Exzentrisch und rissig (2 Fotos) *PIC*

Lonco, (vor 7638 Tagen)

Hallo an alle,

solche Pilze habe ich zur gleichen Zeit an verschiedenen Stellen und in verschiedenen Buchenwäldern gefunden. Der Pilz auf dem Foto am 28.10.05 in der Umg. von Hannover. Alle Exemplare waren exzentrisch gestielt und hatten einen radialrissigen Hut.

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Ich habe nichts gefunden was so aussieht, aber ich habe da so eine Vermutung. Wer kann mir weiterhelfen?

Grüße, Thomas.

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Re: Exzentrisch und rissig (2 Fotos)

Matthias, (vor 7638 Tagen) @ Lonco

Hallo Thomas,
das sieht mir nach einer Nebelkappe Lepista nebularis aus,
viele Grüsse
Matthias

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Re: Exzentrisch und rissig (2 Fotos)

Jens ⌂, (vor 7638 Tagen) @ Lonco

Hallo Thomas,

Matthias hat recht, es ist "nur" ne Nebelkappe. So dunkle Hutfarben hat sie selten, aber das zweite Foto schafft eigentlich Klarheit.
Was ist denn Deine Vermutung?

Gruß Jens

Hallo an alle,
solche Pilze habe ich zur gleichen Zeit an verschiedenen Stellen und in
verschiedenen Buchenwäldern gefunden. Der Pilz auf dem Foto am 28.10.05 in
der Umg. von Hannover. Alle Exemplare waren exzentrisch gestielt und
hatten einen radialrissigen Hut.


Ich habe nichts gefunden was so aussieht, aber ich habe da so eine Vermutung.
Wer kann mir weiterhelfen?
Grüße, Thomas.

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Re: Exzentrisch und rissig (2 Fotos)

Lonco, (vor 7638 Tagen) @ Jens

Hallo Jens und Matthias,
ich war mal wieder auf dem falschen Dampfer, ich hatte an einen Weichritterling gedacht. Aber so eine braune Färbung bei der Nebelkappe habe ich auch noch nicht gesehen. Die Pilze machen es einem aber auch ganz schön schwer! An was habt Ihr denn speziell erkannt, das es eine Nebelkappe bzw. Lepista ist?

Grüße, Thomas.

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Re: Exzentrisch und rissig (2 Fotos)

Matthias, (vor 7638 Tagen) @ Lonco

Hallo Thomas,
bei der Nebelkappe laufen die Lamellen ein Stück am Stiel herunter, bei Weichritterlingen sind sie am Stiel ausgebuchtet,
viele Grüsse
Matthias

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Danke für den Input :-)), Gruß, Thomas *oT*

Lonco, (vor 7638 Tagen) @ Matthias

- kein Text -

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Clitocybe nebularis vs Lepista nebularis

Dedimyk, (vor 7637 Tagen) @ Lonco

Hallo Thomas,

ich wollte noch eine Ergänzung bringen, die die Gattungsbestimmung erleichtert.

Die Nebelkappe oder der Nebelgraue Trichterling, was übrigens zutreffender ist, denn es handelt sich um einen Trichterling, wurde deshalb auch wieder aus der Gattung Lepista ( Rötelritterlinge, wegen der abweichenden Sporenfarbe ) zurück in die Gattung Clitocybe ( Trichterlinge ) zurückgeführt.

Der nebelgraue Trichterling heißt jetzt wieder Clitocybe nebeularis.
Das Gattungsmermal der Clitocybe sind die herablaufenden Lamellen, die sehr gut auf dem Bild zu sehen sind und deshalb einen Weichritterling ausschließen.

