Ein Kotbecherling auf einem Mauskadaver *PIC*

Seraph, (vor 7500 Tagen)

Hallo,

vorgestern habe ich eine kleine Exkursion zu einer nahegelegenen Flussinsel gemacht und bin zufällig auf ein unfömiges, kaum als Kadaver erkennbares Objekt gestoßen, das tatsächlich von einer Kolonie von kleinen, operculaten Becherlingen übersäht war: Schon im Felde wurden diese Becherlinge als Ascobolus furfuraceus, Kleiiger Kotling, bestimmt, und unter dem Mikroskop war es dann Tatsache. Nach näherer Untersuchung wurden die kleinen Becherlinge sogar auf den Knochen- und Fellüberresten gefunden. Es ist vom Zustand des Kadavers davon auszugehen, dass er bereits den Magen-Darm-Trakt irgendeines Säugers passiert hat. Das würde einerseits natürlich das Erscheinen einer Ascobolus erklären, dennoch ist das Substrat für den eigentlich kuhfladenbewohnenden Becherling mehr als ungewöhnlich. Hier eine Kurzbeschreibung des denkwürdigen Fundes:

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Apothezien 0,5-4 mm breit, becher- bis linsenförmig, stiellos dem Substrat aufsitzend. Hymenium anfangs glatt, rosa- bis hellbräunlich, später mit winzigen, schwarzen Pünktchen versehen und im Ganzen dunkel violett bis dunkel braunviolett erscheinend; Rand auffällig hellbräunlich kleiig, uneben.

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Sporen17-21 µm breit, elliptisch, anfangs hyalin, glatt, dann braunviolett bis bräunlich, mit hyalinen Längsrillen, die sich labyrinthartig über die Oberfläche ziehen; mit auffälliger, hyaliner und abgerundeter Gallerthülle. Asci achtsporig, langstielig. Paraphysen fädig, septiert, apikal abgerundet, hyalin.

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Substrat ein Kadaver einer Maus (Spitzmaus?), auf Knochen- und Fellresten wachsend, ebenso auf dem zersetzten, unkenntlichen Überrest, gesellig bis rasig wachsend, in freier Natur vorgefunden.

Bemerkungen
Normalerweise erscheint Ascobolus furfuraceus auf Kuhfladen und selten auf Exkrementen anderer Tierarten. Das Vorfinden dieser Art in freier Natur ist nicht ungewöhnlich, doch kann man sie ebenso gut kultivieren wie die meisten der übrigen, coprophilen Gattungsverwandten.

Beste Grüße,
Seraph

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Re: Ein Kotbecherling auf einem Mauskadaver

Peter W., (vor 7500 Tagen) @ Seraph

Hallo Seraph,

Dein Fund ist 100% ein Ascobolus, aber auch sicher kein Ascolous furfuraceus: Die Sporen sind mit 17-21 µm Länge zu klein. Ich habe zwar eine Vermutung, aber vielleicht kann Nobi dir demnächst eine Antwort und einen Namen geben.

Gruß Peter Welt

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Re: Ein Kotbecherling auf einem Mauskadaver

Seraph, (vor 7500 Tagen) @ Peter W.

Hallo Seraph,
Dein Fund ist 100% ein Ascobolus, aber auch sicher kein Ascolous furfuraceus:
Die Sporen sind mit 17-21 µm Länge zu klein. Ich habe zwar eine Vermutung,
aber vielleicht kann Nobi dir demnächst eine Antwort und einen Namen
geben.
Gruß Peter Welt

hallo,

sry, die Angaben sind ohnehin falsch, ich stand wohl etwas neben mir als ich das hier geschrieben habe.
Also,
1) Die Art heißt mit korrektem Namen "Ascobolus stercorarius" (lt. IndexFungorum).
2) Die korrekte Sporenangabe ist 17-21x9-11 µm (und nicht 17-21 µm BREIT, das ist ohnehin völlig unsinnig).

