Re: Grünlinge gelten doch bei uns als giftig ?!
Hallo Werner,
ich finde keinesfalls, daß irgendjemand von der DGfM hysterisch oder
übersensibel auf die Problematik des Grünlings reagiert hat.
Für die Pilzberatung muß der klare und eindeutige Ausdruck der
"Giftigkeit" reichen. Ob dies wissenschaftlich abgesichert, nur
bei bestimmten bisher unbekannten lokalen Rassen oder nur wegen
Überfütterung der Mäuse so ist, kann doch zunächst einmal für die
Qualifizierung als Speisepilz oder als Giftpilz egal sein. Bei mir in der
Pilzberatung war noch keiner, bei dem ich hätte befürchten müssen, daß er,
wenn er die vorgelegten Pilze nun nicht essen darf, am verhungern wäre.
Sag ich ihm aber: "Weißt Du da gibt es Forschungsergebnisse...bei
denen noch nicht ganz klar ist ... es wäre besser.." wird es
garantiert den einen oder anderen geben, der das Risiko bewußt oder
unbewußt eingeht.
Na, aber wenn er trotz Deiner Warnung das Risiko eingeht, ist das doch wirklich SEIN BIER! Du kannst ihm ja nicht mal gegen seinen Willen die Pilze abnehmen - sollte er so verbohrt sein, erst in die Pilzberatung zu gehen, um dann trotzdem was anderes im Sinn zu haben.
Also ist der Pilz für mich in der Pilzberatung giftig - Punkt und basta.
Eine etwas vereinfachte Sicht - aber ich muss Dir im Kern schon rechtgeben. Ich habe ja auch nie etwas dagegen gesagt, dass man den Pilz in der Beratung nicht mehr freigibt.
Und wie kommst Du denn darauf, daß die von Dir beschriebene Verteufelung als
Giftpilz dazu führt, daß jegliche Forschung verhindert wird.
Der Beweis dafuer ist z.B. der Kahle Krempling. Das Problem mit Abstempelungen dieser Art - bei Pilzen insbesondere - bewirkt doch, dass es niemand mehr interessiert. Ausser ein paar Mykologen, die aber in der Regel nicht die Finanzen haben, um ernsthafte Forschung zu betreiben. Man hat dem Pilz den Stempel 'Giftig' aufgedrueckt, so wird er dann gefuehrt und RIP (Rest in Peace) Gruenling. Das befuerchte ich nicht ganz unbegruendeterweise - siehe K. Krempling. Auch da haette man in den vielen Jahren doch mal ernsthaft forschen koennen. Wenn man heute das menschliche Genom entraetseln kann, waere das eine relativ kleine Aufgabe. Finanzieren wird das aber leider normalerweise keine Privatfirma, da synthetisch hergestellte Medikamente und Chemikalien doch meist gewinntraechtiger sind. Da waeren die Universitaeten und Max-Planck Institute etc. gefragt. Wenn aber die Akte Gruenling und Kahler Krempling geschlossen wurde, wird keiner mehr Lust haben, seine Zeit damit 'zu verschwenden'.
Wie gesagt, ich hoffe, Du nimmst meine zur offiziellen Meinung kontraer laufende Auffassung nicht persoenlich. Aber ich denke, auch so eine kontroverse Diskussion soll und darf hier gefuehrt werden, ohne dass man sich gram ist.
Mit pilzigen Gruessen,
Werner