Neue Rhabdomyolyse-Todesfälle in Japan

Georg, (vor 7682 Tagen)

Hallo,
ich bin eben im Netz auf einen Artikel gestoßen, in dem über 2 Todesfälle in Japan
nach Genuss von Russula subnigricans berichtet wird:

http://www.japantoday.com/e/?content=news&cat=1&id=347435

Weitere Fälle (allerdings ohne Todesfolge) werden aus Taiwan gemeldet.

http://www.vghks.gov.tw/neph/case/mushroom%20nephropathy.htm
(Link komplett ins Adressfeld kopieren)

Offenbar erzeugt Russula subnigricans eine Rhabdomyolyse (Muskelauflösung)
ähnlich der nach wiederholtem Genuss des Grünlings (Tricholoma equestre)
beobachteten. R. subnigricans kommt nur in subtropischen Gebieten vor.
Ob verwandte einheimische Täublinge der Sektion Compactae (Schwärz-Täublinge),
die bislang als essbar galten, eventuell ähnliche Symptome auslösen könnten ist
unklar, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich.

Georg

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Tricholoma equestre soll nur Verwechselung sein ?

Dedimyk, (vor 7682 Tagen) @ Georg

Hallo Georg,

das paßt ja wie die Faust auf´s Auge.Hier neue Rhabdomyolyse-Todesfälle durch jetzt Russulales und dann die obskure Entwarnung bei Tricholoma equestre vorgestern hier im pilzepilze.forum und DGfM.forum ( siehe meine Stellungnahme dort ), wegen angeblicher Cortinarien-Verwechselung in Frankreich.
Gerade diese erneute Meldung, danke an dieser Stelle dafür, bestärkt mich noch mehr als bisher in meiner Entscheidung Tricholoma equestre nach wie vor als Giftpilz anzusehen und bei meinen Schulungen und Pilzberatungen, als solchen zu deklarieren und auszusortieren.
Bin mal gespannt, wie sich die Diskussion zu dem Thema Rhabdomyolyse weiterentwickelt.

Herzliche Grüße Detlef

..: Hier noch ein etwas ausführlicherer Artikel zu den japanischen Fällen:

http://search.japantimes.co.jp/print/news/nn08-2005/nn20050828a8.htm
Georg

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Re: Tricholoma equestre soll nur Verwechselung sei

AK_CCM, (vor 7682 Tagen) @ Dedimyk

Hallo zusammen,

zunächst einmal Danke an Georg für die Infos. Ferner würde mich eure Meinung interessieren, ob ihr den Grünling als Giftpilz einordnet oder nicht. Die von Detlef angesprochenen Diskussionen findet ihr unter den nachstehenden Links:

http://www.pilzbestimmung.de/switchto.php?/forum/index.php/i/109/2b045cc201ba6cdf1cb659...
http://www.dgfm-ev.de/forum/thread.php?threadid=299

Morgen habe ich etwas mehr Luft, dann werde ich Mal die Zeitung kontaktieren und nach seinen Quellen befragen.

Gruß, Andreas

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Meine Meinung zum Grünling

Georg, (vor 7682 Tagen) @ AK_CCM

Hallo Andreas,
der Grünling ist kein obligater Giftpilz, d.h. nicht jede
Grünlings-Mahlzeit verursacht unausweichlich Beschwerden. Ist ja auch klar, sonst wäre
er nicht ein seit Urzeiten beliebter Speisepilz.
In den beiden in der Literatur dokumentierten Fällen (in Frankreich und Polen)
wurden immer große (wirklich große: mehrere 100 g) Mengen Grünlinge an
aufeinander folgenden Tagen verzehrt, bevor die Symptome auftraten.
Meiner Meinung nach kann das bei vielen Lebensmitteln passieren wenn man
sie im Übermaß ißt. Die Dosis macht das Gift.
Also wenn ich nach dem Grünling gefragt werde, weise ich auf die genannten Studien
hin, aber unter Hinweis auf den exzessiven Konsum und die Seltenheit der
Erkrankung.
Gelegentliche Grünlingsmahlzeiten halte ich für ungefährlich.

Was auch noch eine große Rolle spielt ist die unterschiedliche Disposition
der jeweiligen Personen. Wieder kann ich da eine Vergiftungsserie aus
Japan anführen:
Im Jahr 2004 erkrankten Dutzende Menschen nach dem Verzehr des Ohrförmigen
Seitlings (Pleurocybella porrigens), der in Japan als guter Speisepilz gilt.
11 Patienten verstarben. Bei Nachuntersuchungen stellte sich heraus, dass
alle Betroffenen eine Nierenschwäche hatten (Dialysepatienten) und
offenbar die Fähigkeit verloren hatten, einen im Pilz vorhandenen Giftstoff
zu metabolisieren.
Im Tierversuch (Injektion von Pilzextrakt) wirken die Seitlinge
in großen Mengen auf Mäuse tödlich.

Ein ähnlicher Mechanismus könnte beim Grünling wirken: Große Mengen können
von einigen Personen nicht rechtzeitig entgiftet werden und führen zu den
Rhabdomyolysen. Das ist aber wahrscheinlich kein exklusives Grünling-Problem.
Er kommt nur in entsprechenden Massen vor um in Unmengen gegessen werden
zu können.

Anders scheinen die japanischen Russula-Fälle gelagert zu sein. Es handelt sich
dabei um Verwechslungen mit einem Speisepilz (dem Dickblättrigen Schwärztäubling)
und somit um den einmaligen Verzehr geringer Mengen. Der fragliche Pilz ist
sicher hochgiftig.

Georg

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Re: Meine Meinung zum Grünling

pfifferling, (vor 7682 Tagen) @ Georg

Hallo Georg,

bin nicht so der Spezialist mit den wissenschaftlichen Namen und konnte den genannten Täubling noch nicht übersetzen.

Nun meine Frage: Wie heißt der auf deutsch? Wächst der auch bei uns? Hatte bisher immer gedacht es gibt keine tödlich giftigen Täublingsarten.

Gruß
Frank

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Re: Meine Meinung zum Grünling

Georg, (vor 7682 Tagen) @ pfifferling

Hi FRank,

Nun meine Frage: Wie heißt der auf deutsch? Wächst der auch bei uns? Hatte
bisher immer gedacht es gibt keine tödlich giftigen Täublingsarten.

Der fragliche Täubling (Russula subnigricans) wächst nur in den Subtropen.
Bei uns kommt er nicht vor.

Georg