Auflösung Schleierlings-Rätsel
Hallo,
bevor noch jemand auf die Idee kommt, den Index fungorum abzutippen um die 9. Art vielleicht doch noch rauszukriegen, will ich mal lieber die Auflösung bringen. Aber schön der Reihe nach:
1. Einfach
Einer der bekanntesten Schleierlinge wohl überhaupt. Mykorrhizapartner ist
die Birke.
Geschmückter Gürtelfuß (Cortinarius armillatus)
Bei uns recht selten geworden, jedenfalls in den meisten Gegenden. In Skandinavien höchst trivial ....
2. auch noch recht einfach
Zwar haben den sicher viele noch nicht gesehen, aber die Art ist so
charakteristisch, dass man sie trotzdem erkennen kann. Mykorrhizapartner
ist im Südwesten vor allem die Weißtanne, außerhalb des Tannenareals
Buche.
Das ist der Schwarzgrüne Klumpfuß (Cortinarius atrovirens)
es gibt noch ein paar ähnliche, bei uns weitgehend unbekannte Arten mit ebenfalls olivgrünem, aber nicht so dunklem Hut, z.B. C. olivascentium Henry. Mit violetten Lamellen und etwas hellerem Fleisch wäre an C. ionochlorus zu denken.
Übrigens riecht der Pilz nach Pfeffer, ähnlich Tricholoma atrosquamosum, ein gutes Merkmal.
3. schon schwieriger
hat man sich in diese Art mal eingesehen, dann erkennt man sie recht häufig
(gell, Harald-Andres). Sie ist verbreitet in eher sauren Nadelwäldern
Graublauer Glimmerkopf (Cortinarius anomalus)
Bei schräger Aufsicht sind die ockergelben Natterungen vom Velum im Regelfall gut erkennbar. Es gibt aber nicht selten auch ausgesprochen ähnlich aussehende, aber doch leicht abweichende Funde, die Probleme bereiten. In dieser Gruppe ist die Reaktion auf Formol im oberen Stielbereich wichtig. Bei anomalus ist sie praktisch negativ, bei C. caninus z.B. stark lilarosa.
4. ebenfalls nicht so ganz einfach
aber denjenigen, die das Glück haben Buchenwälder auf Kalk und Keuperlehmen
in ihrem Revier zu haben sicher schon mal begegnet. Er soll einen
angenehmen Geruch haben, den ich aber noch nie richtig wahrnehmen konnte.
Die Huthaut ist bitter.
Buchen-Klumpfuß (Cortinarius anserinus)
Wurde früher C. amoenolens genannt. Für Henry sind das immer noch zwei verschiedene Arten und sein amoenolens soll wirklich auffallend gut riechen, etwas nach Pfirsich oder Mirabellen etwa.
5. recht schwierig
Telamonien - örks! Aber manche sind nicht nur hübsch, sondern auch
bestimmbar. Kennzeichen dieser Art sind die tief violettschwärzlichen
Farben, das reichliche Velum, der nicht schuppige Hut und der Standort in
feuchten Stellen unter Erlen.
Erlen-Gürtelfuß (Cortinarius alnetorum)
Die Kennzeichen sind ja bereits erwähnt. Der viel winzigere und mit weniger Velum versehene C. bibulus kommt an denselben Standorten vor, ebenfalls der häufigere und gut kenntliche C. helvelloides.
6. schwierig
Noch ne Telamonie .... Aus dem sauren Nadelwald, von trocken bis nass, aber
stets nährstoffarm vorkommend. Kennzeichnend ist der
"strubbelige" Hut, der auch namensgebend für ein älteres Synonym
dieser Art war.
Strubbeliger Gürtelfuß (Cortinarius angelesianus)
Relativ klar kenntliche Art, eine erfreuliche Ausnahme unter diesen vielen telamonien im sauren Nadelwald .....
7. schwierig
Ein Klumpfuß aus den basenreichen Laubwäldern. Anhand nur des Bildes
natürlich schwierig zu bestimmen, man braucht dann noch Sporenmaße (banal,
9-12 x 5-6,5 µm) und auch die Reaktion mit KOH dazu (Hut: rotbraun,
Fleisch: weinrot).
Bis vor kurzem war dies noch eine Sammelart mit ein oder zwei weiteren nun
eigenständigen Arten.
Leoparden-Klumpfuß (Cortinarius alcalinophilus)
Da hätte ich nicht erwartet, das der erkannt wird. Vor allem weil ein wichtiges Merkmal, der mit braunen Velumresten fast leopardenfell-artig besetzte Hut, auf dem Bild nicht gut rauskommt. Dies ist der eine Teil des alten C. fulmineus, der andere Teil firmiert unter dem Namen C. olearioides. Letzterer ist vielleicht die etwas häufigere Art, zumindest in Ba.-Wü.
8. schwierig
Eigentlich nicht schwer erkennbar, aber schwierig zu entscheiden, ob das eine
gute Art ist oder eine Varietät oder gar nur eine extreme Farbvariante von
Pilz 3.
Geschmückter Violettblauer Glimmerkopf (Cortinarius azureus)
Ich habe ihn nicht als azureovelatus bestimmt, weil dessen Hut schnell das violettblau verlieren soll und dann mehr und mehr ocker wird. Das konnte ich hier nicht feststellen.
Ob dieser azureus tatsächlich eine gute Art darstellt wird viel diskutiert. Vielleicht ist er nur eine Varietät von C. anomalus.
9. gemein, fies und schwer
Ein recht charakteristischer Pilz, der gar nicht so selten ist, zumindest in
Baden-Württemberg. Es handelt sich um ein Phlegmacium, obwohl das Ding ja
eher nach einer Sericeocybe ausschaut. Standort sind bodensaure
Nadelwälder, auch recht feucht (aber nicht im richtigen Sphagnummoor). Die
Art wurde schon mit vielen Namen belegt und so richtig klar sind die
Verhältnisse in dieser Gruppe wohl immer noch nicht. Nach der Schlüsselung
der französichen Schule kommt man aber zu einem recht klaren Ergebnis.
Na, kennt jemand den gesuchten Namen oder eine der verwandten/synonymen?
? Schleimkopf (Cortinarius anomalo-ochrascens)
Tja, da ist keiner auch nur in die Nähe gekommen. Die Art wurde bislang wohl meistens als C. fulvoochrascens bestimmt, vielleicht auch als C. riederi (der viel kräftiger ist) oder auch als C. cyanophyllus (der aber eine Laubwaldart ist). Die Franzosen gliedern diese Artengruppe in sehr viele Taxa aufgrund der Sporengrößen und diverser Reaktionen in der Trama. Dieser anomalo-ochrascens zeichnet sich durch relativ kleine Sporen aus und eine negative Reaktion auf alle bestimmungsrelevanten Reagenzien.
Die Art ist in Ba.-Wü. im Schwarzwald nicht selten (vor allem im Süden) und auch im Schönbuch haben wir eine Fichtenaufforstung mit montaner Tendenz, indem man sie alljährlich finden kann. Allerdings stets in Einzelexemplaren, ich hab' noch nie ne größere Gruppe am selben Standort gesehen.
beste Grüße,
Andreas
www.mollisia.de - www.pilzkurs.de
). Sie ist verbreitet in eher sauren Nadelwäldern