Re: Arrhenia spathulata/retiruga
Hallo Andreas,
natürlich kannst du Christoph schreiben... auch wenn ich pilzverrückt bin (mycoloco), denn das ist ja nur eine meiner Eigenschaften *grins* (mycoloco ist eine spanische Verballhornisierung des Begriffs Mykologe).
Der Begriff "Murks" war rein umgangssprachlich gemeint und ich habe diesen bewusst mir gegenüber verwendet, damit niemand sich angegriffen fühlt. Übertreibung macht anschaulich... 
Und bitte keine großen mea-culpa-Dinge wegen des Boleten. Ich beziehe das immer noch auf German Krieglsteiner, denn er hat da sehr viel (ohne die Fakten zu prüfen) argumentiert, dass es schwer fällt, sich davon zu lösen. Ich meinte auch weniger die Pilzflora B/W damit, sondern nur Krieglsteiner. Das zeigt, wohin es führt. Gehört aber dazu. Und wer viel macht, macht auch Fehler. Die, die wenig publizieren, haben immer gut Reden und Kritisieren. Sie machen auch weniger Fehler. Darum geht es mir auch nicht.
Nicht ich, sondern meine Arbeit wurde angegriffen. Und die Argumente stehen
schon in der Ba.-Wü.-Flora so drinne.
Verstehe ich... und wie gesagt - ich habe hier den Einzelfall nicht geprüft - insofern: mea culpa (wobei ich als Laie in der Gattung immer noch ein bisserl skaptisch bin)
Zwischen Formen und Varietäten würde ich aber strikt trennen wollen
"wertmäßig". Eine Forma ist ja nun wirklich "nichts",
meiner Meinung nach.
Es ist nur eine Randstufe weiter unten... und diese Rangstufe wird auch gerne verwendet - beispiel: Rhococollybia butyracea fm. asema
Hier ist es sicher keine reine Standortmodifikation, also eine reine Witterungsform oder edaphisch bedingte Farbausprägung. Trotzdem wird es derzeit meist als forma angesehen.
Solange man - wie in der Mykologie - absolut schwimmt, wird es immer wieder hin- und her Gerücke bezüglich der Rangstufen geben... mit allen Schachtelungen wie bei Cortinarius (Cortinarius schlagmichtot ssp. coniferenliebhaber var. mykologenehrung fm. nichtganzsoknolligestielbaisishab). Solange nicht noch subforma hinzukommt...
Für viele ist auch "var." nichts und "fm." weniger als nichts. Insofern sind manche Dinge etwas schade.
Z.B. Lepista nuda var. glaucocana (ich hoffe, das warst jetzt nicht auch du, ich habs wieder nicht nachgesehen). Man muss nur Mykophage sein und mal den Blassen probiert haben - sowas von widerlich. Insofern als Unterschiede: Farbgebung, ein bisserl Habitus (toll nichtssagend, ich weiß), anderer Geruch (viel schwächer als bei L. nuda) und widerlicher Geschmack anstelle eines angenehm süßlichen Aromas, das ich liebe... Trotzdem wird er oft nur als var. geführt.
Das führt aber weg vom Thema. Ich wollte dir keine unsaubere Arbeitsweise vorwerfen.
LG
Christoph
Hallo Christoph,
zunächst, ich rede Dich mal als Chrsitoph an, trotz deines anderslautenden
Nicks, da Du mit Chrstoph unterschreibst. Ich nehme an, das ist o.k..
Gleich wieder reingetreten! Das geht natürlich auch letztlich auf meine
Kappe, denn die Röhrlinge habe ich bearbeitet. Klar hat mich da German
beeinflusst, aber letztlich war es dann doch meine Entscheidung, denn
wirklich reingeredet hat er mir da nicht.
Und ja, das war in der Tat ein Fehler, über den ich mich seitdem ärgere und
es vermutlich auch in 30 Jahren noch tun werde. Sofern nicht jemand
molekular die Identität von appendiculatus und subappendiculatus nachweist
)
Im Falle von Arrhenia habe ich genügend sicher bestimmte Kollektionen von
beiden Taxa gehabt, dass ich mir nicht vorstellen kann, was die
Untersuchung der Typen da noch an Erkenntnisgewinn liefern würde. Selbst
wenn sich heraustellen würde, dass der Typus einer der beiden Arten was
ganz anderes darstellt, so dürfte das aufgrund von
Konservierungsmöglichkeiten vermutlich noch nicht mal nomenklatorische
Konsequejnzen nach sich ziehen. Und selbst wenn, es geht um die beiden
Taxa, die heutzutage unter den Namen retiruga und spathulata bekannt sind.
Sollte einer der beiden einen neuen Namen benötigen, so ist das ein
nomenklatorisches Problem, aber kein taxonomisches.
Ja genau. Deshalb wollte ich das auch so nicht stehen lassen. Ich bin
selbstredend weder beleidigt, noch fühle ich mich persönlich
angegriffen. Aber meine Arbeit wurde in meinen Augen nicht fair
dargestellt, deshalb muss ich da was zu sagen.
Dass man natürlich geteilter Meinung sein kann zu meiner und überhaupt jeder
Argumentation, das ist eh klar. Mir gehts auch gar nicht darum, ob jetzt
besonders viele meiner Meinung folgen. Wegen mir kann ich der einzige
sein, das ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass ich den Schritt damals
durchdacht habe und ihn auch begründet habe. Daher schien mir die von
Wolfgang gewählte Formulierung eben eine Gegendarstellung zu benötigen.
Eine Diskussion, in der die Schlussfolgerungen anderer als "Murks"
bezeichnet werden, ist per se schon mal nicht sachlich. Außer Du kannst
ihm wissentliche Schlampereien oder Fehler nachweisen. Einige Arbeiten von
Raithelhuber finde ich "Murks", in der Tat. Wer Lepioten ohne
Schnallen und mit explizit nicht vorhandener dextrinoider Reaktion
beschreibt, und es ist dann das Gegenteil der Fall, der hat dafür das Wort
"Murks" verdient. Wer wie Du einen Artikel in einer entsprechend
redigierten Zeitschrift untergebracht hat, kann schon mal keinen
"Murks" gemacht haben, denke ich mir. Das heißt nicht, dass
jeder mit allem einverstanden ist, klar. Dass verschiedene Leute aus
denselben Informationen verschiedene Schlüsse zeihen können ist auch
normal.
Nicht ich, sondern meine Arbeit wurde angegriffen. Und die Argumente stehen
schon in der Ba.-Wü.-Flora so drinne.
Das ist mir schon klar. Ich hab ja auch nichts gegen diese Kritik. Aber wenn
jedem seine Arbeit, auch nomenklatorisch, gleich "Murks" ist,
nur weil er keine Typen überprüft hat, oder sich auf andere Literatur
stützt, dann würde erstens wenig publiziert werden und zweitens die Hälfte
von dem immer noch Murks sein.
Mea culpa, s.o.
Zwischen Formen und Varietäten würde ich aber strikt trennen wollen
"wertmäßig". Eine Forma ist ja nun wirklich "nichts",
meiner Meinung nach.
beste Grüße,
Andreas