Herzlicher Gruß Detlef

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Re: Clitocybe nebularis vs Lepista nebularis

Andreas ⌂, (vor 7637 Tagen) @ Dedimyk

Hallo Detlev,

ich wollte noch eine Ergänzung bringen, die die Gattungsbestimmung
erleichtert.
Die Nebelkappe oder der Nebelgraue Trichterling, was übrigens zutreffender
ist, denn es handelt sich um einen Trichterling, wurde deshalb auch wieder
aus der Gattung Lepista ( Rötelritterlinge, wegen der abweichenden
Sporenfarbe ) zurück in die Gattung Clitocybe ( Trichterlinge )
zurückgeführt.
Der nebelgraue Trichterling heißt jetzt wieder Clitocybe nebeularis.
Das Gattungsmermal der Clitocybe sind die herablaufenden Lamellen, die sehr
gut auf dem Bild zu sehen sind und deshalb einen Weichritterling
ausschließen.

ach ja? Von wem und mit welcher Begründung? Und warum findest Du die Gründe zugunsten von Clitocybe stichhaltiger als die Gründe für Lepista?
Herablaufende lamellen haben viel Pilzarten, sowohl in der Gattung Clitocybe als auch in Lepista als auch anderswo. Und in beiden Gattungen gibt es auch Arten mit NICHT herablaufenden Lamellen. Im Gegensatz zu Weichritterling, das ist richtig, aber nicht als Gattungsmerkmal von Clitocybe.

Für mich bleibt der Nebelgraue Trichterling auch weiterhin eine Lepista.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Clitocybe nebularis vs Lepista nebularis

Dedimyk, (vor 7637 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

da bin ich aber mehr als überrascht. Wenn Du so von Lepista überzeugt bist, warum steht dann in Eurem Abbildungsverzeichnis wieder Clitocybe nebularis z. B. und in der Kartierung DGfM auch ?
Ich kann mich noch an eine Diskussion mit Christoph Hahn erinnern, wo er zu dem Thema sagte, die Clitocybe nebularis wäre der Typus für Clitocybe und dürfte deshalb gar nicht verändert werden.
Ich hoffe, daß ich das nicht falsch verstanden habe und das Christoph das liest und sich zu diesem Thema äußert.

Gruß Detlef

Hallo Detlev,
ach ja? Von wem und mit welcher Begründung? Und warum findest Du die Gründe
zugunsten von Clitocybe stichhaltiger als die Gründe für Lepista?
Herablaufende lamellen haben viel Pilzarten, sowohl in der Gattung Clitocybe
als auch in Lepista als auch anderswo. Und in beiden Gattungen gibt es
auch Arten mit NICHT herablaufenden Lamellen. Im Gegensatz zu
Weichritterling, das ist richtig, aber nicht als Gattungsmerkmal von
Clitocybe.
Für mich bleibt der Nebelgraue Trichterling auch weiterhin eine Lepista.
beste Grüße,
Andreas

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Schau mal hier...

saibling, (vor 7637 Tagen) @ Dedimyk

Hallo Detlef,

dazu gabs vor längerer Zeit schonmal ne Stellungnahme von Andreas hier
im Forum.

Beitrag 61128

Wenn man das so liest, kann man sich vorstellen wie schwierig die
Entscheidung zur einen oder anderen Gattung ist.

Da bleib ich lieber beim bayrischen Namen Herbstblattl. *grins*

Liebe Grüsse
christian

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Re: Schau mal hier...

Dedimyk, (vor 7637 Tagen) @ saibling

Hallo Christian,

danke für den Hinweis auf den Thread. Also, wenn ich das genau verfolge, dann finde ich Deinen bayrischen Namen "Herbstblattl" wirklich hervorragend.
Aber kartiert wird weiter Clitocybe nebularis, weil es anders ja auch gar nicht geht.

Gruß Detlef

Hallo Detlef,
dazu gabs vor längerer Zeit schonmal ne Stellungnahme von Andreas hier
im Forum.
Beitrag 61128
Wenn man das so liest, kann man sich vorstellen wie schwierig die
Entscheidung zur einen oder anderen Gattung ist.
Da bleib ich lieber beim bayrischen Namen Herbstblattl. *grins*
Liebe Grüsse
christian

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Dazu...

zuehli ⌂, (vor 7637 Tagen) @ Dedimyk

... gibts schon einmal eine Stellungnahme von Andreas.

