Re: Standort von B. junquilleus
Hallo Jürgen,
allzuviele Aufsammlungen habe ich nicht - aber es stimmt, mit einer Ausnahme
(bei Fichte) habe ich junquilleus nur in bodensauren Buchenwäldern
gefunden, während sich die Funde von erythropus vom Habitat Buche/Fichte
her in etwa die Waage halten. Das widerspricht etwas Andreas'
Beobachtungen, kann aber aufgrund der Seltenheit statistischer Zufall
sein.
Es kann auch einfach an der bevorzugten Jagdgründen liegen. Vielleicht hast Du auch mehr saure Buchenwälder, die in meinen Jagdgebieten gegenüber bodensauren Fichten-Tannenwäldern deutlich zurückblieben.
Was ich auch noch beobachten kjonnte ist, dass im sauren Nadelwald fast nur Einzelexemplare zu fidnen waren, im Buchenwald degegen meist mehrere als Gruppe.
Und zuletzt darf man natürlich die aufgrund von Lichtmangel gelbhütig gebliebenen oder gescheckten Exemplare (die im Laubwald wesentlich häufiger vorkommen) nicht mit junquilleus vermengen - was ich Dir natürlich auch gar nicht unterstelle falls das jemand herauslesen wollte!
Wie Andreas richtig bemerkt, kommen B. erythropus und B. junquilleus an
ähnlichen Standorten vor, mitunter auch in enger Nachbarschaft. Ich habe
jedoch noch keine Übergangsformen gesehen
ich auch nie!
also etwa orangeporige
Exemplare wie diese hier
http://www.pilzfotopage.de/Boletales3/pages/Boletus %20junquilleus.html
- für mich übrigens wegen der deutlich nicht altersbedingt orangeroten Poren
kein B. junquilleus s. str., sondern ein erythropus fo. discolor -,
die am Fundort einen direkten Zusammenhang beider Sippen suggerieren
würden.
Ich würde das sogar für normalen erythropus halten. Die f. discolor halte ich bei B. erythropus für falsch angewandt. Discolor wurde aus einem wärmeliebenden, wenn auch sauren Eichenwald beschrieben und gehört meiner Meinung nach zu B. queletii!
Die Myzelien von B. junquilleus bilden zumindest an meinen
Fundorten jedes Jahr konstant gelbporige Fruchtkörper. Es ist also, wenn
schon keine eigenständige Art, so doch in jedem Fall eine erbliche
Variante und nicht nur eine Witterungs- oder Standortform von erythropus
Ja, da stimme ich Dir zu. Ich würde auch nie eine forma daraus machen wollen, während das, was Du als discolor von erythropus bezeichnest, für mich wiederum nur eine forma sein kann und nichts anderes.
Zu Boletus queletii kenne ich zwei Myzelien, die alljährlich gelbe Basidiocarpien ausbilden, aber es sind meist auch solche darunter, die etwas orange getönt sind und somit als discolor bezeichnet werden müßten. In beiden Fällen gibt es im selben Waldstück aber auch normale B. queletiis, doch das albinotische Myzel ist klar umgrenzt - weswegen ich ein eigenständiges Myzel vermute. Trotzdem ist auch innerhalb dieses Myzels der Farbausfall von Rot und Braun etwas variabel.
Diese variabilität der albinotischen Formen konnte ich bei erythropus nie feststellen, hier lag immer nur der reingelbe junquileus vor, oder eben echte erythropus (wenn auch nicht selten wegen Lichtmangel erheblich unterpigmentiert - doch das relativiert sich im Normalfall nach einigen Stunden).
Ach ja, vom Netzstieligen Hexenröhrling gibt es auch reingelbe Formen und auch so komisch discolor-artig pigmentierte. Allerdings meiner Erfahrung nach wesentlich seltener und ich kann nicht sagen, wie die "Zwischenformen" zu interpretieren sind.
Und zuletzt gibt es noch ein paar weitere eigenständige gelbe Taxa bei den Hexenröhrlingen, wie z.B. B. gabretae, B. primulicolor etc., die anscheinend immer gelb sind.
beste Grüße,
Andreas
Grüße, Jürgen