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Stockschwämmchen und Gifthäubling, von Kazuya *PIC*

Notizbrettbildservice, (vor 8768 Tagen)

Hallo,
hier der Versprochene Bericht über das Stockschwämmchen und den Gifthäubling. Wie ihr alle wisst, ist das Stockschwämmchen ein vorzüglicher Speisepilz. Der
Gifthäubling dagegen ein lebensgefährlicher Giftpilz. Ich bin schon auf viele Leute in meiner Gegend getroffen, die das Stockschwämmchen kannten, vom Gifthäubling aber keine Ahnung hatten. Ist das nicht erschreckend? Kein Wunder, das es immer wieder zu Verwechslungen kommt.
Kommen wir zunächst zu dem Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis)
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Ein wirklich gutes Merkmal bietet nur der Stiel. Er ist schuppig. Fruchtkörper ohne Stiel können kaum noch bestimmt werden. Des weiteren feht dem
Stockschwämmchen der Mehlgeruch, den der Gifthäubling besitzt. Doch auch der Geruch ist nicht unbedingt ein zuverlässiges Merkmal. Normalerweise wächst das
Stockschwämmchen auf Laubholz, z.B. Buche. Im letzzten Jahr fand ich jedoch auch einen einsamen Fruchtkörper auf einem Nadelholzzweig (!). Auch der Gifthäubling hält sich nicht an Regeln. Denn auch er kommt, wenn auch selten, auch auf Buchenstubben vor. Wer "Glück" hat, kann sogar beide Arten untereinander gemischt am gleichen Stamm entdecken.
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Das oft extrem büschelige Erscheinen kann auch ein Indiz für das Stockschwämmchen sein. Denn der Gifthäubling erscheint selten in solchen Massen.
Der Gifthäubling (Galerina marginata) enthält das Gift Amanitin, das auch im Knollenblätterpilz enthalten ist. Hier nur in einer niedrigeren Konzentration.
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Vor allem ist der Stiel sehr wichtig für die Bestimmung. Denn der ist hier nur weiß faserig überzogen oder gegürtelt. Darunter ist er braun. Gifthäublinge sind meistens kleiner im Habitus als Stockschwämmchen.
Beiden gemeinsam ist der hygrophane, braune Hut. Auch die Lamellen sind in etwa gleichfarbig.
Beide Arten sind jedoch in ganz unterschiedlichen Familien untergebracht. Das Stockschämmchen gehört zu den Schüpplingen, der Gifthäublingen steht in
Verwandtschaft mit den Schleierlingen.
Viele Grüße,
Kazuya

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Re: Giftmenge im Gifthäubling?

42, (vor 8767 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Der Gifthäubling (Galerina marginata) enthält das Gift Amanitin, das auch im
Knollenblätterpilz enthalten ist. Hier nur in einer niedrigeren
Konzentration.

Ist das mit der 'niedrigeren Konzentration' abgesichert? Hat jemand
dazu (Mess-)Daten? Würde mich sehr interessieren.

Thomas (42)

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Amanitin-Konzentrationen der wichtigsten Arten

Georg, (vor 8767 Tagen) @ 42

Hi Thomas,

Ist das mit der 'niedrigeren Konzentration' abgesichert? Hat jemand
dazu (Mess-)Daten? Würde mich sehr interessieren.

hier mal ein paar Messwerte:

Art Amanitin (mg/g Trockengewicht)

Amanita phalloides 2 - 7.4
Amanita verna 1 - 5
Amanita virosa 1 - 3
Galerina marginata 0.4 - 2.2
Galerina autumnalis 0.8 - 1.5
Lepiota helveola 0.5 - 0.7
Lepiota josserandii 3.75
Lepiota subincarnata 2 - 3
Lepiota brunneoincarnata 1

Es zeigt sich also dass Galerina in der Tat deutlich weniger Amanitin enthält
als die Amanita oder Lepiota-Arten. Die tödliche Dosis für den Menschen liegt
bei ca. 0.1 mg/kg Körpergewicht (also ca. 7mg). Folglich kommt es auch selten zu ernsthaften
Vergiftungen mit Galerina, da die zu verzehrenden Mengen die zu einer schweren Vergiftung
führen würden im 100g-Bereich liegen. 100g Gifthäublinge zu finden
ist gar nicht so einfach!

Georg

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Langzeitwirkung

Holger, (vor 8767 Tagen) @ Georg

Wie ist das eigentlich mit den nicht tödlichen Konzentrationen? Auch die sollten die Leberzellen schädigen - wenn eben auch nicht so viele Zellen dass der Tod oder heftige Vergiftungserscheinungen auftreten.

Ist die Regeneration der Leber danach i.d.R. möglich oder summiert sich das dann auf (schleichende Vergiftung)?

Beste Grüße
hp

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Re: Langzeitwirkung

Georg, (vor 8767 Tagen) @ Holger

Hi Holger,

Ist die Regeneration der Leber danach i.d.R. möglich oder summiert sich das
dann auf (schleichende Vergiftung)?

soweit mir bekannt ist erholt sich die Leber nach nicht letalen Vergiftungen
vollständig und ohne Folgeschäden.