Man werfe einen Blick:

Gruß Harald

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Zwei, die gleichzeitig denslben Gedanken hatten... *oT*

zuehli ⌂, (vor 7637 Tagen) @ zuehli

- kein Text -

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Doppelt hält besser!... ;-) *oT*

saibling, (vor 7637 Tagen) @ zuehli

- kein Text -

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Re: Clitocybe nebularis vs Lepista nebularis

Andreas ⌂, (vor 7636 Tagen) @ Dedimyk

Hallo Detlef,

da bin ich aber mehr als überrascht. Wenn Du so von Lepista überzeugt bist,
warum steht dann in Eurem Abbildungsverzeichnis wieder Clitocybe nebularis
z. B. und in der Kartierung DGfM auch ?

Ich kann nicht oft genug betonen, dass dieses Buch ein Gemeinschaftswerrk von drei Leuten ist und dass wir alles gemeinsam besprochen und diskutiert haben. Logischerweise setzt sich dann nicht immer einer durch, sondern manches wird schlicht per Mehrheitsbeschluss entschieden. Wie hier, aber auch wie in manch anderen Fällen. Sicherlich ist aber auch manches enthalten, was Peter Reil für sich alleine anders sehen würde und Achim Bollmann geht's bestimmt genauso.

Ich kann mich noch an eine Diskussion mit Christoph Hahn erinnern, wo er zu
dem Thema sagte, die Clitocybe nebularis wäre der Typus für Clitocybe und
dürfte deshalb gar nicht verändert werden.
Ich hoffe, daß ich das nicht falsch verstanden habe und das Christoph das
liest und sich zu diesem Thema äußert.

Die Typuswahl von Clitocybe ist schwierig zu entscheiden, da es in jedem Fall ein Lektotypus ist. Es stimmt, dass die erste Typuswahl (Earle 1909) Agaricus nebularis betrifft, was auch Donk aufgenommen hat. Andere sehen das aber anders. Wie so oft hängt das in dieser problematischen Gruppen damit zusammen, was der einzelnen nun als Trennmerkmal zwischen Clitocybe und Lepista ansieht. Je nach dem, ist es eben möglich dass nebularis Typus von Clitocybe sein kann, oder eben auch nicht.

Harmaja geht noch einen anderen Weg, wie er in seiner jüngsten Publikation zeigt, die er mir als pdf geschickt hat. Früher war er auch der Meinung, Agaricus gibbus müßte der Typus sein, doch hat er sich neuerdings umentschieden. Dafür wartet er nun mit einem ganz anderen Konzept auf und führt die Cyanophilie der Sporen (und der Basidien eventuell) als Haupttrennmerkmal an, gefolgt von dem Merkmal, ob in Exsikkaten die Sporen mehrheitlich zu Tetraden verkleben oder nicht und weiteren Merkmalen. Damit kommt er zu dem Schluss, dass die cyanophilen Clitocyben mit Lepista vereint werden müssen (unter Lepista!), dass aber die Gruppe der nicht-cyanophilen Clitocyben (im wesentlichen die gibba-Gruppe s.l.) eines neuen Gattungsnamens bedarf. Diesen benennt er Infundibulicybe gen. nov.. Also zukünftig nach seiner Darstellung Infudibulicybe gibba, Infundibulicybe costata etc. etc.

Bei der Gelegenheit stellt er übrigens auch klar, welche der beiden nahezu zeitgleich publizierten neuen Gattungen für den Keulenfuß-Trichterling Priorität hat: Ampulloclitocybe Redhead,Lutzoni, Moncalvo & Vilgalys (publ. 5. Nov. 2002) gegenüber Clavicybe Harmaja (publ. 31.12.2002)

Zu Ampullocybe sewi übrigens auch die Clitocybe squamulosoides zu ziehen, die also nicht wie C. squamulosa zu Infundibulicybe gehört - beide sind nun in verschiedenen Gattungen untergebracht. Ob das sinnvoll ist?

