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Re: Lingvistik und Pilze

interhias ⌂, (vor 9585 Tagen) 1.765 Beiträge @ Andreas

Hallo Andreas und David!

Mit der Linguistik habt ihr ein heißes Eisen angefaßt.

Zum Reizker fällt mir folgendes ein:
Laut etymologischem Wörterbuch ist das Wort "Reizker" tatsächlich aus dem slawischen Sprachschatz entlehnt. Allerdings besteht dann keinerlei Zusammenhang zum deutschen Wort "Reiz", denn das russische Wort für Reizker - "Ryschik" - bedeutet soviel wie der "Rötliche". Das slawische Ursprungswort bezeichnet also die rötliche Farbe der Milch oder auch des ganzen Schwammerls, bezieht sich aber nicht auf die Schärfe. Das Wort "Blutreizker" ist demnach eine germanisch-slawische Koproduktion für einen blutenden roten Pilz.

David, wie würdest du das russische Wort für Morchel "Smortschok" erklären? Das deutsche Wort Morchel kann man eigentlich auch kaum mehr schlüssig nachvollziehen. Ähnlich ist es mit der "Lorchel", die wohl auf ein altes Wort für Kröte (vgl. Lork - Lorch - Lurch) zurückgeht.

Allgemein scheint es so zu sein, daß der Großteil der Namen der Pilze - egal in welcher Sprache - irgendwelche Eigenschaften derselben beschreibt, sei es die Form (Schirmling, Trichterling, Seitling), den Geruch (Stinkmorchel, Anisegerling, Heringstäugling), den Geschmack (Bitterling, Gallenröhrling, Pfeffermilchling) oder die Farbe (Eierschwammerl, Rotkappe, Blautäubling).

Diese meist zusammengesetzten beschreibenden Begriffe wie Safranschirmling oder Flaschenstäubling sprechen aber doch nicht gegen eine traditionelle Verwendung seit alter Zeit, oder?

Interhias

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