Re: Artstatus von Amanita regalis
Nach der Studie soll der Fliegenpilz in Alaska "entstanden" sein und sich dort in verschiedene Arten aufgesplittet haben, welche dann nach Eurasien und Nordamerika expandierten.
Wenn ich Fig. 4 anschaue, scheint es, dass es auch in Europa 2 kryptische Fliegenpilzarten zu geben scheint :-O
Habe gerade noch auf Wikipedia gelesen, dass "The study (Geml, 2006) also looked at four named varieties of this species: var. alba, var. flavivolvata, var. formosa (including var. guessowii), and var. regalis from both areas. All four varieties were found within both the Eurasian and North American clades, evidence that these morphological forms are simply polymorphisms found throughout the species rather than distinct subspecies or varieties".
Hmm....
Beste Grüsse Svampskogen
Scheint ja um den Artstatus von A. regalis nicht so fürchterlich schlecht
bestellt zu sein
Den Artikel habe ich leider nie gelesen, aber lediglich anhand Deines Zitats
würde ich mit meinem beschränkten Verständnis die Geschichte
folgendermaßen auffassen: 1. Die molekularen Daten (DNS-Marker) deuten
darauf hin, dass der Fliegenpilz in mehrere Arten („Phylo-Arten“, also
molekular definierte/ermittelte Arten) zerfällt.
2. Die erkannten Phylo-Arten decken sich nicht mit unseren traditionellen
(morphologisch definierten) Sippen („Morpho-Arten/Morpho-Taxa“).
Also
a) entweder die Phylo-Arten haben eine solche morphologische
Merkmalsvariabilität, dass wir morphologisch verschiedene Sippen zu
erkennen meinen, sprich: unsere morphologischen Kriterien sind Mist und
müssen verfeinert werden, und die Fliegenpilze haben uns bislang komplett
verarscht
oder
b) die molekulare Abgrenzung funktioniert so nicht, sondern zeigt uns nur die
molekulare Variabilität innerhalb der Morpho-Taxa (unterschiedliche Allele
usw.), d.h. die molekularen Daten verarschen uns bislang und müssen
verfeinert werden (mehr loci, mehr Sampling)
oder
c) eine Mischung aus beiden Verarschungen.
Da ich mich in der Materie nicht auskenne, kann ich absolut nicht sagen, was
wohl am wahrscheinlichsten ist – vermutlich aber c)!
Was wäre nun für den Königsfliegenpilz zu klären: Welchen taxonomischen Rang
haben die Phylo-Arten wirklich, d.h. haben wir tatsächlich vier
unterschiedliche (bislang kryptische) Arten oder sind es weniger (oder gar
noch mehr), etwa nur eine, die morphologisch und molekular extrem variabel
ist. Dann ade Königsfliegenpilz!
Wenn sich bestätigt, dass es mehrere Arten gibt, wo fallen die
nomenklatorischen Typen hin – das wären dann wohl Epi- und Neotypen. Dann
gäbe es eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass Amanita regalis nicht
dasselbe ist wie A. muscaria, die Art wäre „gerettet“, man kann sie eben
nur nicht mehr einfach als braunen Fliegenpilz sehen, sondern dann gäbe es
vermutlich auch rote Königsfliegenpilze oder solche mit weißen
Velumresten.
Soweit meine bescheidene Meinung dazu,
viele Grüße, Jesko