So, das kann man nun natürlich akzepieren oder auch nicht. Zum einen muss man zwar nicht alles glauben bzw. übernehmen was gedruckt wird, zum anderen ist Harmaja aber natürlich ein ernstzunehmender Mykologe den man nicht übergehen darf. Das gilt aber für andere Konzepte im allgemeinen auch.
Selbst Raithelhuber hat taxonomische Gliederungsvorschläge von Clitocybe publiziert, die man nicht einfach übergehen kann. Leider sind diese kaum jemandem zugänglich und selbst hochrangigen Blätterpilzspezialisten oft nicht bekannt, da nur im Eigenverlag in geringer Auflage publiziert und kaum erreichbar. Was Clitocybe betrifft, so hat Raithelhuber schon 1981 einige Gruppen in eigenständige Gattungen abgetrennt, so auch C. odora (als Rubeolarius gen. nov.) und die flaccida-Gruppe (in Paralepista gen. nov.). ferner hat er das Subgenus Pseudolyphollum zur Gattung erhoben und in einen eigenen Tribus Pseudolyophylleae gestellt. Wurde von Bon auch aufgegriffen, soweit ich weiß.

Weitere Splittergattungen sind u.a. Ossicaulis (für Clitocybe lignatilis), Singerocybe (für Clitocybe phaeophthalma) und Neoclitocybe (für Clitocybe alnetorum und dryadicola).

Was nun die Typuswahl nochmals anbelangt, so wurde meines Wissens früher mal der Antrag gestellt, Agaricus gibbus zum typus conservandus von Clitocybe zu machen, was soweit ich weiß abgelehnt wurde. Weitere taxonomische Entscheidungen kenne ich nicht und hängen soweit ich dies überblicken kann auch von der Gattungsabgrenzung ab.

Ich denke, hier ist noch längst nicht das letzte Wort gesprochen und ich könnte mir gut vorstellen, dass eine weitere Zersplitterung der Gattung Clitocybe in Zukunft vorgenommen wird. Ob dies allerdings die angesprochenen Probleme löst, darf bezweifelt werden.

Wer sich für die beiden angesprochenen Artikel interessiert, kann sie von mir als pdf haben:
HARMAJA, H. (2003) - Notes on Clitocybe s.lato (Agaricales). Ann. Bot. Fennici 40:213-218.
RAITHELHUBER, J. (1981) - Gattung Clitocybe. 1. Teil. S. 13-24, Tf. 1+3 (= alles publizierte). Eigenverlag, Stuttgart.

Das alles wird dem Einzelnen von uns nicht unbedingt die Lösung der Gattungen Clitocybe s.l. und Lepista vor Augen führen, aber es zeigt vielleicht etwas die Problematik auf und auch dass es "die" Lösung einfach nicht gibt - wie so oft in der Mykologie kann man halt nur Argumente lesen, verstehen versuchen und sich dann eine eigene Meinung zu bilden versuchen. Im übrigen gibt es ja auch noch die Konzepte von BIGELOW, BON, KUYPER, um nur die wichtigsten die mir grad einfallen zu nennen, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen ....

Ich für mich hatte mich eben in der Ba.-Wü.-Flora "irgendwie" entscheiden müssen und habe die mir derzeit (und auch jetzt noch) am plausibelsten erscheinende Lösung gewählt, wohl wissend, dass auch das nur eine von vielen Möglichkeiten ist und (mindestens) genauso kritisiert werden kann wie andere auch.

beste Grüße,
Andreas

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aarrghh, sinnentstellender Fehler ......

