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Re: Fragen zum Pilzvorkommen...

ajuga, (vor 8562 Tagen) @ Huperzia und Andreas

Hallo ajuga,
Ich(Huperzia) kenne Sommersteinpilze regelmäßig nur von einer Stelle,
allerdings in Niedersachsen: ein Garten am Waldrand mit kurzem, da stark
bemoostem Rasen unter einigen schönen großen Eichen.
Ich übergebe das Wort an Andreas: Ich (Andreas) kenne den Sommersteinpilz aus
Baden-Württemberg wirklich gut, er ist bei uns eigentlich Massenpilz in
den Eichen-Hainbuchenwäldern, aber immer nur kurze Zeit im Jahr - und
leider praktisch immer alle madig. Danach nur noch vereinzelt, aber bis in
den Oktober hinein.
Finden tut man ihn unter Eichen und Buchen.
Hainbuche kann ich zwar nicht ausschließen, aber ich kenne persönlich keinen
Standort wo er wirklich NUR unter Hainbuchen wächst. Dagegen kenne ich
einen Platz in einer Fichtenaufforstung (ehemals Eichen-Hainbuchenweald).
Die Daten für Ba.-Wü. geben folgende Mykorrhizapartner: Fagus (35x), Quercus
robur (12x), Q. petraea (1x), Q. rubra (1x) Q. spec. (12x), Laubbaum ohne
nähere Angaben (18x) und Picea abies (4x).
Nach der Niedersachsen-Flora: Vorwiegend Betula, Carpinus, Fagus, Quercus,
Salix repens, Tilia und Pinus. Meiner Meinung nach sind bei einigen dieser
Wirte jedoch weitere Steinpilzsippen/-arten mit im Spiel, vor allem was
Betula und Pinus betrifft.
Für mich ist die Art eigentlich ein Säure- bis maximal Neutralzeiger, auch
wenn in der Literatur immer wieder anderes zu lesen ist. Er kommt bei uns
ausschließlich in den Eichen-Hainbuchenwäldern vor, nicht jedoch auf
Muschelkalk. An den wenigen Stellen auf Kalkboden (dann in Parks) stehen
die Fruchtkörper stets in unmittelbarer Baumnähe (Eiche), so dass ich in
diesen Fällen von einer kleinräumigen Versauerung des Bodens ausgehe,
entstanden durch an der gerbsäurehaltigen Eichenrinde herablaufendes
Regenwasser. Dies wird auch unterstrichen durch die Tatsache, dass ich in
den allermeisten Fällen an den Standorten auch kleinere Polster von
Polytrichum formosum finde, ein Zeichen für beginnende Versauerung.
Assoziierte Pilzarten sind in Parks unter Eichen z.B. Russula parazurea,
virescens und vesca, im Ei.-HBu.-Wald auf Lehmboden Boletus regius,
rhodoxanthus, Xerocomus moravicus oder auch Amanita phalloides.
Dis mag aber in nördlicheren Gebieten anders sein, oftmals gleichen
wärmeliebende Pilzarten den nördlicheren Standort durch vermehrten
Kalkgehalt des Wuchsortes aus. Meiner Meinung nach gehört allerdings der
Sommersteinpilz nicht zu den wärmeliebenden Arten.
Ich war lange der Meinung, dass es möglicherweise zwei Sommersteinpilzarten
gibt: eine dunkle, dem pinophilus ähnliche Sippe die nie aufreißt und
innerhalb der Wälder wächst sowie eine hellhütige, die gerne in Parks oder
zumindest an Waldrändern wächst und im Hut gerne aufreißt (was wohl eher
auf exponiertes Wachstum zurückzuführen ist). Christoph hat mir allerdings
erklärt, dass er keinerlei mikroskopische Unterschiede finden kann.
Lediglich die unterschiedliche Färbung der Fruchtkörper ist mir als
Trennmerkmal selbst "nur" von Varietäten zu schwach auch wenn
ich die beiden Farbvarianten eigentlich immer problemlos unterscheiden
konnte. So muss ich wohl oder übel akzeptieren, dass doch alles ein und
dasselbe ist ..... oder ich finde doch noch ein weiteres
Unterscheidungsmerkmal ;-)

Ich weiß nicht, ob ich jemals einen Sommersteinpilz gefunden habe. Da gibt es eine Stelle in Sachsen-Anhalt. Dort wachsen an einem Wegrand schöne alte Stieleichen (Quercus robur). Umgeben sind sie aber von Kiefernschonungen die bis unmittelbar an die Eichen heranreichen. Unter diesen Eichen finde ich im Spätsommer/Herbst immer einzelne Steinpilze, die ich bisher aber nicht wirklich vom Boletus pinophilus unterscheiden konnte!

Esskastanie verhält sich bzgl. der Mykorrhizapartner identisch mit Eiche,
ebenso was Saprobionten betrifft. Alles was an/auf Eiche vorkommt kann
auch an/auf Esskastanie vorkommen.

Tja. Es hat wohl damit zu tun, dass Eichen, Buche und auch die Esskastanie eine Familie darstellen - die Fagaceen. Aufgrund dieser Verwandschaft ist wahrscheinlich Mykorrhiza-mäßig alles ähnlich, so dass der Sommersteinpilz korrekt Fagaceen-Steinpilz heißen sollte im Gegensatz zu den Picea-(B. edulis) und Pinus-(B. pinophilus) Steinpilzen!!

Bisher sind soweit mir bekannt ist keine Ektomykorrhizapartner mit Acer
bekannt, auch nicht aus Amerika wo es ja wesentlich mehr Ahornarten gibt
als bei uns. Mir hat mal jemand eine Erklärung gegeben,warum Ahorn gar
keine Mykorrhiza ausbilden kann bzw. dies sehr unwahrscheinlich ist.
Leider weiß ich nicht mehr was das für Gründe waren. Vielleicht jemand
anderes? (Hallo Christoph??)
Viele Grüße,
Tanja und Andreas
P.S.: Gestern waren im Pennickental noch drei Speisemorcheln da, allerdings
total überaltert und zwei davon schon am Boden liegend!

Rein zufällig war ich auch gestern Nachmittag im Pennickental. Außer Waldmeister und schönen Orchideen habe ich aber nichts spannendes gefunden. Dafür habe ich mehreren Käfern (darunter ein Lederlaufkäfer - der größte einheimische Laufkäfer, natürlich unter Naturschutz) aus einer leeren Flasche verholfen, die so blöd am Hang lag, dass Käfer und Wasser hinein, aber nicht wieder hinaus konnten. Die Flasche war bereits mit einer faulenden Käfermasse zu 1/4 gefüllt. Immerhin konnte ich etwa 10 Käfer vor dem Tod retten!

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