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Re: Zum OT: Schärfentiefe

waldschrat, (vor 7324 Tagen) 1.262 Beiträge @ Hans-Jürgen

Hallo Namenloser,
schön, dass Dir die Fotos gefallen. Ich fotografiere Pilze grundsätzlich mit
einem 60 mm Makro-Objektiv, das - wegen des gegenüber dem Kleinbildformat
kleineren Sensors - auf meiner Nikon den Bildwinkel eines 90 mm Objektivs
hat.
Ein Makro-Objektiv hat allerdings keine andere Schärfentiefe als ein
herkömmliches Objektiv. Es ist lediglich für Aufnahmen im Nahbereich
korrigiert (anders als Standardobjetive, die für Abbildungsmaßstäbe von
1:Unendlich bis etwa 1:20 / 1:10 korrigiert sind).
Die Schärfentiefe in einer Aufnahme wird umso größer,
- je weiter Du vom Bildgegenstand entfernt bist, auf den Du scharfstellst
- je kleiner die verwendete Brennweite ist und
- je weiter Du (innerhalb gewisser Grenzen) abblendest (= die Blende
schließt)
Die ersten beiden Bedingungen verändern den Abbildungsmaßstab. Ein größerer
Aufnahmeabstand und eine kleinere Brennweite führen zu einer kleineren
Abbildung des Bildgegenstands.
Die Schärfentiefe ist zunächst einmal vom Abbildungsmaßstab abhängig. Je
größer der Abbildungsmaßstab, desto geringer ist die Schärfentiefe. Sie
beträgt ganz fix nur noch wenige Zentimeter oder Millimeter, im
eigentichen Makrobereich sogar nur noch Bruchteile eines Millimeters.
Wegen der Abhängigkeit vom Abbildungsmaßstab (der auch eine Funktion aus
Brennweite und Sensorgröße ist) macht man auch die Beobachtung, dass
Digi-Kameras mit ihren winzigen Sensoren schier unglaubliche Schärfentiefe
erreichen, weil bei ihnen Abbildungsmaßstäbe von 1:10 ausreichen, um einen
winzigen Pilz formatfüllend abzubilden.
Generell gilt, dass die Schärfentiefe umso größer ist (also scheinbar umso
weiter in die Tiefe reicht), je stärker Du Dein Objektiv abblendest.
"Stark" ist allerdings relativ. Objektive von digitalen
Kompaktkameras lassen sich manchmal überhaupt nur bis Blende 9,5
schließen. Mein Makro Nikkor hat als kleinste Blende 32.
ABER. Man kann in der Praxis (jedenfalls mit normalen Objekiven) das
Blendenlöchlein nicht beliebig klein machen und so eine praktisch
unendliche Schärfentiefe schaffen, weil Beugungseffekte, die umso
gravierender werden, je kleiner die Blende ist, die allgemeine Bildschärfe
irgendwann dramatisch verschlechtern. Es gibt daher eine maximal sinnvolle
Blende, die so genannte Förderliche Blende, über die man nicht hinausgehen
sollte.
Der Sachverhalt klingt im Übrigen weitaus komplizierter, als er ist.
Die wichtigsten Daten zu der Aufnahme des Helmlingsschimmels: Model - NIKON
D200
Focal Length - 60.00 mm
ExposureTime - 2.2 seconds
FNumber - 22.00 (also Blende sehr weit geschlossen!)
ISOSpeedRatings - 100
ExifImageWidth - 3872
ExifImageHeight - 2592
Es gibt übrigens noch einen Trick, wie man die Schärfentiefe vergrößern kann:
Nicht so nah ran gehen. Moderne Digicams haben Auflösungen von 6, 8 oder
10 Megapixels. Da ist reichlich Reserve, um für Verwendungen im Internet
Bildausschnitte zu benutzen (sofern die Bildqualität im Übrigen perfekt
ist). Größerer Objektabstand heißt kleinerer Abbildungsmaßstab - und schon
reicht die Schärfentiefe weiter. Den Helmling habe ich auch formatfüllend
fotografiert. Dann reicht die Schärfentiefe aber nicht einmal für den
Helmlingshut...
Für weitere Verwirrung immer zu haben: Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen,
habe betreffs Tiefenschärfe lange gegrübelt und gegoogelt. Als Letzten Versuch zur Erkenntnis diesbezüglich leitete ich die Linsenformel 1/g + 1/b = 1/f ab, und zwar die Bildweite nach der Gegenstandweite (Änderung der Bildebene bei Änderung der Objektebene = Maß für Tiefenschärfe). Im Ergebnis spielte tatsächlich die Brennweite den Gegenpart zur Entfernung bei der Beurteilung der Tiefenschärfe. Aber als ich noch den Abbildungsmaßstab hinzuzog, war nur noch der entscheidend, die Brennweite nicht mehr. Was meinst Du dazu?
Gruß - Waldschrat

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