Andreas ⌂, (vor 7636 Tagen) @ Andreas


[quote]Harmaja geht noch einen anderen Weg, wie er in seiner jüngsten Publikation
zeigt, die er mir als pdf geschickt hat. Früher war er auch der Meinung,
Agaricus gibbus müßte der Typus sein, doch hat er sich neuerdings
umentschieden. Dafür wartet er nun mit einem ganz anderen Konzept auf und
führt die Cyanophilie der Sporen (und der Basidien eventuell) als
Haupttrennmerkmal an, gefolgt von dem Merkmal, ob in Exsikkaten die Sporen
mehrheitlich zu Tetraden verkleben oder nicht und weiteren Merkmalen.
Damit kommt er zu dem Schluss,
dass die cyanophilen Clitocyben mit Lepista vereint werden müssen (unter Lepista!),
dass aber die Gruppe der nicht-cyanophilen Clitocyben (im wesentlichen die gibba-Gruppe s.l.) eines
neuen Gattungsnamens bedarf. Diesen benennt er Infundibulicybe gen. nov..
Also zukünftig nach seiner Darstellung Infudibulicybe gibba,
Infundibulicybe costata etc. etc.
[/quote]

Hallo,

das sollte heißen:

dass die cyanophilen Clitocyben mit Lepista vereint werden müssen (unter Clitocybe!),

beste Grüße,
Andreas

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Re: Clitocybe nebularis vs Lepista nebularis

Dedimyk, (vor 7636 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

danke für diese umfassende Erläuterung. Ich bin froh, daß mein Erinnerungsvermögen nicht ganz falsch iwar mit der Aussage bezüglich des Typus.Aber die geplanten bzw. angestoßenen Trennungen bringen m.E. nur Verwirrungen, die ich mir auf keinen Fall antun möchte, wenn ich dann nomenklatorisch auch nicht mehr auf dem neuesten Stand sein sollte.

Da sollen sich Fachmykologen und Taxonomen auseinanderdividieren, ich bleibe bei meinen derzeitigen Literaturquellen und Kartierungsunterlagen und benenne dementsprechend ( geht ja auch zum Teil gar nicht anders ).

Allerdings ist eines für mich klar,in einer solchen Grundsatzfragendebatte werde ich zukünftig nur noch sehr zurückhaltend argumentieren.

