Fragen über Fragen

Lonco, (vor 7569 Tagen)

Hallo an alle,

weil ich demnächst nicht mehr ohne Kalilauge auf Pilzpirsch gehen möchte habe ich dazu zwei Fragen.

1. Welche Konzentration sollte die Lauge haben? Je stärker um so besser? Ich habe "Pelletts", oder wie auch immer die Dinger heißen, und würde meine Lauge selber mixen wollen. Oder soll ich besser eine fertige Mischung kaufen?

2. Lohnt es sich auf jeden Pilz einen Tropfen zu geben, oder gibt es Gattungen oder Familien wo es sinnlos ist? Welche Stellen am Pilz sollte man beträufeln? Wie schnell tritt normalerweise eine Reaktion ein, oder gibt es da auch noch Unterschiede? Gibt es gar noch andere Flüssigkeiten, die man im Gelände dabei haben sollte, um eine Reaktion zu erzeugen?

Eine übergeordnete Frage habe ich auch noch:
Gibt es so etwas wie eine "Checklist" die man im Kopf haben sollte, wenn man einen Pilz im Gelände so gut wie möglich erfassen bzw. untersuchen will? Ich meine eine Reihenfolge, die man einhält, damit man z.B. wichtige Merkmale nicht zerstört bzw. vergessen werden. Wie habt Ihr damit mal angefangen bzw. macht es immer noch so?

Viele Grüße,
Thomas.

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Re: Fragen über Fragen

interhias ⌂, (vor 7569 Tagen) @ Lonco

Servus Thomas!

Man macht ja wirklich die verrücktesten Dinge, wenn man vom Pilzfieber infiziert ist, aber Kalilauge in den Wald schleppen!!?? - Ich weiß nicht. Es reicht doch schon, wenn man zu Hause mit diversen Giftflascherln herumpantscht.

Viel wichtiger ist es meiner Erfahrung nach, die Schwammerln wohlbehalten heimzubringen (dabei helfen z.B. Alufolie, diverse Behältnisse etc.) und keine Infos im Wald zu vergessen (Begleitbäume, Vegetation etc.). Diese Rahmeninfos habe ich am Anfang meist viel zu schlampig festgehalten und es passiert mir leider immer wieder mal. Es hilft, wenn man soche Infos in seine Kamera oder sonstwo draufsprechen kann. Dazu gehören auch Merkmale, die beim Transport leicht verloren gehen, wie z.B. Stielbereifung, Schmierigkeit etc.
Außerdem habe ich festgestellt, dass es nicht viel bringt, ein einzelnes, womöglich nur mäßig erhaltenes Exemplar heimzuschleppen. Aufsammlungen mit mehreren Exemplaren verschiedener Entwicklungsstadigen bringen einen viel weiter, zumal, wenn man die Auswahl hat und nicht auf der Suche nach "dem einen" Täubling ist.
Außerdem zahlt sich Geduld beim Herauslösen bzw. Ablösen der Fruchtkörper vom Substrat aus; abgerissene Stiele und zerbeulte Hüte sind beim Beschreiben zu Hause ein Ärgernis.

Gruß aus München
Hias

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Re: Fragen über Fragen

Heinz Ebert ⌂, (vor 7568 Tagen) @ Lonco

Hallo Thomas,

zu 1: Lass das mit den Chemikalien weg! Nimm lieber etwas zum Schreiben mit und mach dir Notizen.

zu 2: -ist mit Antwort 1 erledigt.

Zur "übergeordneten Frage":
JA! Das ist entscheidend. Ich gehe in etwa folgend vor:

-Feststellung der Fruchtschicht (Röhren, Lamellen, Poren ,Leisten, Bauchpilze, Außensporer, Becherling usw.)

-dann weitere Untergruppierung, z.B. bei Lamellenpilzen: sprödstielig (=Täubling oder Milchling) oder faserstielig

-bei faserstieligen Blätterpilzen: Sporenstaubfarbe (ist oft am Standort erkennbar), Gesamthülle vorhanden, Teilhülle, Schleimigkeit, Geruch und Geschmack, Begleitbäume, Bodenverhältnisse, Substrat (Holz, Kräuter, Sumpf, Brandstelle usw.)

