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Frühjarslorcheln im Spätsommer?

Geschrieben von: Ingo
Datum: 27. August 2014, 23:59 Uhr


Hallo Forum,

im Vergleich zu Gegenden in den Deutschen Mittelgebirgen bzw. südlich davon sah es in den vergangenen Wochen im Nordosten
der Republik ziemlich mau aus mit dem Pilzaufkommen. Im Prinzip gab es seit Anfang Juli kaum einen Tag, an dem nicht
irgendeine Waldbrandwarnstufe Eingangs der Pilzwälder zur Vorsicht mahnte oder gar das Betreten Selbiger verbat.
Trotzdem waren die Böden zu keiner Zeit extrem ausgetrocknet oder Mycelien geschädigt. So bedurfte es nur einiger kühler Nächte,
mehr oder weniger wolkenverhangener Himmel und gut 50 mm Niederschlag über den August verteilt, dass auch in unseren
Kiefernwäldern ein paar Pilze dem Licht entgegen eilten. Im Prinzip war es aber nur ein unspektakuläres Sommerprogramm,
was hier und da zu besichtigen war. Einige verstreute Pfifferlinge, die üblichen Sommertäublinge (vesca, paludosa, decolorans etc.)
und eine Handvoll Perlpilze. Immerhin!

Am vergangenen Wochenende staunte ich aber nicht schlecht, als ich eine ordinäre Frühjahrslorchel entdeckt zu haben meinte.
Zumindest von oben sahen die Pilze ziemlich genau so aus. Bei näherer Betrachtung erwiesen sich die Lorcheln
allerdings als ziemlich stillos.

Anfangs hatte ich schon einige Bedenken ob der Bestimmung. So konnte ich mich nicht erinnern, solche Pilze schon einmal
irgendwo gesehen zu haben. Weder in Natura, noch in den einschlägigen Pilzforen dieser Welt. Zu Glück habe ich für solcherart
Notfall immer das gut gefüllte Bücherregal mit der mykologischen Literatur zu Hause stehen. Dort gibt es zum Beispiel,
gleich ganz links, die Pilze der Schweiz - Band 1. Und siehe da - auf Seite 64, Tafel 32 wurde ich fündig!
Rhizina undulata - die Wurzellorchel sollte es also sein. Vorkommen von Mai bis Oktober in Nadelwäldern,
unter Anderem auf moosbedeckten Böden. Gerne auch auf alten Brandstellen. In gewissen Jahren häufig.
Nun denn. Dafür, dass ich die Teile nun zum ersten Mal fand, finde ich letzteren Hinweis eher sinnfrei.
Möglicherweise ist die Wurzellorchel ja in südlichen Gefilden häufiger. Vielleicht kann mir ja Jemand ein paar
aktuelle Hinweise zur Verbreitung der Art, nördlich der Mittelgebirge geben. Die Pilze standen übrigens nicht auf einer
alten Brandstelle sondern mitten auf einem sonnenbeschienenen, moosigen Stück Lichtung inmitten von Kiefern.
Auf Kiefernwurzeln, lorchellike wie Gyromitra esculenta, nur eben vier Monate später!

Grüßlis Ingo

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