Herzlichen Gruß Detlef

, : Hallo Detlef,

Ich kann nicht oft genug betonen, dass dieses Buch ein Gemeinschaftswerrk von
drei Leuten ist und dass wir alles gemeinsam besprochen und diskutiert
haben. Logischerweise setzt sich dann nicht immer einer durch, sondern
manches wird schlicht per Mehrheitsbeschluss entschieden. Wie hier, aber
auch wie in manch anderen Fällen. Sicherlich ist aber auch manches
enthalten, was Peter Reil für sich alleine anders sehen würde und Achim
Bollmann geht's bestimmt genauso.
Die Typuswahl von Clitocybe ist schwierig zu entscheiden, da es in jedem Fall
ein Lektotypus ist. Es stimmt, dass die erste Typuswahl (Earle 1909)
Agaricus nebularis betrifft, was auch Donk aufgenommen hat. Andere sehen
das aber anders. Wie so oft hängt das in dieser problematischen Gruppen
damit zusammen, was der einzelnen nun als Trennmerkmal zwischen Clitocybe
und Lepista ansieht. Je nach dem, ist es eben möglich dass nebularis Typus
von Clitocybe sein kann, oder eben auch nicht.
Harmaja geht noch einen anderen Weg, wie er in seiner jüngsten Publikation
zeigt, die er mir als pdf geschickt hat. Früher war er auch der Meinung,
Agaricus gibbus müßte der Typus sein, doch hat er sich neuerdings
umentschieden. Dafür wartet er nun mit einem ganz anderen Konzept auf und
führt die Cyanophilie der Sporen (und der Basidien eventuell) als
Haupttrennmerkmal an, gefolgt von dem Merkmal, ob in Exsikkaten die Sporen
mehrheitlich zu Tetraden verkleben oder nicht und weiteren Merkmalen.
Damit kommt er zu dem Schluss, dass die cyanophilen Clitocyben mit Lepista
vereint werden müssen (unter Lepista!), dass aber die Gruppe der
nicht-cyanophilen Clitocyben (im wesentlichen die gibba-Gruppe s.l.) eines
neuen Gattungsnamens bedarf. Diesen benennt er Infundibulicybe gen. nov..
Also zukünftig nach seiner Darstellung Infudibulicybe gibba,
Infundibulicybe costata etc. etc.
Bei der Gelegenheit stellt er übrigens auch klar, welche der beiden nahezu
zeitgleich publizierten neuen Gattungen für den Keulenfuß-Trichterling
Priorität hat: Ampulloclitocybe Redhead,Lutzoni, Moncalvo & Vilgalys
(publ. 5. Nov. 2002) gegenüber Clavicybe Harmaja (publ. 31.12.2002)
Zu Ampullocybe sewi übrigens auch die Clitocybe squamulosoides zu ziehen, die
also nicht wie C. squamulosa zu Infundibulicybe gehört - beide sind nun in
verschiedenen Gattungen untergebracht. Ob das sinnvoll ist?
So, das kann man nun natürlich akzepieren oder auch nicht. Zum einen muss man
zwar nicht alles glauben bzw. übernehmen was gedruckt wird, zum anderen
ist Harmaja aber natürlich ein ernstzunehmender Mykologe den man nicht
übergehen darf. Das gilt aber für andere Konzepte im allgemeinen auch.
Selbst Raithelhuber hat taxonomische Gliederungsvorschläge von Clitocybe
publiziert, die man nicht einfach übergehen kann. Leider sind diese kaum
jemandem zugänglich und selbst hochrangigen Blätterpilzspezialisten oft
nicht bekannt, da nur im Eigenverlag in geringer Auflage publiziert und
kaum erreichbar. Was Clitocybe betrifft, so hat Raithelhuber schon 1981
einige Gruppen in eigenständige Gattungen abgetrennt, so auch C. odora
(als Rubeolarius gen. nov.) und die flaccida-Gruppe (in Paralepista gen.
nov.). ferner hat er das Subgenus Pseudolyphollum zur Gattung erhoben und
in einen eigenen Tribus Pseudolyophylleae gestellt. Wurde von Bon auch
aufgegriffen, soweit ich weiß.
Weitere Splittergattungen sind u.a. Ossicaulis (für Clitocybe lignatilis),
Singerocybe (für Clitocybe phaeophthalma) und Neoclitocybe (für Clitocybe
alnetorum und dryadicola).
Was nun die Typuswahl nochmals anbelangt, so wurde meines Wissens früher mal
der Antrag gestellt, Agaricus gibbus zum typus conservandus von Clitocybe
zu machen, was soweit ich weiß abgelehnt wurde. Weitere taxonomische
Entscheidungen kenne ich nicht und hängen soweit ich dies überblicken kann
auch von der Gattungsabgrenzung ab.
Ich denke, hier ist noch längst nicht das letzte Wort gesprochen und ich
könnte mir gut vorstellen, dass eine weitere Zersplitterung der Gattung
Clitocybe in Zukunft vorgenommen wird. Ob dies allerdings die
angesprochenen Probleme löst, darf bezweifelt werden.
Wer sich für die beiden angesprochenen Artikel interessiert, kann sie von mir
als pdf haben: HARMAJA, H. (2003) - Notes on Clitocybe s.lato
(Agaricales). Ann. Bot. Fennici 40:213-218.
RAITHELHUBER, J. (1981) - Gattung Clitocybe. 1. Teil. S. 13-24, Tf. 1+3 (=
alles publizierte). Eigenverlag, Stuttgart.
Das alles wird dem Einzelnen von uns nicht unbedingt die Lösung der Gattungen
Clitocybe s.l. und Lepista vor Augen führen, aber es zeigt vielleicht
etwas die Problematik auf und auch dass es "die" Lösung einfach
nicht gibt - wie so oft in der Mykologie kann man halt nur Argumente
lesen, verstehen versuchen und sich dann eine eigene Meinung zu bilden
versuchen. Im übrigen gibt es ja auch noch die Konzepte von BIGELOW, BON,
KUYPER, um nur die wichtigsten die mir grad einfallen zu nennen, die
ebenfalls berücksichtigt werden müssen ....
Ich für mich hatte mich eben in der Ba.-Wü.-Flora "irgendwie"
entscheiden müssen und habe die mir derzeit (und auch jetzt noch) am
plausibelsten erscheinende Lösung gewählt, wohl wissend, dass auch das nur
eine von vielen Möglichkeiten ist und (mindestens) genauso kritisiert
werden kann wie andere auch.
beste Grüße,
Andreas

