Re: Grünlinge doch nicht giftig - zumindest in...

Pio, (vor 5853 Tagen) @ Saftling

Hallo Dieter,

was sind denn Flechtenkiefernwälder? Liege ich eventuell mit meiner Vermutung richtig, dass sich auf der am Boden liegenden Nadelspreu Flechten angesiedelt haben, die so hellgrün-silbrig aussehen (schwer zu beschreiben)? Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass die Grünlinge derartige Stellen in jungem Kiefernwald stark bevorzugen. In meiner Verwandschaft, die das Pilzesammeln auf mich übertragen hat, wurde in dem Zusammenhang immer von "Silbermoos" gesprochen, worüber ich mir aber niemals einen Kopf gemacht habe, denn für Biologie habe ich mich damals generell nicht interessiert, was sich inzwischen etwas geändert hat.

Erst vor einigen Jahren habe ich festgestellt, dass es noch eine Laubwaldform des Grünlings gibt, die hier massenhaft in Espenhainen vorkommt, wovon ich mich vor ein paar Tagen gerade wieder überzeugen konnte. Darüber hatte ich schon mal vor längerer Zeit berichtet.

In den erstgenannten jungen Kiefernwäldern habe ich noch eine Besonderheit festgestellt: Grünlinge, die auf ziemlich breiten Waldwegen oder daneben in tiefem Pulversand stehen (wo es keine Nadelspreu gibt)und die regelrecht aus der Sandwüste ausgegraben werden müssen. Das war früher mal eine Spezialsportart von mir im Oktober und November. Diese Pilze sind regelrecht von einem dicken Sandschmirgel umgeben und sind im Unterschied zu den Nadelspreu-Exemplaren erstaunlich ebenmäßig gestaltet, ich würde sagen, rotationssysmmetrisch, da sie sich in jeder Richtung beim Wachsen frei entfalten können. Ich habe mich mitunter gefragt, wovon diese Exemplare sich in dem Pulversand (wie am Meer) überhaupt ernähren.

Meist sind hier noch Grünlinge bis zum Anfang Dezember zu finden, wenn nicht gerade vorher Schnee kommt.

Viele Grüße - Pip

Aktuell kenne ich nur noch einen einzigen Standort,
bezeichnenderweise in einem auf Dünensand aufgeforsteten Kiefernbestand,
der wohl ein fragmentarischer Flechten-Kiefernwald ist. Dieser Waldtyp ist
in SW-Deutschland nahezu komplett vernichtet. Und nicht nur hier. In der
Zeitschrift Natur und Landschaft war vor ein paar Jahren ein Artikel über
die Flechten-Kiefernwälder in Deutschland. Demnach gibt es außer in
Brandenburg sonst nur noch minimale Restbestände, die meist auch
qualitativ mehr oder weniger degradiert sind. Aus der Situation in einer
Region auf ganz Deutschland zu schließen ist sicher nicht gerechtfertigt.
Arten, die vor allem oder ausschließlich in Flechten-Kiefernwäldern
vorkommen, stehen ganz zu Recht bundesweit auf den Roten Listen.

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