Huckepackpilze unter die Lupe genommen *PIC*

Hans-Jürgen, (vor 7455 Tagen)

Bei einer verregneten Pilztour mit Rudi sind wir auch auf einen der wenigen Pilze aus dem Bereich der Mucorales oder Schimmelpilze gestoßen, mit denen auch der Waldpilzfreund immer wieder zu tun hat: den Helmlingsschimmel:

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Welchen Helmling sich der Schimmel ausgesucht hat, lasse ich mal offen. Ich habe bisher nur das befallene Exemplar mikroskopiert. Dort war aber kaum mehr verwertbare Struktur auszumachen (siehe unten).

Aus der Nähe sind die Sporangiophoren (Sporenkammerträger) mit den Sporangien (knopfförmige Sporenbehälter) durchaus hübsch anzuschauen.

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Anders als bei den meistens abgebildeten Arten waren unsere Sporangiophoren höchstens zwei, drei Millimeter lang.

Unterm Mikroskop sieht man gleich mehr:

[image]

Man erkennt auf diesem aus zwei Einzelaufnahmen zusammengesetzten Bild sehr schön, dass die Sporangiophoren spindelig in dem befallenen Pilz stecken und in einem schmalen Hyphenband auslaufen, das mit dem Zellgewebe verbunden ist, mit dem der Schimmelpilz seinen Wirt durchsetzt. Man erkennt kugelförmige Sporangien in unterschiedlichen Reifestadien. Und man sieht bereits die ersten Sporen.

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In der stärkeren Vergrößerung sieht man, dass die Sporangien auf einem schüsselförmigen Trägergebilde (Columella) aufsitzen.

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Unter dem Druck des Deckglases platzt das Peridium (das dünne Häutchen, das die Sporen im Sporangium umhüllt) und gibt eine Ladung Sporen frei.

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Jetzt noch ein Blick auf den armen Helmling. Der zeigte sich nicht nur von Schimmel ganz durchdrungen.

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Gruß an alle Forumer
Hans-Jürgen

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Re: Huckepackpilze unter die Lupe genommen

bleem, (vor 7455 Tagen) @ Hans-Jürgen

Hi Hans-Jürgen

Sehr eindrucksvoll!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ciao bleem

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bei dem unbekannten....

saibling, (vor 7455 Tagen) @ Hans-Jürgen

Pilzbewohner dürfte es sich um einen Springschwanz (Collembola) handeln.
Ansonsten eine Spitzen Bilddokumentation, vielen Dank dafür!!!!

Liebe Grüße
christian

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Re: Huckepackpilze unter die Lupe genommen

Alpenhans, (vor 7455 Tagen) @ Hans-Jürgen

Hallo Hans Jürgen!

Gratuliere zu diesen prächtigen Bildern und der informativen Darstellung. Es wäre schön, wenn Du noch Angaben über Vergrößerungen und Schnitte machen könntest.
Liebe Grüße
Hans

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Wahnsinn!! *oT*

Rudi, (vor 7455 Tagen) @ Hans-Jürgen

- kein Text -

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Re:

Hans-Jürgen, (vor 7455 Tagen) @ Alpenhans

Hallo Hans Jürgen!
Gratuliere zu diesen prächtigen Bildern und der informativen Darstellung. Es
wäre schön, wenn Du noch Angaben über Vergrößerungen und Schnitte machen
könntest.
Liebe Grüße
Hans

Hallo Hans,

danke für das Lob. Mit den Abmessungen hapert's noch ein wenig, weil ich noch kein Objektmikrometer zum Eichen habe, und die Umrechnung von Vergrößerungsfaktoren ist schwierig, weil der Bildausschnitt der Kamera nicht mit dem Okularbildausschnitt übereinstimmt (Okular 10x, Projektiv [auf KB gerechnet] 2,5x, da aber mit digitalem Sensor aufgenommen ergibt sich nochmals ein Verlängerungsfaktor von 1,5 - Du siehst, viele Ecken, an denen man anstoßen kann). Ich hoffe aber, dass das Mikrometer bald kommt. Dann liefere ich nur noch Mikrobilder mit Maßstab. Versprochen.
Was meinst Du mit "Schnitten"?

Gruß
Hans-Jürgen

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Genau. Und Du bist schuld! *oT*

Hans-Jürgen, (vor 7455 Tagen) @ Rudi

- kein Text -

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Tolle Dokumentation! *oT*

interhias ⌂, (vor 7455 Tagen) @ Hans-Jürgen

- kein Text -

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Re: 1 Bild *PIC*

Alpenhans, (vor 7455 Tagen) @ Hans-Jürgen

Was meinst Du mit "Schnitten"?
Gruß
Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen!

