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Re: Lingvistik und Pilze

Andreas ⌂, (vor 9586 Tagen) 8.003 Beiträge @ david.ge

Hello
Wehrend meinen letzten Beitrag (meine top 5) kam ich auf den Gedanken, dass
ueber Traditionen am besten mit hilfe Lingvistik zu urteilen ist(das ist
gar nicht nur meine Idee).
ich erklaere: z.B die Volke die wehrend Sprachformierung mit Wein nichts zu
tun hatten haben in Sprache kein eigenes Wort "wein"(wie
Deutscher). In solchen Situationen werden Worter bei anderen Sprachen
geborgen (wieder Beispiel mit Wein) oder entstehen durch Wortsyntese
Ich glaube wenn Pilz schon vor mehrere Tausend jahre gesammelt wurde, soll er
Sein eigenes Name haben. z.B. "nikwi" bedeutet georgisch nur
Keiserling, "qama"-Champignon "ceresco"-Parasol. alle
andere georgische Pilznahme kommen durch Wortsynthese z.B."kalmacha
soko" Austernseitlig bedeutet
Forelepilz."Charispaschwa"-Morchel bedeutet
"Rindenmagen"
In Russischen erinnere ich nur "Gruzd"-einige Milchlinge
Welche Woerter gibt in deutscher Sprache die exclusiv zu Pilzen gehoert?
selbsverstaendlich sind das nicht Steinpilz= Stein+Pilz oder
Hexenrohrling=Hexen+Rohr+ling, Champignon kommt aus France
Und Parasol oder Marone? bedeutet das noch etwas?
Gruss
David

Hallo David,
die deutschen Namen für Pilze sind meist der lateinischen entnommen. Aber das liegt daran, dass es ziemlich "neue" Namen sind. Die alten Volksnamen für diverse Pilze sind von Region zu Region verschieden und heute kaum noch gebräuchlich. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht schon seit langem als Speisepilze gesammelt werden.
Der Parasol z.B. ist sicherlich seit alters her ein Speisepilz. Sein Name kommt aber aus dem französischen und bedeutet "Sonnenschirm". Alle rotmilchenden Milchlinge werden bei uns "Reizker" genannt, was einem sehr alten Wort entspringt, das vor allem in Osteuropa auch heute noch gebräuchlich ist (Ryzek bei den Tschechen und Polen, Ryz bei den Russen) und vielleicht von dort her stammt. Die Tradition, Milchlinge ("reizende", also scharfe Pilze) zu verarbeiten kommt ja wohl aus dieser Ecke.
Als wirklich traditionellen Pilznamen fällt mir momentan nur "Hallimasch" (Armillaria mellea) ein, dessen Bedeutung jedoch umstritten ist und der "Pfifferling" (Cantharellus cibarius). Dessen Name kommt von seinem roh scharfen Geschmack (Pfifferling = Pfeffer-ling). In anderen Gegenden heißt er z.B. "Reherl" weil er immer dort vorkommen soll, wo die Rehe aus dem Wald kommen. In früheren Schlesien hieß er "Henne" und so heißt er in der heute polnischen Gegend immer noch ("Kurka" = Hähnchen). Der "offizielle" Volksname in Polen ist aber "pieprznik jadalny", was "Gelber Pfefferling" bedeutet.
Der deutsche Name "Marone" kommt von der Hutfarbe, die das Braun der Esskastanie = Marone hat (Castanea sativa).

Gruß,
Andreas

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