrig, ich versuche trotzdem, ein Exsikkat zu machen. Die Pilze von den anderen Standorten trockne ich auch. Kann ich dir auch gerne mal zuschicken. Im Winter ist ja genug Zeit zum Nachmikroskopieren. Außerdem glaube ich, dass noch genug Nachschub an der Isar wächst. Im Normalfall werden sie halt leicht übersehen, aber wenn man danach sucht, findet man sie auch.

Welche Literatur verwendest du für Risspilze? Ich habe bis jetzt nur PdS, da ist I. albovelutipes z.B. gar nicht beschrieben.

Gruß
Hias

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Re: Risspilz-Bestimmung

Andreas 2, (vor 7701 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

bei den meisten glattsporigen Inocyben verwende ich neben anderer, hauptsächlich "A Revision of the genus Inocybe in Europe" von Kuyper. Der darin enthaltene Schlüssel ist systematisch aufgebaut und wenig fehlerbehaftet, was natürlich keinen Erfolg garantiert. Bei den höckerigsporigen ist das etwas schwieriger. Im Stangl sind zwar alle Gruppen der Risspilze aufgeschlüsselt, aber mit den Schlüsseln hab ich so meine Probleme. Hier hilft dann etwas Erfahrung, so dass ich oft nur partiell aufschlüüseln muss bzw. meine Vermutungen direkt mit seinen guten Beschreibungen vergleiche. Für die höckerigsporigen Cortinatae habe ich auch selbst mal einen Schlüssel publiziert, der auch hier http://www.tham-thueringen.de/ unter Pilzkunde, Gattung Inocybe abgerufen werden kann.

An dokumentierten Inocybe- und auch Pluteus-Belegen bin ich immer interessiert. Meine Postanschrift sende ich Dir per Mail. Also weitere schöne Funde und

Gruß Andreas

PS.: Übrigens haben wir am kommenden, verlängertem Wochenende unser 2. Inocybetreffen in Oberhof.