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Re: Wat isse ’ne Zecke…? (BORELLIOSE-INFO, WICHTIG

Heinz.Ebert@dgfm-ev.de, (vor 8994 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Thomas,
abgesehen davon, dass ich beim Lesen deines ausführlichen Beitrags (danke) ganz unwillkürlich anfing, mich zu kratzen, weils mich plötzlich bei diesem Thema überall juckte, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es verschiedene Produkte von Autan gibt. Nur eines von 6-8 ist richtig wirksam. Ich benutze ein schwedisches Produkt: Djungel-olja (=Dschungel-Öl). Es gibt nichts besseres, ist aber in Deutschland nicht auf dem Markt, es kann aber über den Apotheken- Versand bezogen werden.
Im Berreliose-Magazin wird zum Entfernen von Zecken eine Splitter-Pinzette empfohlen.
Freundliche Grüße, Heinz Ebert

Moin allerseits,
ich schreibe hier mal auf, was ich letzhin auf einer „Zecken-Fachtagung“ von
Bayer mit bekommen habe. Auf dieser Veranstaltung ging es hauptsächlich um
Borelliose.
Alle Jahre wieder wird im Zusammenhang mit Zeckenbissen vor der
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gewarnt. Was aber niemand weiß: Viel
gefährlicher als die FSME ist die Borelliose, ganz korrekt: die
Lyme-Borelliose (ich kürz’ das mal ab mit „LB“.)
250 Neuerkrankungen mit FSME im Jahr stehen 50.000 bis 60.000 Neu-Infektionen
mit LB gegenüber! Die Erreger sind Spirochäten, schraubig gedrehte und
ziemlich flinke Bakterien. Man nimmt an, dass bundesweit ca. 500.000
Patienten an LB leiden, die weitaus meisten, ohne es zu wissen! Während
FSME nur in einigen Regionen Deutschlands vorkommt, ist die LB die
häufigste durch Zecken übertragene Krankheit auf der gesamten
Nordhalbkugel. Es gibt keine regionalen Häufungen, denn jede 3. Zecke
trägt den Erreger in sich.
LB ist eigentlich eine Krankheit von kleinen Nagetieren. Endwirte sind
Ratten, alle Mäuse, Sieben- und Gartenschläfer. Gerade die Sieben- und
Gartenschläfer sind demnach auch in vielen Gebieten Deutschlands die
Haupt-Resevoire der LB. So sind sie in einigen Gebieten Brandenburgs und
in Berlin eine wahre Plage. Der Mensch ist ein sog „Irrwirt“, woraus sich
auch die Vielfältigkeit der Sympome erklären mag.
LB ist eine Krankheit, deren Sympotme so vielfältig sind, dass kaum ein Arzt
sie erkennen kann. Viele Menschen erkranken an LB, fühlen sich einige Zeit
krank als ob sie eine Erkältung hätten und genesen dann wieder, auch ohne
den Einsatz von Medikamenten. Bei anderen Menschen überspringt aber die LB
dieses erste Stadium und tritt in das zweite und dritte Stadium ein. Das
bedeutet, dass die Gelenke, das Nervensystem (bis hin zu Lähmungen) und
sogar das Herz in Mitleidenschaft gezogen werden.
Das Problem ist, dass die meisten Betroffenen den Zeckenstich gar nicht
merken, dem Arzt also auch keinen Hinweis geben können und deshalb die
notwendigen Blutuntersuchungen nicht gemacht werden. Der Nachweis der
Spirochäeten im Blut ist schwierig, aber über einen Antikörper-Nachweis
möglich. Eine Kultur der Spirochäten ist ebenfalls sehr aufwändig.
Die LB macht sich anfangs nur durch eine ringförmige Rötung rund um die
Einstichstelle bemerkbar. Diese „Erythrema migrans“ oder „Wanderröte“ kann
aber sehr verschieden stark ausfallen, und wenn die Zecke an einer Stelle
gesaugt hat, die man nicht unbedingt jeden Tag sieht (z. B. am Heck oder
in den Kniekehlen) kann sie schon mal unbemerkt bleiben.
Da die Krankheit, wie gesagt, sehr vielschichtig ist, laufen die Patienten
buchstäblich „von Pontius nach Pilatus“, ohne Hilfe zu finden. Daraus
folgert natürlich eine ziemliche physische und auch eine nicht zu
verachtende psychische Belastung. Während der Info-Veranstaltung beschrieb
eine Borelliose-Erkrankte, die Journalistin Ute Fischer, ihren Leidensweg.
Sie hat LB im dritten Stadium erlebt, und der Höhepunkt ihrer Wanderungen
von Arzt zu Arzt war die Überweisung an einen Psychologen, der ihre
„eingebildeten Krankheiten“ behandeln sollte. Mittlerweile ist Frau
Fischer zwar von der LB genesen, doch die chronischen Spätwirkungen wie
Gelenkschmerzen und – für eine Journalistin ganz schlimm – eingeschränkte
sprachliche Ausdrucksfähigkeit als Folge des Angriffes der LB auf das
