Arrhenia spathulata/retiruga
Hallo Wolfgang und Christoph,
also das kann ich ja nun wirklich so nicht stehen lassen, da ich der Bearbeiter von Arrhenia in der Ba.-Wü.-Flora bin.
(Wolfgang)
Zu Deiner Ursprungsfrage: ob morphologische Merkmale makroskopischer oder
mikroskopischer Natur sind, sollte keine Rolle spielen. Es gibt aber
durchaus immer mal Verirrungen, die mikroskopische gegenüber
makroskopischen Merkmalen höher bewerten. Mein persönliches Low-Light dazu
bleibt immer die Synonymisierung von Arrhenia spathulata mit Arrhenia
retiruga (in Großpilze BaWü), nur weil die zwei armen Arten
zufälligerweise gleich große Sporen haben und auch sonst mikroskopisch
nichts Differenzierendes hergeben.
(Christoph)
Nein, die Synonymisierungen aus Baden-Württemberg Kireglsteinerschule)
nehme ich nicht allzu ernst. Ich bin aber eh eher ein Spalter
Die Arten werden in der Ba.-Wü.-Flora nicht synonymisiert, wie ihr da behauptet, sondern als zwei Varietäten zueinander aufgefasst. Ich finde, das ist ein beträchtlicher Unterschied.
Folgendes habe ich geschrieben:
"Die einzigen Unterschiede zwischen A. retiruga und A. spathulata bestehen in der Ausbildung der Basidiocarpien sowie in der Wirtswahl. Mikroskopische Unterschiede konnten keine gefunden werden. Daher scheint eine Trennung auf Varietätsebene angebrachter zu sein."
Meine Gründe waren erstens, dass ich es durchaus für möglich halte (wenn auch nicht wahrscheinlich), dass die Fruchtkörperform vom Wirt beeinflusst wird. Und zweitens, dass in der Literatur gelegentlich von Funden berichtet wird, die eben nicht die strikte Wirtsbindung spathulata->acrocarp und retiruga->pleurocarp bestätigen (z.B. LUDWIG). Somit bleibt dann nicht wirklich viel übrig an Trennmerkmalen.
Aus dem von mir Geschriebenen "mikroskopische Unterschiede konnten keine gefunden werden" interpretiert Wolfgang, dass ich die beiden synonymisiert hätte (was ja gar nicht stimmt) "nur weil die zwei armen Arten zufälligerweise gleich große Sporen haben und auch sonst mikroskopisch nichts Differenzierendes hergeben". Das ist ja fast schon böswillige Interpretation!
Ich halte auch weiterhin eine Trennung auf Varietätenebene für durchaus vertretbar, obwohl ich eigentlich auch als Spalter gelte und mich selbst auch eher so sehe. Zumindest aber finde ich die Sichtweise, die beiden als Varietäten zueinander zu behandeln, nicht derart grotesk, dass man das als Top-Negativbeispiel für hirnlose Taxonomie darstellen müsste. So empfinde ich die beiden Beiträge nämlich!
beste Grüße,
Andreas