Danke für Deine schnelle Antwort. Mit "Schnitten" habe ich einfach nachgefragt wie Du den Winzling (siehe Bild) präpariert hast - einfach so auf das Trägerglas gelegt, gequetscht o. doch geschnitten?

Nachfolgendes Bild habe ich vorigen Oktober auf einer mykologischen Arbeitswoche im Waldviertel gemacht - Spinellus fusiger auf Mycena crocata (Gelborangemilchender Helmling).

[image]

Abgesehen von der phantastischen Qualität Deiner Bilder ist vorallem auch die Auswahl und Entwicklung ein Lehrbeispiel.

Liebe Grüße aus Wiener Neustadt

Hans

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Schnitt

Hans-Jürgen, (vor 7455 Tagen) @ Alpenhans

Hallo Hans-Jürgen!
Danke für Deine schnelle Antwort. Mit "Schnitten" habe ich einfach
nachgefragt wie Du den Winzling (siehe Bild) präpariert hast - einfach so
auf das Trägerglas gelegt, gequetscht o. doch geschnitten?
Nachfolgendes Bild habe ich vorigen Oktober auf einer mykologischen
Arbeitswoche im Waldviertel gemacht - Spinellus fusiger auf Mycena crocata
(Gelborangemilchender Helmling).
Abgesehen von der phantastischen Qualität Deiner Bilder ist vorallem auch die
Auswahl und Entwicklung ein Lehrbeispiel.
Liebe Grüße aus Wiener Neustadt
Hans

Hallo Hans,

die winzigen Sporangiophoren muss man glücklicherweise überhaupt nicht schneiden (das Schneiden kleinster Objekte ist ja so eine Sache für sich ...). Ich habe sie lediglich vorsichtig mit einer Pinzette aus dem Pilzhut gezupft und dann (zunächst ohne jedes Quetschen) einfach in Wasser präpariert. Dabei sind mir einige - wie man auf den Aufnahmen sieht - an der Haltestelle auch umgeknickt. So - also ohne jeden Druck aufs Deckglas - habe ich die ersten Aufnahmen mit den noch intakten Sporangien gemacht, erst dann ein wenig nachgedrückt - und schon platzten die Peridien, wie erwartet. Man muss an der Aperturblende (und an allen möglichen anderen Vorrichtungen) ein bisschen spielen, bis man das rechte Verhältnis aus Schärfentiefe und Auflösung hat.

Dass die Qualität meiner Bilder bei den Spezialisten so gut ankommt, freut mich aus einem ganz besonderen Grund: Ich habe das Mikroskop gerade erst zwei Wochen zum Testen hier gehabt und war mir gar nicht sicher, ob ich es behalten soll. Nun weiß ich wenigstens, was Sache ist (übrigens ein "Billig"import aus China, also keineswegs eines der großen Vier).

Herzliche Grüße vom Blutsee
Hans-Jürgen

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Re: Schnitt

hoennetaler, (vor 7454 Tagen) @ Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen!

Ich bin derzeit auch auf der Suche nach einem Mikroskop und einer Digitalkamera. Kannst Du mir vielleicht die Marke und den Händler verraten? Sind die Fotos durch das Okular gemacht worden oder hast Du einen Trinotubus? Mit welcher Kamera?

Viele Grüße
Jürgen

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Namen bitte!

Thomas Pruß, (vor 7454 Tagen) @ Hans-Jürgen

Moin Hans-Jürgen,
deine Fotos sind absolut Erste Klasse – schon mal daran gedacht, sie einem Magazin wie Geo oder bdw anzubieten? Die haben absolutes Profiformat.
Aber was ist das für ein chnesisches Billig-Import-Mikroskop, und was soll es kosten? Kannst du da mal ins Detail gehen? Ich möchte mir nämlich auch ein neues Mikro anschaffen, aber als „armer“ Redakteur hat man kein Geld für ein Zeiss oder Olympus.
Grüßlis
Thomas

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Aufklärung zum Mikroskop

Hans-Jürgen, (vor 7454 Tagen) @ Hans-Jürgen

Weil Hoennetaler und Thomas danach gefragt haben: Das verwendete Mikroskop wird von Ehlert & Partner (in oder nahe bei Bonn) unter der Bezeichnung BMS E1-223 E-PLAN vertrieben (siehe
http://www.ehlert-partner.de/Dulimik.htm
)
Es hat einen Trinotubus, E-Plan-Objektive 4/10/40/100 (was immer das über die Planlage des Bildfeldes aussagt, Tatsache ist, dass ich keinerlei Bildfeldwölbung erkennen kann - trotz Sehfeld20-Okularen), prinzipiell köhlerfähigen Kondensor, Kreuztisch mit Koaxialantrieb usf. (siehe die angegebene Website)

Wer nur beobachten, also nicht durch einen eigenen Tubus fotografieren will, bekommt das Mikroskop für 568,50 EUR. Mit Trinotubus kostet es 684,50. Dann kommen noch einmal 161,25 EUR für das 2,5x-Projektiv und den Fotoadapter (auf T2) plus X EUR für den Adapter T2-kameraeigenes Bajonett hinzu - sofern man mit einer SLR fotografiert. Sicherlich kann man auch beim Binotubus durch einen Okulartubus fotografieren, wie das ja viele Pilzerer machen.

