Re: Farbvariante Morchella esculenta
Hallo, Andreas,
vielen Dank für den Link der DGfM-Diskussion. Gibt es diese Arbeit jetzt eigentlich im Druck?
Was wir bräuchten, wäre eine Kooperation zwischen den Molekularbiologen und Morchel-Kennern aus möglichst vielen Teilen des Landes bzw. sogar der Welt. Christoph legt in seinem Kommentar den Finger auf die Wunde: Wenn in einer solchen molekularbiolog. Diskussion die herkömmlichen Bestimmungsmerkmale und vielleicht auch die Ökologie fehlen, dann können wir morphologisch orientierten Morchelfreunde auch gleich mit einem Japaner in seiner Muttersprache über das Thema diskutieren ... Ich muss z.B. wissen, wie die crassipes der Autoren, die darin ja - ähnlich wie ich - eine eigenständige Art sehen, ausgesehen hat,wo sie gewachsen ist, wie ihre Sporen und Paraphysen aussehen, etc - sonst sprechen wir einfach nicht die gleiche Sprache. Und die Autoren müssten "meine" crassipes molekularbiolog. untersuchen. Schließlich müssten die Autoren und ich (oder jeder andere, der "crassipes"-Funde im Herbar hat), unsere crassipes-Interpretationen mit der Originalbeschreibung und/oder dem Typus vergleichen (was die Autoren sicher getan haben, ich kenne den Artikel ja gar nicht), und wenn dann immer noch Einigkeit herrscht, wissen auch wir Feld-Wald-und-Wiesen-Mykologen vielleicht endlich, was crassipes eigentlich ist...
Aber zieh das mal mit all den beschriebenen Morchelarten und -varietäten durch. Wahrscheinlich muss da mal ein Mensch ran, der sein halbes Leben den Morcheln widmet ... so wie Romagnesi es mit den Täublingen getan hat - und bei denen waren immerhin ca. 40 Prozent ungenießbar, sodass wenigstens der Konkurrenzkampf mit den Mykophagen entfiel ...
Schöne Grüße
Till
Hallo Till,
diesbezüglich wäre ich an weiterführenden Informationen sehr interessiert.
Mir ist noch eine Diskussion im DGfM-Forum in Erinnerung geblieben, in der
von mehreren Clades innerhalb der Speisemorchel im weiteren Sinne
ausgegangen wird:
http://forum.dgfm-ev.de/01/index.php?page=Thread&threadID=47
Ob M. vulgaris im Sinne von E. Boudier eine gute Art oder nur eine Varietät
oder vielleicht sogar eine andere Art vermag ich nicht zu beurteilen.
Das Thema bleibt auf jeden Fall spannend. Wäre schön, wenn ein paar
Morchelfreunde neben dem Kochtopf auch das Mikroskop bemühen würden. Hat
z.B. schon jemand die Innenseite des Oberteils mikroskopiert? Mit einer
10x-Lupe konnte ich bei meiner Aufsammlung z.B. winzige, farblose,
zugespitzte Härchen erkennen. Hat das schon jemand beobachtet und falls
ja: Ist das Merkmal bei allen Speisemorcheln zu finden?
Gruß, Andreas