Nervensystenm, machen ihr sehr zu schaffen. Das fand Ausdruck in der
Tatsache, dass sich Frau Fischer während des Referates an ein Skript
halten musste, was sie selbst bestätigte.
Gibt es eine Impfung gegen LB? Jein! In den USA gibt es einen Impfstoff, doch
der wirkt nur dort, denn dort gibt es nur EINEN LB-Erreger, die „Borellia
burgdorferi“. In Europa und Asien dagegen gibt es DREI, bzw. ZWEI
verschiedene Erreger, und gegen die gibt es keine Impfstoffe.
Vermeidungsstrategie: Der Rat, um sich gegen LB zu schützen scheint trivial:
„Kein Stich, keine Krankheit“. Aber was sich so einfach anhört, ist in
Wirklichkeit nicht immer durchzuhalten. Wer stiefelt schon im Hochsommer
gerne dick vermummt durch den Wald auf der Suche nach Pilzen? Ist also
eine komplette Abdeckung des Körpers nicht möglich (bitte die Hosenbeine
in die Socken stecken, Pullis mit Bündchen an den Ärmeln, damit die Zecken
nicht unter den Stoff kriechen können), MUSS man sich nach der Tour
absuchen (lassen)! Und bitte, Leute, denkt dran: Zecken lauern nicht nur
im Wald und auf der Heide, man kann sie sich überall einfangen: beim
Joggen im Stadtpark, bei Arbeiten im Garten und selbst auf dem gepflegten
Rasen vor der Haustüre – und das nicht nur auf dem Land, sondern auch
mitten in der Stadt.
Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr? Wie gesagt, jede 3. Zecke trägt den
LB-Erreger in sich, doch wenn man sich absucht, ist die Infektionsgefahr
vergleichsweise gering. Die Zecke gibt die Erreger erst dann ab, wenn sie
Gelegenheit hatte, zwischen 24 und 48 Stunden an einem zu saugen. Demgemäß
liegt das Infektionsrisiko bei ca. 1 %.
Zeckenentfernung: Bitte bei der Entfernung kein Öl, kein Klebstoff oder
sonstiges verwenden!!! Diese Stoffe töten die Zecke zwar, doch vorher
erbricht sie sich in die Einstichstelle und gibt damit auch eine große
Anzahl Erreger frei.
Die Zecke wird entfernt mit einer ganz normalen Pinzette. Vergesst die
Zeckenzangen, die es in Apotheken gibt! Mit denen kann man zwar das Imago
entfernen, doch für eine Nymphe oder Larve sind sie viel zu grob. Die
Zecke wird möglichst tief, in unmittelbarer Kopfnähe gefasst und mit
gleichmäßigem Zug herausgezogen. Bitte NICHT DREHEN! Die Mundwerkzeuge
haben kein Gewinde!!
Reißt der Kopf wider Erwarten doch ab, ist das kein Beinbruch; dadurch werden
keine Erreger übertragen. Allerdings kann es natürlich zu einer Entzündung
an der Stelle kommen. DAS HAT ABER NICHTS MIT DER LB ODER DER FSME ZU TUN,
sondern ist die gleiche Reaktion, als wenn man sich einen Splitter oder
einen anderen Fremdkörper in die Haut gejagt und nicht entfernt hat!
GIBT ES SCHUTZSTOFFE? Ja! Ich will hier keine Werbung machen, doch ist das
neue „Autan“ der Fa. Bayer das wirksamste Zecken-Repellent, das es zur
Zeit auf dem Markt gibt. Bei lückenloser Auftragung auf der Haut wirkt es
bis zu 4 Stunden gegen Zecken. Autan ist ein Piperidinsäurederivat und
wurde aus über 800 verschiedenen Substanzen herausgesucht. Es ist das
einzig wirklich wirksame Repellent. Autan wird übrigens auch von den gut
30 Borelliose-Selbsthilfegruppen empfohlen, die es in Deutschland gibt,
sowie von der Stiftung Warentest.
Was ist zu tun, falls man sich doch infiziert hat? Achtet auf die
„Wanderröte“! Sie kann erst nach einigen Tagen oder Wochen nach dem Stich
auftreten. Gebt dem Arzt bei unklaren Krankheitssymptomen („chronische
Erkältung“, Konzentrationstörungen, Muskel- und Gelenkschmerzen ohne
andere Ursachen), den Hinweis auf einen möglichen, nicht erkannten
Zeckenstich. Die LB ist in jedem Stadium mit Antibiotika heilbar, doch je
länger sie nicht erkannt wird, desto schwieriger wird die Heilung.
Übrigens: ein Hinweis auf LB könnte sein, dass die Krankheitssymptome
verschwinden, wenn man wegen einer anderen Krankheit mit Antibiotika
behandelt wird und wieder auftauchen, wenn die Antibiotika-Behandlung
abgesetzt wird. LB kann nur mit einer mehrwöchigen Antibiotika-Kur geheilt
werden, die umso länger dauert, wie die Krankheit nicht erkannt wurde.
So, das ist ein ziemlich langer Thread geworden, doch ich denke, dass es das
wert war. Ich werde den Thread auch in bleems Naturforum stellen.
Grüsslis
Thomas

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