In meinem Falle kommen so summa summarum rund 870 EUR zusammen. Kein Pappenstiel, daher nur mit Anführungszeichen "Billig"import aus China, aber doch DEUTLICH weniger als die 4500 EUR, die Zeiss oder Nikon für ein entsprechend ausgestattetes Mikroskop von mir haben wollten. Klar, dass das gute Stück auch deren Qualität (sowohl optisch als auch mechanisch) nicht erreichen dürfte. Aber ehrlich: Habe ich einen Geldscheißer?

Weil nicht klar war, ob und wie gut sich meine Nikon D200 an das Mikroskop adaptieren lassen würde, haben mir die Leute bei Ehlert das Mikroskop mit 14 Tagen Rückgaberecht zur Verfügung gestellt. Aus den 14 Tagen sind schließlich mehr als drei Wochen geworden, weil der zunächst gelieferte Fotoadapter den falschen Anschluss hatte. Ehlert & Partner hat aber zwischenzeitlich alle Probleme zu meiner Zufriedenheit gelöst. Man ist entgegenkommend, fair und kompetent.

Ich kann Lieferant und Mikroskop daher nur empfehlen.

Welche Leistung das Mikroskop bietet, könnt Ihr am besten anhand meiner Fotos beurteilen (wobei ich außer den guten, die ich herzeige, durchaus auch viele verschwommene, unscharfe Bilder produziere ...). Ich selbst habe nur drei Einschränkungen zu bemängeln, die ich angesichts des Preises für tolerabel halte:

- Der Kondensor ist nur begrenzt zentrierbar. Es gelingt also nicht hundertprozentig (und schon gar nicht einfach, man braucht Geduld und kleine Schraubenzieher), das Abbild der Leuchtfeldblende schnell mal im Okularbild zu zentrieren, wie es für properes Köhlern notwendig wäre. Aber immerhin: Eine Aperturblende und eine Leuchtfeldblende sind (wenn auch in einfachster Ausführung) vorhanden, der Kondensor ist einfach in der Höhe zu justieren.
- Die Stabilität könnte insgesamt einen Tick besser sein. Man muss sehr sorgfältig arbeiten, wenn man scharfe Fotos haben will. "Klapprig" ist das Mikroskop deshalb nicht zu nennen. Es bringt auch ein beachtliches Gewicht auf die Waage. Klaus Henkels (Mikrofibel) Anforderung, mit einem guten Mikroskop müsse sich eine Ladenscheibe einwerfen lassen, ist bestens erfüllt.
- die Bedienungsanleitung (3 Seiten!) ist ein Witz. Wer nicht weiß, wie ein Mikroskop eingestellt wird oder wie man köhlert, wird damit alleine nicht klarkommen. Aber sowas lernt man z.B. bei Mikroskopiekursen bei Walter Pätzold in Hornberg.

Und noch eines: Wer Maßangaben braucht, muss sich ein Messokular für 44 EUR dazukaufen; Einlegemikrometer funktionieren nicht. Alternative: Das Messprogramm von Jens Rürig. In beiden Fällen braucht man zumindest vorübergehend zum Eichen ein Objektmikrometer, das man ebenfalls bei Ehlert kaufen kann. Weil ich noch keines habe, sind meine Fotos unvermaßt.

So, ich hoffe, das hat Euch ein wenig weitergeholfen.

Herzliche Grüße
Hans-Jürgen

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Danke!

hoennetaler, (vor 7454 Tagen) @ Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen!

Danke für die ausführliche Antwort. Dieses Mikroskop steht bei mir auch in der engeren Auswahl. In der Bino-Version ist es wohl baugleich mit dem von W. Pätzold angebotenen HPM 400.

Ich hatte es schon mal vor einigen Wochen gepostet: NABU-Mitglieder bekommen bei Ehlert und Partner 10 % Rabatt! Ein mir vorliegendes Angebot für die Bino-Version beläuft sich somit inkl. Messokular auf rd. 550 €!

Viele Grüße
Jürgen

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Re: Aufklärung zum Mikroskop

Thomas Pruß, (vor 7454 Tagen) @ Hans-Jürgen

vielen Dank für deine Erklärungen. Das Mikro dürfte mir auch gefallen und der Preis ist durchaus tolerabel! Mal sehen, was meine „Finazministerin“ sagt.
Grüßlis
Thomas