Re: Parasol+Stockschämmchen-Bilder/Grundlegende Fr
Hallo und willkommen,
Meine Kernfrage: Wann ist man so sicher bei einem Pilz, dass man ihn essen
darf? Wie erlangt man diese Sicherheit?
Am besten z.B. durch Pilzkurse bei Walter Pätzold (www.pilzzentrum.de), Andreas Gminder (http://www.pilzkurse.de/) oder einer anderen von der DGfM anerkannten Institution. Oder durch vielfaches Gehen mit einem Pilzverein oder guten Pilzsachverständigen.
In allen Büchern und auch hier im Forum wird das gesagt, was mir mein
Verstand natürlich auch sagt: Man isst keine Pilze, die man nach Bildern
bestimmt hat, die man gerade erst kennenlernt.
Genau so ist es. Dein Leben ist es nicht wert, durch etwas Mykophagentum (Pilzfresserei
auf's Spiel gesetzt zu werden.
Konkret geht es mir um Parasol und Stockschwämmchen, die ich beide jetzt seit
2 Wochen (ich weiß, nicht lange ;) aus Büchern und aus diesem Forum kenne
- aber auch aus der Natur. Speziell zu dem Stockschwämmchenproblem gibt's
ja hier eine Menge zu lesen.
Der Parasol ist unkritischer als das Stockschwämmchen. Wenn Du nur welche sammelst, die im Wald vorkommen (nicht in Gärten, Wiesen etc.) und die einen genatterten Stiel haben, kann nicht viel passieren. Die ohne genatterten Stiel (meist der Safranschirmling, aber auch evtl. giftige Arten) schmecken eh wesentlich weniger gut. Es gibt zwar auch beim Parasol Unterarten, aber die sind ebenfalls unbedenklich.
Nachdem ich aus dem "1 x 1" des Pilze-Sammelns von Pätzold vor gut
einer Woche die Erkenntnis gewonnen zu haben glaubte, dass es nur für
Stockschwämmchen typisch ist, diesen helleren Fleck in der Mitte zu haben
(in Abgrenung zu den Gifthäublingen), hab ich dann hier im Forum gelernt,
dass letztlich nur der Stil wirklich Sicherheit geben kann.
Da hast Du sicher was falsch verstanden. Der "hellere Fleck" zeigt eigentlich die Hygrophanität (Unterschied trocken - nass) an, die aber beim Gifthäubling auch vorkommt. Stockschwämmchen sollte man wirklich nur mit dem nötigen Wissen sammeln. So toll schmeckt KEIN Pilz, daß man deswegen die Gesundheit auf's Spiel setzt.
So, das habe ich verstanden und meine im Nachhinein anhand des Fotos, dass
meine Freundin und ich vor gut einer Woche gemacht haben, das
Stockschwämmchen eindeutig zu identifizieren:
Das sind wohl welche. Erwarte aber bitte keine Eßfreigabe nach Bildern hier. Das dürfen wir gar nicht, auch wenn es hier manchmal so praktiziert wird.
Nun hat mir das aber noch niemand in der Natur gezeigt. Kann ich trotzdem
meinem Sicherheitsgefühl vertrauen? In 2 Wochen werd ich eine
Pilzexkursion mit einem Pilzsachverständigen machen - wenn der mir das
dann live erklärt, wo ist der wirkliche Unterschied zu meinem
"Lehrgang" hier im Forum? Wenn ich danach dann wieder allein im
Wald bin, kann ich doch nicht jedes Mal mit meiner "Beute" zu
dem Berater hinfahren?
Tja, Du mußt Dir sicher sein, daß Du die Pilze auseinanderhalten kannst. Und dazu ist es notwendig, daß Du zumindestens mal die Galerina marginata bzw. ihre Abarten "live" und "Stockschwämmchen-ähnlich" gesehen hast, möglichst noch gleichzeitig zum Stockschwämmchen (was aber immer etwas schwierig zu bewerkstelligen bzw. Zufall ist. Erst wenn Du Dir 100% sicher bist, solltest Du sowas "Gefährliches" wie das Stockschwämmchen essen.
Das Gleiche mit dem Parasol. Vor drei Wochen kannte ich ihn noch gar nicht.
Noch vor einer guten Woche habe ich relativ (aber nur relativ, und dieser
Nuance war ich mir durchaus bewusst!) sicher einen Pilz als Parasol
bestimmt, der - nach meinem jetzigen Wissensstand - keiner war:
Tja, wobei hier die Gefahr deutlich geringer ist, siehe oben. Trotzdem: man sollte seine Pilze schon kennen. Verwechslungen mit der Gattung Lepiota könnten beispielsweise sehr übel ausgehen. Man sollte also schon die grundlegenden Unterschiede kennen und erst mal nur mit "genattertem Stiel" sammeln.
Ich war mir so sicher, dass ich ihn fast gegessen hätte, aber bin dann doch
der Regel gefolgt, dass man nichts isst, was man nur aus Büchern kennt.
Aber wann kenne ich ihn gut genug, wenn nicht jetzt?
Du selbst bist in der Verantwortung. Die kann Dir keiner abnehmen. Aber ist denn das Essen so wichtig, daß man damit nicht noch ein bisserl warten kann? 1-2 Kurse und dann ist das auch viel angenehmer, weil man nicht schon psychische Probleme nach dem Essen hat, weil man ja doch vabanque gespielt hat. Ich habe z.B. mit dem Stockschwämmchen einige Kurse bei Walter abgewartet, bis ich es erstmals in die Pfanne geschmissen habe. Und heute lasse ich es meist wieder stehen, weil mich "Freßpilze" gar nicht mehr so interessieren.
Übrigens hat mir ein Sammler noch bestätigt, dass es ein essbarer Parasol
sei: weil er ein Loch im Stil habe, wenn man ihn unten durchschneidet. Nun
ja, auf Tipps von Leuten, die ich nicht kenne, vertraue ich natürlich
nicht in dem Maß, dass ich etwas deswegen essen würde. Es war nur noch ein
Hinweis, den ich übrigens sonst noch nirgendwo gefunden habe.
Das ist Blödsinn mit dem Loch im Stiel. Das haben m.W. alle Macrolepiota-Arten und das ist kein gutes Unterscheidungsmerkmal. M. venenata hat das sicher auch. Klar, man kann auf das Loch zusätzlich achten - aber zur alleinigen Bestimmung reicht das überhaupt nicht.
Wenn aber Pätzold in seinem "1 x 1" diesen oben zitierten Hinweis
gibt, dann muss er doch damit meinen, dass auch unsichere Sammler Pilze
essen dürfen, wenn sie solche eindeutigen Merkmale befolgen (die sie auch
verstanden haben). Und nicht jedes Mal zum Pilzberater müssen. Oder nicht?
Mach halt mal einen Kurs bei ihm. Dann lernst Du auch, was "eindeutige" und was "sekundäre" Merkmale sind.
Gruß,
Werner