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Re: Priorität und Nomenklaturregeln

BO, (vor 5760 Tagen) 38 Beiträge @ Andreas

Lieber Andreas (und liebe mitdenkende Pilzfreunde),
danke für deinen weiteren Beitrag.
Inzwischen haben Eric Strittmatter und Martin Bemmann über die private Mail-Schiene Beiträge geliefert, und wir sind nun mit deren Hilfe einen erheblichen Schritt weitergekommen.
Es gibt also definitiv von Anders Retzius den Namen Lycoperdon sessile aus dem Jahr 1769, mit dem dieser Mann eigentlich den Blutmilchpilz, Lycogala epidendrum meinte. Und allein aus diesem Grund ist der Name Lycoperdon sessile Sowerby (1809) unter den heutigen Nomenklaturregeln ein späteres Homonym und damit ein illegitimer Name. Somit kann "sessile" nicht herangenommen werden, um unseren gewimperten Erdstern zu bezeichnen.

Und wir können eventuell eine Auslassung und einen Fehler im Index Fungorum dingfest machen: Dort übernahm man eine Angabe aus Saccardo's Sylloge Fungorum, in der eine eventuell gar nicht existierende Namenskombination "Lycogala sessile Retzius" als Synonym des Blutmilchpilzes genannt wurde.

Kann jemand von euch die Literaturstelle von Retzius beibringen (Kongl. Vetensk. Acad. Handl. p. 254), aus dem eindeutig hervorgeht, welchen Namen er darin verwendet hat? Lycogala sessile scheint also wohl eine Neukombination zu sein, die Saccardo getätigt hat, und die in den Datenbanken eigentlich "Lycogala sessile (Retz.) Sacc." genannt werden müsste. Und "Lycoperdon sessile Retz." müsste überhaupt erstmal in die Datenbanken nachgetragen werden.

Uff, das hat Ditte und mich heute ganz schön beschäftigt. Nomenklaturfragen scheinen im Einzelfall ein ganz schön harter Job zu sein.
Allen noch weiter ein schönes Wochenende!
Bernd

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