Re: Anemonenbecherling an Scharbockskraut?
Hallo Georg,
der 'Anemonenbecherling an Scharbockskraut', der immer wieder durch die
Literatur geistert, ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Verwechslung
mit dem gemeinen Sclerotienbecherling (Scletotinia sclerotiorum), einem
der häufigsten und Wirts-unspezifischsten Schmarotzerbecherlinge. Ich habe
ihn z.B. im Garten an Sumpfdotterblume, aber er geht auch an Kartoffeln
und Bananen und viele andere und ist daher weltweit ein gefürchteter
Schädling, bildet aber nur sehr selten Fruchtkörper.
Leider ist der Fruchtkörper makroskopisch nicht vom Anemonenbecherling zu
unterscheiden und auch Sporen, Asci und Paraphysen sind identisch. Die
Unterscheidung per Gen-Test ist laut L. Kohn (1979) einfach und
unzweideutig, und alle so gesicherten Dumontinia-Funde sind an Anemonen.
Auch der Pilz von Karin Montag, über den im Tintling (1997 ??) berichtet
wird, habe ich von Frau Dr. Kohn (heute Professorin in Toronto) als
Sclerotinia bestimmen lassen.
Laß Dich nicht vom Bild in 'Pilze der Schweiz' irritieren, ich weiß nicht,
welcher Pilz dort als Sclerotinia sclerotiorum abgebildet ist, aber mit
meinen Funden hat das Bild nichts gemein.
Die zwei einzigen mikroskopischen Unterschiede, die ich kenne, sind: 1. die
Gattung Dumontinia (einzige Art: D. tuberosa) hat an der äußeren
Becher-Oberfläche gelatisierte, längliche Hyphen, während Sclerotinia
runde oder prismatische, nicht gelatinierte Zellen hat.
2. Dumontinia-Sporen schnüren nie Konidien ab, während Sclerotinia-Sporen
dies sehr gerne tun (Pilz 1 Woche feucht und kühl lagern, dann wieder
mikroskopieren!).
Gegenfrage: gibt es bei Dir 'echte' Anemonenbecherlinge? Der einzige Fundort
von Becherlingen an Anemone, den ich kenne, ist ebenfalls der Gemeine
Schmarotzerbecherling (der auch Anemonen nicht verschmäht...) und ich
würde die beiden Gattungen gerne mal nebeneinander mikroskopieren und für
einen Fundort auch zu Dir kommen. Laut L.Kohn gibt's im Schwetzinger
Schloßpark echte Dumontinia.
Grüße aus Mainz,
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
interessant. War mir nicht bekannt.
So tief bin ich in die mikroskopische Bestimmung von Ascomyceten noch nicht
vorgedrungen. Ich kann also nicht sagen, um was es sich genau handelt.
Eine erneute Begehung des Standortes ergab jedoch einige junge Anemone nemorosa
Blätter in direkter Nachbarschaft der Becherlinge. Also doch auf Anemonen!
Georg