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Re: Artbegriff

Wolfgang F., (vor 9111 Tagen) 552 Beiträge @ Andreas Gminder

Bei Pilzen geht man davon aus, dass bei getrennten Arten sich die
Einspor-Myzelien nicht kreuzen lassen. Wenn doch, dann gleiche Art.
Gruß,
Andreas

Hi Andreas,

das ist doch graue Theorie. In der Praxis gibt es nur eine Handvoll Arten, bei denen dieser Artbeweis angetreten wurde (z.B. die Gattung Hallimasch). In der Praxis wird alles, was sich in 2 morphologischen oder makrochemischen Merkmalen ohne Übergangsformen von der "Nachbar"-Art unterscheidet, als eigenständige Art beschrieben.

Umgekehrt wurden von Dir meiner Meinung nach eindeutig "gute Arten" wie Arrhenia retiruga und Arrhenia spathulata zu Varietäten herabgestuft, nur weil sie zufällig gleich große Sporen haben.

Der Artbegriff der Mykologen ist also in der Regel völlig willkürlich und nicht biologisch begründet. Der Gattungsbegriff ist es ohnehin immer, egal ob Botaniker, Zoologen oder Mykologen.

Hoffnung kommt allenfalls von den Gentests: die Biologen, die die ITS-Regionen untersuchen (DNA-Bereiche, die keine Funktion haben), betreiben zumindest mathematisch saubere Ähnlichkeitsvergleiche der Chromosomen. Und das, was sie vergleichen, ist bei Tieren, bei denen der Artbegriff besser zu fassen ist, innerhalb einer Art sehr konstant. Inwieweit sich daraus auch bei Pilzen ein mit akzeptablem Aufwand zu fassendes Artkriterium entwickelt, bleibt abzuwarten.

Wolfgang

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