Re: Neue Folge: Täubling der Woche #15

Jochen Girwert, (vor 6946 Tagen) @ Thüringer-Holz

Hallo Felix,

ein gigantischer Beitrag zu einer zu Unrecht als einfach angesehenen Art. Die sogenannte flavoviridis habe ich ja regelrecht hassen gelernt, da es niemals zu einem Sporenabwurf kam. Mir fällt es schwer zu glauben, dass die gezeigten cutefracta - flavoviridis und der normale Frauentäubling wirklich nur Varietäten sind.

Alles Gute, Jochen.

heute: Russula cyanoxantha var. cyanoxantha - Frauentäubling
inklusive
Russula cyanoxantha f. peltereaui Singer 1925 - Frauentäubling
(grünhütige Form)
Russula cyanoxantha var. flavoviridis (Romagnesi 1967) Sarnari 1992 -
Gelbgrüner Frauentäubling
Russula cyanoxantha var. cutefracta (Cooke 1881) Sarnari 1992 -
Rissighütiger Frauentäubling


Hallo liebe Täublingsfreunde und Serien-Leser. Heute möchte ich euch diesen
eigentlich banalen Vertreter
aus der Untersektion "Indolentinae" näher bringen. Der Frühsommer
2007 war ausgesprochen "Frauen" freundlich,
so dass die komplette Maschinerie dieser Art in nie da gewesenen Formen
auftauchte.
Selbst Spezialisten viel es nicht leicht, besonders die grünen Variationen,
zu zuordnen, denn auch R.heterophylla (Grüner Speisetäubling) hatte ein
Spitzenjahr.
Noch immer warten Kollektionen die zwischen
R.vesca, R.heterophylla und R.cyanoxantha stehen auf ihre Bestimmung.
Denn makroskopisch gab es 2007 wirklich fast fließende Übergänge zwischen den
drei Arten.

R.cyanoxantha var. cyanoxantha zeichnet sich durch seine sehr
variable, schiefergraue, violette und grünviolette Töne aus.

Lamellen: weiß, mehr oder weniger gedrängt, recht weich
(schmierig, speckig) und biegsam - eine Ausnahme unter den Täublingen.
Manchmal rostfleckig.

Stiel: weiß, seltener lila überhaucht, stämmig, groß, walzenförmig
nach unten ausspitzend, voll und fest.

Fleisch: mild-nussig, weiß, unter der Oberhaut (nicht immer)
violettlich-purpurn, fast käsig, geruchlos

Wert: sehr schmackhaft, für jede Zubereitung geeignet
Vorkommen: im Laub- und Nadelwald schon ab Ende Mai, oft Massenpilz
unter Rotbuche, spärlicher in den Sandgebieten
Hier eine fast blauschwarze Kollektion von 2006 - die Mikroskopie löste den
Fall.

Russula cyanoxantha f. peltereaui Singer 1925 - Frauentäubling (grünhütige
Form)

Ob man jetzt die grünhütige Form immer als solche Ansprechen kann, mag ich zu
verneinen.
2007 sah ich alles Mögliche, von ganz dunkelgrün über schiefergrün mal mit,
mal ohne violette Töne.
Nachfolgend vielleicht typische f. peltereaui.

Die grünen Varianten waren in den Sommermonaten 07 häufiger als die
Standardform. Laut Einhellinger hat diese Form deutlich herablaufende
Lamellen.

Russula cyanoxantha var. flavoviridis (Romagnesi 1967) Sarnari 1992 -
Gelbgrüner Frauentäubling

Ja und dann gab es noch diese giftgelbgrünen Frauentäublinge. Rein
makroskopisch
auf den ersten Blick nix mit dem Frauentäubling gemein,
erahnt man durch die speckigen Lamellen seine Zugehörigkeit.

Alle anderen Merkmale (Chemie, Sporenpulver) und die Mikroskopie passten zu
Sarnari's Beschreibung

Hut: auffallend leuchtend Neon gelb-grün, große Fruchtkörper - bis 20cm
Durchmesser
Markantes Merkmal sind die deutlichen Gabelungen der Lamellen, besonders am
Ansatz (Stielspitze)

Russula cyanoxantha var. cutefracta (Cooke 1881) Sarnari 1992 -
Rissighütiger Frauen-Täubling

Abschließen möchte ich mit der rissighütigen, meist farbenfrohen Form,
des Frauentäublings.
Hier dominieren meist fleischrote Töne.

Besonders schwierig fällt hier die Trennung zu rissighütigen Formen
von R.vesca (Speisetäubling) und R.heterophylla, die bei Trockenheit
auftreten können.

Der vermeintlich einfache Frauentäubling, ist ein Meister der Verwandlung.
Die Oberhaut reagiert bei allen Formen mit H2SO4 grüngelblich.
Leider konnte ich dieses Jahr auch bei R.heterophylla diese Reaktion
bestätigen,
so das sie nicht nur für den Frauentäubling gilt.
FeSO4 auf dem Stiel negativ nach einiger Zeit schwach schmutzig grün.

Sporenpulverfarbe: weiß (Ia)
Sporenornament: isoliert warzig
Bis zum nächsten mal
Euer Felix

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