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Re: Bericht (7. Klassen ohne Handschuhe)

Heinz Ebert ⌂, (vor 6611 Tagen) 968 Beiträge @ Huperzia

Bericht:
Es war die 7. Klasse einer Förderschule (10 SchülerInnen, 2 Lehrkräfte), und sie waren ganz gut vorbereitet. Eine Lehrerin hatte am Tag zuvor sogar Pilze gesammelt und mitgebracht, und die konnte ich gut gebrauchen, als ich zunächst mal die verschiedenen Fruchtschichten erklärte.
Zwischen den Kindern entwickelte sich bei der Exkursion ein kleiner Disput, als ein Mädchen einen Jungen zurechtwies, als dieser durch das Zertreten von reifen Stäublingen Sporenwolken erzeugte. Ich erklärte ihnen, dass man in diesem Fall etwas zertreten darf. Es wurden eine ganze Menge Pilze gesammelt, von denen ich die wichtigsten bis zum Mittagessen noch erklärte. Dann gab's Spagetti mit Tomatensoße und Salat. Anschließend noch Beantwortung von Fragen im Klassenzimmer.
Beste Grüße,
Heinz

Hallo,
Heute, gestern und vorgestern hatten wir nun die 7. Klassen im Wald und
eigentlich war alles halb so schlimm.
Wir hatten zuvor noch die "Vorschrift" entdeckt, eine Broschüre
über Sicherheitsmaßnahmen im Unterricht und im Kapitel "Über den
Umgang mit Pflanzen und Pilzen" waren die Handschuhe im Zusammenhang
mit Kontaktallergien erwähnt... und daß man bei einer Pflanzenexkursion
den Bärenklau besser mit Handschuhen anfaßt, ist ja auch nachvollziehbar.
Nun gut, die Handschuhe waren nun im Konzept der Referendarin drin und da man
mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen eher besser dasteht, als eventuell
mit zu wenigen, naja, das kennen wir ja von den Pilzberaterprüfungen. Sei
ihr zu wünschen, daß niemand mit mykologischem Verstand ihre Arbeit
bewerten muß ;-).... aber so groß wie andersrum ist das Risiko vermutlich
nicht.
Die Lehrerin, die uns an den ersten beiden Tagen begleitet hatte, hatte über
Handschuhe ähnliche Ansichten wie wir und man merkte, daß sie außerhalb
der schulischen Exkursionen schon öfters im Wald war. Die Klasse hingegen
war ein S**haufen und cool, wer sich eben nicht gerade zu interessiert
zeigte. Da die Schüler wohl schon vorinformiert waren, baten sie selbst um
die Handschuhe. Die Lehrerin stellte es ihnen die Benutzung frei und fast
alle wollten welche haben. Nach der 20minütigen Suchphase (wir mußten
ziemlich weit laufen), sah man dann, daß Latexhandschuhe doch etwas doller
beißen können als Pilze. *schadenfrohkicher*
Nach diesem Tag mehr als geschafft, schleppten wir uns weniger motiviert zur
zweiten Exkursion. Uns erwartete eine waldinteressierte und auch recht
kompetente Klasse. Hier war die Struktur so, daß man eben keine
Ansehensnachteile erwarten mußte, wenn man sich interessiert zeigte. Diese
Exkursion machte schnell richtig Spaß. Die Handschuhe wurden deutlich
weniger angenommen. Man brachte sogar Lepiota fulvella, Hymenoscyphus
fructigenus, Trechispora vaga und all so nettes kleines Zeugs...
So, die dritte Klasse lag irgendwo zwischen den anderen beiden; die
Lehrerschaft war aber waldferner. Da sowieso alles einen klaren
Konzeptrahmen haben mußte (wegen der Referendariatsarbeit), hat auch jeder
seinen Handschuh tragen müssen. Man wurde ausgeschickt, Röhren- und
Lamellenpilze zu suchen. Daß wir aber nur den Krempling als
"Röhrenpilz" fanden, war dann angeblich "zu
verwirrend" für die Schüler. Also fanden wir nur Lamellenpilze. Naja
und Porlinge und so natürlich...
Die Waldfremdheit der Jugend wird von den waldfremderen Lehrern übrigens mehr
beklagt als von der, die deutlich "waldnäher" ist. Vielleicht
spiegelt sich hier was?
Hjördis ist übrigens alle drei Tage meist (es war kalt) unbehandschuht durch
den wald gekrabbelt und hat es den Pilzen gleichgetan und Streuzersetzer
gespielt.
Viele Grüße,
Tanja (und Andreas)

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