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Re: Clitocybe nebularis vs Lepista nebularis

Andreas ⌂, (vor 7636 Tagen) @ Dedimyk

Hallo Detlef,

nomenklatorisch auf dem neuesten Stand sein zu wollen ist sowieso immer problematisch, ob Amateur oder Fachmykologe. Wer kennt sich den in allen Gruppen so gut aus, dass er beurteilen kann, wie fundiert ein Fachartikel wirklich ist. Da gibt es natürlich Unterschiede, aber der "normale" Amateurmykologe kann das selten einschätzen. Aber alles nur unbesehen übernehmen was neu publiziert wird ist genau so schlecht wie sich zu sagen, ich bleibe bei meinem heutigen Stand stehen.
Ich habe auch keine Lösung dafür, aber Zurückhaltung ist sicher immer nicht schlecht. Schon manches hat sich nicht durchgesetzt und manches wird letztlich erst durch eine Entscheidung des Botanischen Kongress geklärt werden können (z.B. die Benennung der zerteilten ex-Coprinus-Gattungen).

Aber eins finde ich doch: Argumentieren und mitdiskutieren ist immer erlaubt! Vielleicht hat ja einer bessere Argumente, durch größere Literaturkenntnis oder warum auch immer. Aber dadurch lernt man schließlich.

Das wird sicherlich auch viel Diskussion geben um Aufteilungen von Clitocybe, ob sinnvoll oder nicht und so weiter. Meistens gibt es erst Mal einen Aufschrei und nach ein paar Jahren hat man sich doch dran gewöhnt und nach noch ein paar Jahren versteht man nicht mal mehr warum es denn überhaupt Geschrei gab ;-) Collybia vs. Gymnopus z.B. ....

beste Grüße und nicht entmutigen lassen!

Andreas

Hallo Andreas,
danke für diese umfassende Erläuterung. Ich bin froh, daß mein
Erinnerungsvermögen nicht ganz falsch iwar mit der Aussage bezüglich des
Typus.Aber die geplanten bzw. angestoßenen Trennungen bringen m.E. nur
Verwirrungen, die ich mir auf keinen Fall antun möchte, wenn ich dann
nomenklatorisch auch nicht mehr auf dem neuesten Stand sein sollte.
Da sollen sich Fachmykologen und Taxonomen auseinanderdividieren, ich bleibe
bei meinen derzeitigen Literaturquellen und Kartierungsunterlagen und
benenne dementsprechend ( geht ja auch zum Teil gar nicht anders ).
Allerdings ist eines für mich klar,in einer solchen Grundsatzfragendebatte
werde ich zukünftig nur noch sehr zurückhaltend argumentieren.
Herzlichen Gruß Detlef
, : Hallo Detlef,

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Danke Andreas, Du hast mich wieder aufgerichtet *oT*

Dedimyk, (vor 7636 Tagen) @ Andreas

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