Volvariella-Bestimmung (7 Fotos) *PIC*

interhias ⌂, (vor 7408 Tagen)

Hallo,

diesen Scheidling habe ich vergangenen Freitag am Straßenrand in einer dicken Streuschicht (Nadeln und Laub) gefunden, natürlich wieder mal einzeln gewachsen und nicht gerade superfrisch.

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Jetzt suche ich einen Namen für dieses Schwammerl. Die Schlüssel in Horak und GroßpilzeBW weisen auf Volvariella taylori bzw. hypopithys. Der graubraune Hutscheitel passt aber nicht so besonders zu hypopithys.

Das Foto von V. caesiotincta in PdS passt 100%ig auf meinen Fund und auch die geschnäbelten bis gegabelten Cheilozystiden würde für diese Art sprechen. Nur ist meine Volvariella leider nicht auf Holz gewachsen, sondern eindeutig in der Streu.

Wer weiß Rat? Hat jemand vielleicht ausführlichere Literatur?

Hier noch die Beschreibung und Mikrofotos:
Hut: 5,8 cm breit, stumpf gebuckelt, längsfaserig, stark filzig bis faserschuppig, weiß bis cremeweiß, Scheitel graubraun, Huthaut am Rand durchsichtig über die Lamellen ragend; Stiel: 7,5 cm lang, 0,7 cm dick (an der Basis bis 1 cm), Basis keulig verdickt und aus häutiger, schmutzigweißer bis grauer Scheide entspringend, Stieloberfläche längsfaserig, stellenweise flaumig-behaart oder bereift, später verkahlend; Lamellen: frei, breit, dünn und gedrängt, Schneiden fein weiß bezähnelt; Fleisch: weißlich; Geruch: schwach nach Perlargonium; Geschmack: mild, säuerlich, fast zitronig; Basidien: 4-sporig,; Cheilozystiden: spindelig-bauchig, mehrheitlich mit teils amorphen, teils gegabelten Fortsätzen, 55-70 x 15-23; Pleurozystiden: spärlich, ohne Fortsatz; HDS: aus parallel liegenden Hyphen, Endzellen teilweise aufsteigend und sehr dick (15-35 µm!); Sporen: längselliptisch, 6,8 x 4,1 (6-7,5 x 4-4,5)), Q=1,7 (1,3-1,9);

Cheilos, geschnäbelt oder gegabelt
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HDS-Zellen, bis 35 µm dick
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Gruß aus München
Hias

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Re: Volvariella-Bestimmung (7 Fotos)

pilzmel ⌂, (vor 7408 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,
du kannst vielleicht Funde tätigen...
Ich habe mal eine alte PERSOONIA (1987) hervorgekramt und nachgeschlagen, was da zu caesiotincta steht.
Sporen 5,3-7,3(7,8) x 3,5-4,8 µm. Pleurozystiden recht selten, 40-70 x 10-35 µm. Cheilozystiden 35-85 x 15-30 µm, oft mit Papille oder fingerartigen Ausstülpungen. Zellen der Huthaut 60-160 x 10-30 µm, mit intrazellulärem graubraunem Pigment. Haare der Hutmitte bis 300 µm lang.
Bei hypopithis sind letztere nicht angegeben. Die HH-Zellen sollen kein Pigment haben.
Sehr betont wird das aufhölzige Vorkommen von caesiotincta. Vieleicht gehen auch kleine Ästchen als solches durch? Und der Geruch wird mit Geranium robertianum verglichen. Dieser Geruch ist mir sehr geläufig, aber ich könnte nicht beschreiben, wie Geranien riechen. Der Name suggeriert: genauso.
Beste Grüße! Andreas

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Re: Volvariella-Bestimmung (7 Fotos) *PIC*

Huperzia ⌂, (vor 7408 Tagen) @ interhias

ein Bild von V. pusilla var. taylori:
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Ein grosses Problem!

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7407 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

da kann ich Dir keine grosse Hilfe sein! Ich arbeite seit langem an dieser Gruppe der leicht bis stark braunhütigen Scheidlinge.
So leicht man auf die Gattung kommt, so schwer ist es schlussendlich, etwas darüber auszusagen. Praktisch kein Schlüssel ist da brauchbar.
Die Farben sind sehr variabel, alle sind irgendwie faserig, die Volva ist nicht konstant, alle haben oft diesen fruchtigen (Perlagonium) Geruch, die Lappigkeit derer sicher kein Schlüsselpunkt! Auch die Mikromerkmale sind leider keine Hilfe. Die Zystiden können bei allen Arten diese Fortsätze bilden. Und Fundort auf morschem Holz: wirklich ein Schlüsselpunkt?
Meist werden 4 Arten "gehandelt":
V. murinella:
vermutlich wohl die beste und häufigste Art: mittelgross, sehr hell und nur leicht grau gefasert, gerne an Wegrändern und krautigen Stellen.
V. taylori:
Eine alte Art, die mehr berücksichtigt werden sollte, etwas kräftigere Farben und gefärbte Volva. Die "Kreation" V. pusilla var. taylori ist nicht glaubwürdig, V. pusilla ist eine weisse und sehr kleine Art.
V. caesiotincta ist auch eine etwas gesuchte Interpretation von Orton. Praktisch nur der Standort auf Holz soll das der Unterschied (von taylori) ausmachen, etwas wenig, nicht?
V. volvacea: was ist das eigentlich? Wirklich diese tropische Art oder eventuell eine weitere europäische Art, hier werden hauptsächlich die recht grossen Sporen als Unterschied beschrieben.
Es scheint, dass diese Gattung einige sehr seltenen Arten besitzt, die man nur alle x Jahre zu Gesicht bekommt, und dann noch oft als Einzelexemplare! Sich hier ein Bild zu machen, wird wohl sehr schwer sein! Vielleicht kann die moderen Taxonomie mit Hilfe des Labors Klarheit schaffen.
Ich habe mit einigen bekannten Mykologen diskutiert: alle verwerfen die Hände über diese "unmögliche" Gattung und hätten gerne etwas "Handfestes"! Momentan gleicht das Bestimmen eher einer Lotterie, das krampfhafte Suchen nach einem brauchbaren Schlüsselpunkt ist oft eine Selbstäuschung!

