Abschluss

Jochen Girwert, (vor 7441 Tagen) @ Wolfgang P.

Hallo,

vielen Dank für Deine ausführliche Hilfe. Felix hat tasächlich eine neue Kollektion vom bekannten Fundort mitgebracht. Wir haben es jetzt aufgegeben. Das liegt vor allem daran, dass die Angaben in der Literatur (z.B. MHK und PDS) auch gerade zu den Marginalzellen/Cheilozystiden auseinanderlaufen. Wir tendieren aber zu subfloccus, da die Anzahl der viersporigen Basidien überwiegt. Würde man sich aber nur ein Präparat vornehmen, könnte man auch mal zu der Schnellbestimmung auf bisporus kommen. Neue Erkenntnisse: Der Ring ist eindeutig nach unten abziehbar. Fleisch mit Anilin dunkles Weinrot. Reaktion im Schnitt karottiges Bräunen. Aus, Ende.

Alles Gute, Felix + Jochen.

Hallo Jochen,
nicht den Mut verlieren!
Agaricus ist nicht immer leicht, und immerhin habt Ihr den Pilz bis auf das
Artenpaar bisporus/subfloccosus identifiziert. Das finde ich schon
beachtlich, und daran würde ich auch nicht rütteln (sofern doch noch
jemand Cheilocystiden findet, denn ohne Cystiden wäre es cupreobrunneus
oder porphyreocephalus, aber die röten laut Lit. beide kaum).
Was nützt es Euch nun, wenn ein "Experte" sagt: ja es ist bisporus
oder xxx ? Bringt es nicht mehr, wenn Ihr sagt "wir kennen die
Agaricus-Merkmale und auch diesen Pilz, auch wenn wir dessen Namen nicht
kennen"? Das gibt es öfter als man denkt, auch (und gerade) unter
Experten.
Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass Ihr nicht die geeignete
Literatur zum Bestimmen hattet, und gar nicht an Euch selbst? Der Hinweis,
dass die Cheilocystiden kaum von den Basidiolen differenziert sind,
spricht wieder für bisporus, ebenso wie die zu anliegenden Schüppchen
aufspringende Huthaut (nach Nauta bleibt subfloccosus nämlich stets
radialfaserig, wie ich gerade lese).
Ich glaube, dass Ihr mehr Lern- und Erfolgserlebnis habt, wenn Ihr die
Cystiden selbst nochmal überprüft, und zwar an einem reifen Exemplar, das
schon optisch eine weiße (= sterile) Lamellenschneide hat (z.B. letztes
Bild, der vorderste Fruchtkörper) und Ihr dort auf die Abwesenheit von
reifen Basidien (wichtig!) und auf Strukturen achtet, wo Zellen entweder
deutlich über 25 my lang sind, oder wo "Basidiolen" 2-3
Quersepten haben, also die runde Endzelle aus einer (oder einer Kette von
2-3) rechteckigen Zelle(n) entspringt.
Nach Nauta (Flora Neerlandica 5 (2001)) hat bisporus gelegentlich
querseptierte/verkettete Cheilocystiden von nur 16.5 - 33 (-36) x 8.5 - 12
my, subfloccosus dagegen solche von 30 - 49 (-70) x 8.5 - 15 my, die nie
verkettet sind.
Wieviel das als Trennmerkmal für diese spezielle Artenpaar taugt, kann ich
nicht beurteilen, aber ich halte vom Artkonzept in der Flora Neerlandica
im Allgemeinen sehr viel.
Und sonst?
Werner Pohl hat sich viel mit Agaricus beschäftigt. Ansonsten müsstet Ihr es
direkt zu Marijke Nauta (Nationalherbarium der Niederlande, Uni Leiden)
schicken. Aber ich verspreche Euch, dass kein Experte besonders motiviert
ist, einen "kritischen" Fund zu untersuchen, der vermutlich
Agaricus bisporus darstellt, nur weil Ihr selbst die Cystiden nicht
findet.
Eine email an Nauta (Nauta [at] nhn.leidenuniv.nl) mit der Frage, ob bisporus
auch mal 4 Sterigmen haben kann und ob die Sporen dann kleiner sind, und
ob sie an einem Beleg dazu Interesse hat, könnte dagegen nicht schaden.
Ich hoffe, Euch damit geholfen zu haben!
Grüße,
Wolfgang

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