Damit wären die Sporen aber dennoch kleiner als in der Lit. angegeben. Ich habe aber in einem Schlüssel, den ich grad zur Hand habe, folgende Angabe gefunden: "Mature ascospores with a close fitting episporium which is not blistered, ascospores 22-26x11-13 [(16)19-28(32)x(9)10-14(16)] µm" (QUELLE: Discomycetes on Dung - Bell, 1983; I Funghi). Du musst auch bedenken, dass A. furfuraceus sehr variabel ist in Bezug auf Sporengröße wie auch auf das makroskopische Erscheinungsbild. Ich habe über den Artenkreis A. furfuraceus - A.perplexans eine Arbeit geschrieben, soll heißen ich habe mich intensiv mit besagter Variabilität auseinandergesetzt.
Alle anderen, in Frage kommenden Arten habe ich überprüft und ich werde sie morgen nochmal durchgehen. Ich bin bislang davon überzeugt, dass es A. furfuraceus ist, wenngleich etwas untypisch in der Sporengröße, die sich aber dennoch im Variabilitätsrahmen von A. furfuraceus befindet.

Beste Grüße,
Seraph

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Re: Ein Kotbecherling auf einem Mauskadaver

Andreas ⌂, (vor 7500 Tagen) @ Peter W.

Hallo Seraph,
Dein Fund ist 100% ein Ascobolus, aber auch sicher kein Ascolous furfuraceus:
Die Sporen sind mit 17-21 µm Länge zu klein. Ich habe zwar eine Vermutung,
aber vielleicht kann Nobi dir demnächst eine Antwort und einen Namen
geben.
Gruß Peter Welt

Hallo Peter,

Dein Posting beruhigt mich, habe ich mich doch etwas schwer getan, in diesem Fund A. furfuraceus wiederzuerkennen, auch wenn ich natürlich nicht der Fachmann bin wie Du und Nobi.
So aus dem Bauch raus hätte ich die Sporen eher für albidus-Sporen gehalten und wegen der Beschreibung der frischen Apothezien würde mein Tipp in Richtung roseopurpurascens gehen. Von dem ich allerdings nicht weiß, ob der als eigenständige Art anerkannt wird, denn eigentlich kann ich da keine wirklichen Unterschiede zu albidus herauslesen, von der Farbe mal abgesehen, oder? Würde mich interessieren, wie Du über dieses Taxon denkst, denn ich hatte mal einen ehr reichlichen Fund auf Pferdemist, der in allen Stadien so wunderschön weinrosa war, dass ich ihn als roseopurpurascens herbarisiert habe.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Ein Kotbecherling auf einem Mauskadaver

Seraph, (vor 7500 Tagen) @ Andreas

Hallo Peter,
Dein Posting beruhigt mich, habe ich mich doch etwas schwer getan, in diesem
Fund A. furfuraceus wiederzuerkennen, auch wenn ich natürlich nicht der
Fachmann bin wie Du und Nobi.
So aus dem Bauch raus hätte ich die Sporen eher für albidus-Sporen gehalten
und wegen der Beschreibung der frischen Apothezien würde mein Tipp in
Richtung roseopurpurascens gehen. Von dem ich allerdings nicht weiß, ob
der als eigenständige Art anerkannt wird, denn eigentlich kann ich da
keine wirklichen Unterschiede zu albidus herauslesen, von der Farbe mal
abgesehen, oder? Würde mich interessieren, wie Du über dieses Taxon
denkst, denn ich hatte mal einen ehr reichlichen Fund auf Pferdemist, der
in allen Stadien so wunderschön weinrosa war, dass ich ihn als
roseopurpurascens herbarisiert habe.
beste Grüße,
Andreas

hallo Andreas,

A. roseopurpurascens gilt als eigene Art und hat im Gegensatz zu A. albidus eher viele, nicht so stark hervorragende Asci. A. albidus habe ich schon gefunden, sogar mehrfach, und diese kann ich vor allem aufgrund makroskopischer Merkmale ausschließen. Ich habe ähnliche Arten wie gesagt nochmal überprüft. A. roseopurpurascens fällt aufgrund der Sporengröße ohnehin weg (25-29x12-13,5 µm). Es passt nach wie vor A. furfuraceus von allen Möglichkeiten am besten.

