Pilze Pilze Forum
Erweitert

Bitte Frieden!

Violet, (vor 6312 Tagen) 1.468 Beiträge @ Pilzmann

Hallo Kathi und alle anderen,
“Der Juergen“ hat die beiden besten Lebensversicherungen schon genannt:
Gummistiefel und intensives Absuchen nach dem Waldgang!
Der Bedeutung des Themas angemessen erlaube ich mir hier mal einen längeren
Artikel: Trotz Gang zum Arzt (das von meinem Hausarzt beauftragte Labor
hatte etwa 14 Tage nach dem Befall Antikörper festgestellt, die mein Arzt
aber auf frühere Infektionen zurückführte und deshalb keinen akuten
Behandlungsbedarf diagnostizierte) hatte ich vor sieben Jahren, drei
Monate nach dem von mir erkannten Befall, eine äußerst heftige
Borreliose-Infektion erlitten (wahnsinnige Gelenkschmerzen zwischen den
Jahren, wo natürlich kein bekannter Allgemein-Mediziner zu erreichen war,
die so stark waren, dass ich mich unter über die Bettkannte wälzen musste,
um auf allen Vieren auf’s Klo kriechen zu können). Das nach mehreren Tagen
verschriebenen Schmerzmittel war so stark, dass es fast meine Leber
gemeuchelt hätte. Nach zwei Dragees habe ich es abgesetzt und lieber
weiter gelitten. Danach machte ich eine Antibiotikum-Kur, die
offensichtlich nicht half. Denn in der Folge merkte ich, dass sich die
Borrelien offenbar im obersten Halswirbel festgesetzt hatten, von wo sie
anscheinend in das Hirn ausstrahlten, so das ich mir in unregelmäßigen
Abständen jeweils zwei Wochen lang wie blöd vorkam.
Um evtl. hämischen Kommentaren die Spitze zu nehmen: Dies empfand ich nicht
als normal!
Nach ein paar Jahren kam es, infolge einer Fehldiagnose meines Arztes zu
einer neuerlichen Kur mit einem Antibiotikum. Seitdem wähne ich mich als
beschwerdefrei.
Seitdem habe ich mich für das Thema Zecken (und u. a. Borreliose) besonders
interessiert.
Die Erkrankung ist für Ärzte aufgrund der indifferenten Symptome oft wirklich
schwer zu diagnostizieren. Zum Teil spielt aber auch die Unkenntnis dieser
Fachleute eine verhängnisvolle Rolle. Haben sich die Borrelien erst mal im
Bindegewebe festgesetzt, sind sie so einfach auch kaum noch mit ungezielt
eingesetzten Antibiotika auszurotten. Wirklich gute Behandlungsmethoden
sind noch nicht allgemein bekannt. Karin Montag berichtet auf ihrer
Website www.tintling.com von einer Naturheilmethode, die ihr geholfen
hat (Da müsst ihr ein wenig suchen).
Es gibt viele offizielle Tipps, die mir zum Teil nur bedingt geeignet
erscheinen, wie zum Beispiel der, geschlossene Kleidung zu tragen. Wenn
die dann auch noch möglichst hell ist, ist das durchaus ein guter Rat.
Nur, wer geht im schmutzempfindlichen weißen Outfit bei über 20° C, bis an
den Hals zugeknöpft, auf eine dann schweißreiche Berg-und-Tal-Tour durch
unsere Wälder?
Übersieht man eines der Tierchen, wenn man seine gewohnte Bluejeans getragen
hat, kommen die nächtens am nächsten oder übernächsten Tag als Beischläfer
ins Bett; zumindest wenn man die Kleidung im Schlafzimmer abgelegt hat
oder im Einzimmer-Apartment wohnt, oder zu sonstigen Stellen, an denen man
sich lange aufhält (Schreibtisch, Fernsehsessel – je nach Gewohnheit).
Von mir empfohlene, für mich bislang äußerst erfolgreiche Prophylaxe: 1.
Gummistiefel bei der Pilzpirsch (an denen können / wollen sich Zecken
nicht festklammern);
2. Vermeiden von Bewuchs, der höher reicht, als die Stiefel;
3. Nicht auf den Knien / allen Vieren durchs Gelände kriechen;
4. Nach dem Stöckchendrehen / Ausheben von Pilzen unmittelbar die Hände auf
Zecken mustern;
6. Pilzkörbe möglichst außerhalb des engeren Wohnbereichs abstellen;
7. Inwieweit das sofortige Waschen der Wanderkleidung in der Waschmaschine
hilft, vermag ich nicht zu sagen. Tödlich für Zecken ist jedoch trockene,
warme bis heiße Luft. Eine Runde im Wäschetrockner dürfte die lieben
Tierchen deshalb mit ziemlicher Sicherheit in die ewigen Jagdgründe
befördern.
8. Nach dem Aufenthalt in zeckenverdächtigem Gelände (z. B. auch Gärten) den
nackten Körper absuchen. Paarweise betrieben kann das den Pilzgenuss ohne
Weiteres sogar noch toppen. Hier insbesondere die gesamten Beine, insbes.
die Kniekehlen, den sog. Schambereich, die Brust / unter den Brüsten sowie
die Achselhöhlen absuchen.
Wichtig ist: In den ersten ca. vier bis fünf Stunden, nachdem sich die Zecke
in die Haut eingegraben hat, besteht nach der einschlägigen Literatur noch
kein Grund zur Panik, da die Viecher erst dann vermehrt Borrelien in den
Wirt (uns) zurückspucken. Mit der Anfangsrate wird unser (gesunder) Körper
in der Regel fertig!
Eine komplett (!) mit Kopf entfernte Zecke schadet dann nicht.
Technische Hinweise: Ich habe einige Hilfsmittel zur Zeckenentfernung
ausprobiert. Sogenannte Zecken-Pinzetten aus Plastik haben sich dabei als
ungeeignet für kleinere Zecken erwiesen! Ebenso Zeckenkarten und andere
vermeintlich geniale Hilfsmittel! Die Schwierigkeit beim Ergreifen und
Herausziehen des Untiers ist eine weiche, insbesondere ältere Hautstelle.
Am besten ist und bleibt eine gute, abgeknickte Spitz-Pinzette, an der man
nicht sparen sollte (Medizinal-Handel jenseits der meisten Apotheken).
Bleibt ein Teil des Kopfes in der Bissstelle zurück, diesen sofort „heraus
operieren“, fast egal wie. Nach Entfernen der Zecke und ggf. ihrer Teile:
Desinfektion der Stelle mit Alkohol (Bitte keinen Likör oder Rotwein
verwenden – die haben zu wenig Prozente J !)
Auch wenn meine Hinweise etwas lang waren,
ich hoffe sie helfen dem einen oder der anderen!
Mit liebem Gruß, Peter!

Lieber Peter,
bitte bitte: falls das "hämisch" auf mich gemünzt war: Das war und bin ich keineswegs! Jeder soll sich schützen, wie er oder sie es für richtig hält - und ich bin auch der Meinung, dass man sich nach einem Spaziergang nach Zecken absuchen sollte (das sagte ich ja). Mir gings allein um die "Panik" dabei und darum, dass der Bezug zur Natur nicht verloren geht. Also bitte Frieden!
Liebe Grüße an alle
Ditte

Eintrag gesperrt
63 Aufrufe

gesamter Thread: