Re: (Stein-)Pilze als pH-Indikatoren?
Hallo Eric,
eine Liste gibt es sicher nicht, jedenfalls nicht meines Wissens. Die Ba.-Wü.-Flora gibt da schon einige Hinweise.
Pilze dürften jedoch auf kleinräumigere Unterschiede im Boden reagieren können wie Pflanzen. Zudem sieht man Pflanzenbeständen meistens an, ob sie sich hier im Optimum oder in einem "geht-gerade-noch-Biotop" befinden. Wenn sich bei einem oberflächenversauerten Fichtenforst über Kalk die ersten halblebigen Heidelbeersträuchlein zeigen, dann kann man nicht davon ausgehen, dass der Boden sauer ist. Im Gegenteil, eben WEIL die Heidelbeere dort einen sehr schweren Stand hat muss man von einem nicht-optimalen Untergrund (also NICHT sauer) ausgehen. Bei Pilzen läßt sich die Vitalität eines Bestandes jedoch nicht erkennen.
Zu deinem Beispiel:
B. edulis und erythropus sind m.E. fraglos Säurezeiger, B. aereus ist es zumindest im Süden Europas auch. Da dürfte auch die Freiburger Gegend keine Ausnahme sein. B. appendiculatus ist für mich ein Neutralzeiger, vor allem von Lehmböden in Eichen-Hainbuchenwäldern. Sicherlich kann er auch (schwach?) basische Böden ab. Vermutlich auch schwach saure. Der paßt also nicht so ganz zu den anderen.
Nun kannst Du rätseln, ob der Untergrund eher neutral ist, und die anderen Arten durch Oberflächenversauerung, saurer verwitterndes Eichenlaub, durch Eichenrinde angesäuertes Regenwasser etc. etc. eine Nische gefunden haben. Oder ob es ein eher saurer Untergrund ist, in der der appendiculatus eine mildere Stelle (mild verwitterndes Buchenlaub ...) gefunden hat.
B. radicans ist dagegen ein echter Kalkzeiger. Wenn er dort vorkommt, dann ist entweder Kalk im Untergrund oder wenigstens durch Wegschotterung o.ä. reingekommen.
Ich denke, um Aussagen über die Ökologie von Pilzen zu machen braucht man viel Felderfahrung, auch in anderen Gebieten, denn kleinräumig gewonnene Erkenntnisse sind meistens über größere Gebiete hinweg nicht anwendbar.
Beste Grüße,
Andreas
Hallo Andreas,
mal eine andere Frage: gibt es eine "Liste für Zeigerwerte von
Großpilzen"?
In unmittelbarer Umgebung gibt es hier eine Stelle direkt hinter einem
Grillplatz, bestanden mit Buche/Eiche an der auf engstem Raum B.edulis,
B.aereus, B.appendiculatus + B.erythropus vorkommen (100m weiter wächst
noch B.radicans). Der Pilzflora nach zu urteilen ist das eine "saure
Stelle" (auch B.erythropus zeigt ja sauren Untergrund an).
Ich fände es spannend, ob das auch mit weiteren Großpilzen geht. Zumal ich
von Pflanzen und deren Zeigerwerten leider keine Ahnung habe :´-(
Viele Grüße,
Eric