-Versuche auf jeden Fall immer, zuerst die GATTUNG herauszufinden, alles andere ist Lotto.

-Möglicherweise ist es hilfreich, den Fruchtkörper aussporen zu lassen, die Sporenstaubfarbe ist oft erstaunlich hilfreich.

-Chemikalien helfen manchmal in Zweifelsfällen weiter, aber sie sind kein "Stein der Weisen", versuche also lieber, die Gattungen zu (er-)kennen, und vergiss die Chemie.

Beste Grüße, Heinz Ebert

Hallo an alle,
weil ich demnächst nicht mehr ohne Kalilauge auf Pilzpirsch gehen möchte habe
ich dazu zwei Fragen.
1. Welche Konzentration sollte die Lauge haben? Je stärker um so besser? Ich
habe "Pelletts", oder wie auch immer die Dinger heißen, und
würde meine Lauge selber mixen wollen. Oder soll ich besser eine fertige
Mischung kaufen?
2. Lohnt es sich auf jeden Pilz einen Tropfen zu geben, oder gibt es
Gattungen oder Familien wo es sinnlos ist? Welche Stellen am Pilz sollte
man beträufeln? Wie schnell tritt normalerweise eine Reaktion ein, oder
gibt es da auch noch Unterschiede? Gibt es gar noch andere Flüssigkeiten,
die man im Gelände dabei haben sollte, um eine Reaktion zu erzeugen?
Eine übergeordnete Frage habe ich auch noch: Gibt es so etwas wie eine
"Checklist" die man im Kopf haben sollte, wenn man einen Pilz im
Gelände so gut wie möglich erfassen bzw. untersuchen will? Ich meine eine
Reihenfolge, die man einhält, damit man z.B. wichtige Merkmale nicht
zerstört bzw. vergessen werden. Wie habt Ihr damit mal angefangen bzw.
macht es immer noch so?
Viele Grüße,
Thomas.

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Re: Fragen über Fragen

Piwo, (vor 7568 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Thomas,
zu 1: Lass das mit den Chemikalien weg! Nimm lieber etwas zum Schreiben mit
und mach dir Notizen.
zu 2: -ist mit Antwort 1 erledigt.
Zur "übergeordneten Frage": JA! Das ist entscheidend. Ich gehe in
etwa folgend vor: -Feststellung der Fruchtschicht (Röhren, Lamellen, Poren
,Leisten, Bauchpilze, Außensporer, Becherling usw.)
-dann weitere Untergruppierung, z.B. bei Lamellenpilzen: sprödstielig
(=Täubling oder Milchling) oder faserstielig
-bei faserstieligen Blätterpilzen: Sporenstaubfarbe (ist oft am Standort
erkennbar), Gesamthülle vorhanden, Teilhülle, Schleimigkeit, Geruch und
Geschmack, Begleitbäume, Bodenverhältnisse, Substrat (Holz, Kräuter,
Sumpf, Brandstelle usw.)
-Versuche auf jeden Fall immer, zuerst die GATTUNG herauszufinden, alles
andere ist Lotto.
-Möglicherweise ist es hilfreich, den Fruchtkörper aussporen zu lassen, die
Sporenstaubfarbe ist oft erstaunlich hilfreich.
-Chemikalien helfen manchmal in Zweifelsfällen weiter, aber sie sind kein
"Stein der Weisen", versuche also lieber, die Gattungen zu
(er-)kennen, und vergiss die Chemie.
Beste Grüße, Heinz Ebert

hallo Thomas,

den Ausführungen von Heinz kann man zustimmen, aaaber irgendwann geht das Geschäft ohne Chemie nur sehr schlecht z.B. bei den Täublingen und Cortinarien.

Gruß
Piwo

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Danke an alle.....

Lonco, (vor 7566 Tagen) @ Lonco

.....für die Tips und Anregungen!

Stichwort Kalilauge:
Da habe ich in erster Linie an die Porlinge gedacht - mußte aber gerade beim überfliegen der Gattungen feststellen, das da auch nicht wirklich viel zu erwarten ist.

Viele Grüße,
Thomas.