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Wolfiporia cocos

Udo, (vor 8881 Tagen) 37 Beiträge @ Ralf

Hallo Ralf,

die Suche nach Inhaltsstoffen von Pflanzen und Pilzen wird weltweit betrieben und folgt im Großen und Ganzen immer dem gleichen Schema:

Man schickt einen Extrakt des z.B. Pilzes über eine Batterie von Testsystemen, die spezifische biologische Wirkungen anzeigen (beispielsweise wird in diversen Tests untersucht, ob der Extrakt Bakterienkulturen abtötet oder hemmt, d.h. antibakterielle Eigenschaften aufweist). Wenn in einem der Testsysteme eine als interessant eingestufte Wirkung beobachtet wird, beginnt die Phase 2, nämlich die Isolierung des für die aufgefundene Wirkung verantwortlichen "Prinzips" (d.h. Pilzinhaltstoffes) mit Hilfe von in der Chemie üblichen Trennverfahren (chromatographische Verfahren). Letzlich handelt es sich um eine Auftrennung der im Pilz enthaltenen Inhaltsstoffe und Identifizierung desjenigen Stoffes, der für die Wirkung verantwortlich ist. Wenn dies gelungen ist (gelingt leider nicht immer), schließt sich die Strukturanalyse ("Ermittlung der chemischen Formel") mittels spektroskopischer Verfahren an. Dabei kann sich ergeben, daß es sich um einen "alten Bekannten" (d.h. einen aus der Literatur seit langem bekannen Inhaltsstoff) handelt, was das weitere Interesse zum Erlöschen bringt. Falls es sich um einen für die Wissenschaft neuen Inhaltsstoff handelt, wird untersucht, ob er bereits als solcher in der Medizin, Tiermedizin, im Pflanzenschutz usw. einsetzbar ist oder noch einem chemischen Modifizierungsprogramm zwecks Steigerung der biologischen Aktivität unterworfen werden sollte.

Ich hoffe, ich habe es nicht zu kompliziert erklärt. Die weltweite Suche nach neuen Wirkstoffen aus natürlichen Quellen (wie Pilzen) zeigt die große Erwartungshaltung in Industrie und Hochschulen. Die Erfahrung lehrt allerdings, daß nur ein Bruchteil der neu isolierten Stoffe wirklich interessant ist und sich durchsetzen wird.

Gruß

Udo

Hallo Udo!
Vielen Dank, für deine Hinweise bzgl. W. cosos. Habe wieder etwas dazu
gelernt -(ich dachte z.B., es sei nur eine amerikanische Art)und werde
versuchen, mir den Artikel zu besorgen.
Du sagt weiter, dass in deinem Institut nach biologischen Inhaltsstoffen im
Sklerotium gesucht wird. Vielleicht könntest du einmal sagen, wie dabei im
Prinzip vorgegangen wird. Natürlich ohne "Betriebsgeheimnisse"
zu verraten. Und wie der Stand der Wissenschaft allgemein in Bezug auf die
Suche nach nützlichen Pilzinhaltsstoffen bzw. sonstigen
Anwendungsmöglichkeiten von Pilzen ist. Wird derzeit intensiv daran
gearbeitet und wie wird die Aussicht auf Erfolg bewertet?
Dank und Gruß
Ralf

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