Georg

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Re: Langzeitwirkung

Werner Oswald, (vor 8767 Tagen) @ Holger

Wie ist das eigentlich mit den nicht tödlichen Konzentrationen? Auch die
sollten die Leberzellen schädigen - wenn eben auch nicht so viele Zellen
dass der Tod oder heftige Vergiftungserscheinungen auftreten.
Ist die Regeneration der Leber danach i.d.R. möglich oder summiert sich das
dann auf (schleichende Vergiftung)?
Beste Grüße
hp

Servus Holger,

mein ehemaliger Nachbar hatte vor 48 Jahren eine schwere Knollenblättervergiftung, die er nur knapp überstanden hat, lebt aber seither völlig beschwerdenfrei, also ohne nachhaltige Leberschädigung. Tragischer endete es sich für seine 2 Kinder, die beide seinerzeit verstorben sind.

Grüße, Werner O.

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Re: Amanitin-Konzentrationen der wichtigsten Arten

Markus S, (vor 8766 Tagen) @ Georg

Salü Georg

Zu Deinen Messwerten sind bei uns im Verein folgende Fragen aufgetaucht:

- Woher sind die Angaben (sind sie wissenschaftlich abgesichert)?
- Ist "nur" das Amanitin für die tödliche Wirkung zuständig, oder sind noch andere Gifte enthalten? Wenn ja welche?
- Woher kommen die relativ grossen Bereichsschwankungen (welche Gründe sind dafür massgebend)?

Für Deine Auskünfte herzlichen Dank.

Gruss Markus S

Hi Thomas,
hier mal ein paar Messwerte:

Art Amanitin (mg/g Trockengewicht)
Amanita phalloides 2 - 7.4
Amanita verna 1 - 5
Amanita virosa 1 - 3
Galerina marginata 0.4 - 2.2
Galerina autumnalis 0.8 - 1.5
Lepiota helveola 0.5 - 0.7
Lepiota josserandii 3.75
Lepiota subincarnata 2 - 3
Lepiota brunneoincarnata 1


Es zeigt sich also dass Galerina in der Tat deutlich weniger Amanitin enthält
als die Amanita oder Lepiota-Arten. Die tödliche Dosis für den Menschen liegt
bei ca. 0.1 mg/kg Körpergewicht (also ca. 7mg). Folglich kommt es auch selten
zu ernsthaften
Vergiftungen mit Galerina, da die zu verzehrenden Mengen die zu einer
schweren Vergiftung
führen würden im 100g-Bereich liegen. 100g Gifthäublinge zu finden
ist gar nicht so einfach!
Georg

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...das beruhigt doch! Danke! *oT*

Holger, (vor 8766 Tagen) @ Georg

- kein Text -

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Re: Stockschwämmchen und Gifthäubling, von Kazuya

Gelbfieber, (vor 8766 Tagen) @ Notizbrettbildservice

Hallo Kazuya,

das ist ein wie ich finde , sehr guter und imformativer Bericht samt Fotos!

Auch ich finde das man nicht oft genug auf die Unterschiede des Gifthäubling’s gegenüber dem Stockschwämmchen hinweisen kann.
In letzter Zeit habe ich über schwere Vergiftungen mit diesem Pilz gehört, der ja tödlich giftig ist!

Kürzlich z. B. hat mir ein Mann erzählt , das er jahrelang glaubte Stockschwämmchen zu sammeln, dabei stellte sich jetzt in einer Pilzfundberatung heraus, das es sich um graublättrige Schwefelköpfe handelt, die er da jahrelang schon in seinen Korb legte.
Er hatte die vermeintlichen Merkmale von denen er sprach --------so von seinem Vater übernommen.und war jetzt völlig schockiert.
Ja, so kann’s gehen.
Gott sei Dank waren es nicht die Gifthäublinge, sodaß er sich noch bester Gesundheit erfreut. :-)
Es sollte sich jeder der Stockschwämmchen Kuehneromyces mutabilis oder graue (rauchblättrige) Schwefelköpfe Hypholoma capnoides essen will, unbedingt mit den Merkmalen dieser Pilze vertraut machen, (die Du so treffend beschrieben hast) besonders aber mit dem Gifthäubling Galerina marginata auch Nadelholzhäubling genannt.

Sonst kann man für nichts garantieren!!!

In diesem Sinne wünscht Euch allen
bleibt wachsam und vor allem gesund !!!!

Gelbfieber

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Re: Amanitin-Konzentrationen der wichtigsten Arten

Georg, (vor 8766 Tagen) @ Markus S

Hi Markus,

Woher sind die Angaben (sind sie wissenschaftlich abgesichert)?

Sie stammen aus verschiedenen wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Eine
gute Zusammenstellung findest Du im Artikel von R. Seeger (siehe Literaturhinweise
auf der Pilzvergiftungsseite hier auf pilzepilze.de)

- Ist "nur" das Amanitin für die tödliche Wirkung zuständig, oder
sind noch andere Gifte enthalten? Wenn ja welche?

Es sind auch noch andere Gifte enthalten (Phalloidine, Phallolysine oder im
Fall von Amanita virosa auch noch Virotoxine), die aber alle entweder hitzelabil
oder vergleichsweise ungiftig sind. Für die Vergiftung verantwortlich sind daher
ausschliesslich die Amanitine.

- Woher kommen die relativ grossen Bereichsschwankungen (welche Gründe sind
dafür massgebend)?

Das ist bei allen Naturstoffen so, dass die Konzentrationen in den sie
liefernden Pflanzen oder Pilzen stark schwanken. Einerseits gibt es 'chemische
Rassen' andererseits hängt der Gehalt stark von Einflüssen wie Nährstoffangebot
des Substrats, Witterung und Alter der Fruchtkörper ab.

Georg