Ich kann also auch nur raten und Dein Fund würde ich als V. murinella einstufen, aber dies einfach nur rein von Bild her.

Mit vielen Grüssen, Markus

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Re: Ein grosses Problem!

Alpenhans, (vor 7407 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Markus!

Danke für diese ausführliche und informative Übersicht!

Lg Hans

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Danke euch, ...

interhias ⌂, (vor 7407 Tagen) @ Markus Wilhelm

hmmm, da werde ich wohl auf einen Artnamen erstmal verzichten und diese Schwammerln weiter beobachten.

Wenn es irgendwann mal wieder regnet, findet man ja vielleicht auch ein paar frische Exemplare.

Grüße
Hias

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Re: Ein grosses Problem!

Andreas ⌂, (vor 7405 Tagen) @ Markus Wilhelm

Hallo Markus,

sicherlich hast Du mit dieser Gruppe deutlich mehr Erfahrung als ich. Trotzdem bin ich nicht sa gaz einverstanden mit Deiner Konzeption von taylori.
Wir hatten letztes (oder war's vorletztes) Jahr einige Funde von Volvariellas hier in Jena. Zum einen rein weiße, kleine bis sehr kleine Scheidlinge, die sich locker verstreut in Trittrasengesellschaften, am Straßenrand und in einem ruderalen Mesobrometum fanden und die eigentlich unzweifelhaft als Volvariella pusilla bestimmt wurden.
Zum anderen hatten wir einen sehr reichlichen Fund einer grauhütigen Volvariella, die im Xerothermhang an den Saaletalhängen wuchs, mindestens 50-100 Fruchtkörper, zwischen Graslilie, Braunroter Stendelwurz und Thymian aus dem flachstgründigen Muschelkalk hervorkommend. Huperzias Aquarell zeigt diesen Pilz. Er war insgesamt ein kleines bischen größer als die pusillas, hatte einen mindestens zur Hälfte grauen Hut und eine braune Volva. Mikroskopisch identisch mit pusilla. Für mich war das die var. taylori ud abgesehen von Volva- und Hutfarbe und einem an den Haaren herbeigezogenen leichten Größenunterschied konnte ich keine Unterschiede feststellen.
Das zeitgleiche Auftreten, die identischen Mikromerkmale und die Tatsache, dass die pusillas mit der Zeit (sonnenbedingt?) auch eine etwas getönte Hutmitte kriegten, veranlassen mich, diese Funde als lediglich Varietäten einer einzigen Art zu sehen. Ich hielt sie für taylori.
Ganz klar ist mir die Abgrenzung zu murinella jedoch auch nicht.

Was meinst denn Du (@markus) zu Hupis Aquarell?

beste Grüße,
Andreas

Meist werden 4 Arten "gehandelt": V. murinella: vermutlich wohl die
beste und häufigste Art: mittelgross, sehr hell und nur leicht grau
gefasert, gerne an Wegrändern und krautigen Stellen.
V. taylori: Eine alte Art, die mehr berücksichtigt werden sollte, etwas
kräftigere Farben und gefärbte Volva. Die "Kreation" V. pusilla
var. taylori ist nicht glaubwürdig, V. pusilla ist eine weisse und sehr
kleine Art.
V. caesiotincta ist auch eine etwas gesuchte Interpretation von Orton.
Praktisch nur der Standort auf Holz soll das der Unterschied (von taylori)
ausmachen, etwas wenig, nicht?
V. volvacea: was ist das eigentlich? Wirklich diese tropische Art oder
eventuell eine weitere europäische Art, hier werden hauptsächlich die
recht grossen Sporen als Unterschied beschrieben.
Es scheint, dass diese Gattung einige sehr seltenen Arten besitzt, die man
nur alle x Jahre zu Gesicht bekommt, und dann noch oft als
Einzelexemplare! Sich hier ein Bild zu machen, wird wohl sehr schwer sein!
Vielleicht kann die moderen Taxonomie mit Hilfe des Labors Klarheit
schaffen.
Ich habe mit einigen bekannten Mykologen diskutiert: alle verwerfen die Hände
über diese "unmögliche" Gattung und hätten gerne etwas
"Handfestes"! Momentan gleicht das Bestimmen eher einer
Lotterie, das krampfhafte Suchen nach einem brauchbaren Schlüsselpunkt ist
oft eine Selbstäuschung!
Ich kann also auch nur raten und Dein Fund würde ich als V. murinella
einstufen, aber dies einfach nur rein von Bild her.
Mit vielen Grüssen, Markus