Gruß,
Seraph

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Re: Ein Kotbecherling auf einem Mauskadaver

Nobi, (vor 7498 Tagen) @ Seraph

Hallo Seraph,
nachdem Dir der Peter und der Andreas schon zweifelnde Postings betreffs des Ascobolus furfuraceus gesendet haben, möchte ich mich diesbezüglich auch noch gern äußern. Erstmal mein Kompliment für die schönen Aufnahmen. Fraglos handelt es sich um einen Ascobolus, jedoch mit Sicherheit nicht um Ascobolus furfuraceus (der Name A. stercorarius, obwohl älter, sollte besser in der Synonymie verbleiben). Habitus, Färbung und Mikromerkmale Deines Fundes weisen eindeutig in Richtung Ascobolus sacchariferus Brumm., welcher viel variabler ist, als 1967 von van Brummelen anhand nur zweier Aufsammlungen beschrieben. Dieses Pilzchen, falls ich es immer richtig bestimmte, ist nicht selten; so habe ich es bisher über 60x nachweisen können. Mehrmals übrigens auch an Fuchslosung, womit wir beim nächsten Problem wären. Dem Foto nach zu urteilen halte ich das Substrat nie und nimmer für einen Mauskadaver, den Knöchelchen, den Fellfetzchen und der Form nach würde ich das am ehesten als Fuchslosung ansehen. Was spricht eigentlich dagegen?
Die beiden Arten A. albidus und A. roseopurpurascens sind deutlich verschieden und es würde den Rahmen sprengen, die Unterschiede hier ausführlich zu erörtern. Per e-mail kannst Du Dich diesbezüglich gern an mich wenden.
Beste Grüße vom Nobi

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Re: Ein Kotbecherling auf einem Mauskadaver

Seraph, (vor 7498 Tagen) @ Nobi

Hallo Seraph,
nachdem Dir der Peter und der Andreas schon zweifelnde Postings betreffs des
Ascobolus furfuraceus gesendet haben, möchte ich mich diesbezüglich auch
noch gern äußern. Erstmal mein Kompliment für die schönen Aufnahmen.
Fraglos handelt es sich um einen Ascobolus, jedoch mit Sicherheit nicht um
Ascobolus furfuraceus (der Name A. stercorarius, obwohl älter, sollte
besser in der Synonymie verbleiben). Habitus, Färbung und Mikromerkmale
Deines Fundes weisen eindeutig in Richtung Ascobolus sacchariferus Brumm.,
welcher viel variabler ist, als 1967 von van Brummelen anhand nur zweier
Aufsammlungen beschrieben. Dieses Pilzchen, falls ich es immer richtig
bestimmte, ist nicht selten; so habe ich es bisher über 60x nachweisen
können. Mehrmals übrigens auch an Fuchslosung, womit wir beim nächsten
Problem wären. Dem Foto nach zu urteilen halte ich das Substrat nie und
nimmer für einen Mauskadaver, den Knöchelchen, den Fellfetzchen und der
Form nach würde ich das am ehesten als Fuchslosung ansehen. Was spricht
eigentlich dagegen?
Die beiden Arten A. albidus und A. roseopurpurascens sind deutlich
verschieden und es würde den Rahmen sprengen, die Unterschiede hier
ausführlich zu erörtern. Per e-mail kannst Du Dich diesbezüglich gern an
mich wenden.
Beste Grüße vom Nobi

Hallo Nobi,

hmm, etwas hat mich auch stutzig gemacht: Normalerweise weist A. furfuraceus im Hymenium eine gelbliche Substanz auf, die hier nicht direkt beobachtet wurde. A. sacchariferus kenne ich nur per Foto, und da ist diese Art völlig weiß (etwa wie A. albidus).

Ich werd mich mal per mail melden :)

Gruß,
Seraph