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Re: Wer sagt Ranga Yogeshwar bescheid?

Christoph ⌂, (vor 6106 Tagen) 878 Beiträge @ BO

Hallo Bernd,

in vielen Dingen stimme ich überein. Man kann es sich aber noch um einiges leichter machen, indem man den Begriff "Schimmelpilz" als reine Wuchsform definiert, wie man es bei Hefen ja auch macht. Hefen, als Vergleich, sind einzellige bis wenigzellige Stadien von Pilzen (egal ob Gallertpilz, Rostpilz, Brandpilz oder Lamellenpilz - Hefestadien gibt es von vielen Arten).

Schimmelpilzstadien ebenso. Bildet ein Pilz keine Fruchtkörper (sexuelles Stadium), sondern ein asexuelles Stadium und dieses besteht aus einem lockeren Hyphengeflecht (und keinen Scheinfruchtkörpern), so ist dieses Stadium ein Schimmel.

Egal, ob es ein Tintling ist, eine Morchel oder ein Sklerotienbecherling - wenn sie lockeres Wachstum zusammen mit Konidienbildung zeigen, ist das Stadium eben ein Schimmel. Deshalb ist aber der Tintling (Hauptfruchtform), die Morchel (Hauptfruchtform) oder der Sklerotienbecherling (Hauptfruchtform) in diesem Stadium kein Schimmel. Ebensowenig ein Bescheideter Zwitterling keine Hefe ist, wenngleich die selbe Art auch Hefestadien bildet.

Zur Essbarkeit / Giftigkeit möchte ich noch etwas anmerken...

Meines Wissens ist der Goldschimmel giftig bzw. verdirbt zumindest das Substrat. Ferner ist der Blauschimmel des Käses prinzipiell toxisch, kann aber die Toxine auf dem Substrat Milch/Käse nicht bilden. Wenn der Schimmel vom Käse auf Brot überwächst, ist er dort (am Brot) giftig.

Und zu den Schleimpilzen / Falschen Mehltaupilzen. Hier kommt es auf die Definition des Begriffs "Pilz" an. Verwandtschaftlich haben beide nichts und rein gar nichts mit den Pilzen im engeren Sinne zu tun. Sie sehen aber teils oberflächlich aus wie manche Pilze. Man könnte auch nich manche Bakterien mit einbeziehen - Actinomyzeten zum Beispiel.

Biologisch betrachtet sind Schleimpilze Protisten und gehören zu den Amöben, während der Falsche Mehltau zu den Heterokontophyta (bzw. Straminipila) gehört, also näher mit dem Blasentang (Braunalgen) oder den Kieselalgen verwandt ist. Vermutlich haben die Oomycota keinen Plastiden aufgenommen, sind also sehr ursprüngliche Heterokontophyta.

Alle Ähnlichkeiten sind nur oberflächlich. Oomyctoa beispielsweise: Zellwände u.A. aus Cellulose, Sporen heterokont begeißelt. Pilze: Zellwand u.A. aus Chitin, Sporen unbegeißelt oder wenn, dann einfach begeißelt. Schleimpilze haben nichtmal eine Zellwand und nehmen die Nahrung in Nahrungsvakuolen auf, was Pilze nicht tun.
Was bleibt als gemeinsames Merkmal? Dass sie Sporen bilden? Das machen die Farne, Moose und Schachtelhalme auch...

--> Schleimpilz: kein Pilz
--> OOmyzeten: keine Pilze
--> Farne: keine Pilze
usw.

;-)

Liebe Grüße
Christoph

Hallo Hagen, liebe Forums-Leser/innen,
diese Diskussion um die Frage Schimmelpilz oder nicht Schimmelpilz ist nicht
einfach: Ist z.B. der Goldschimmel nun eigentlich ein Schimmelpilz oder
nicht? (Goldschimmel = Sepedonium chrysospermum; seine Hauptfruchtform ist
der Ascomycet Hypomyces chrysospermus).
Eine solche Frage ist vielleicht schon etwas falsch gestellt: Die Antwort
wäre, "der Goldschimmel ist das (häufig auf Röhrlingen und
Kartoffelbovisten anzutreffende) Schimmelpilz-Stadium eines Pyrenomyceten
aus der Gattung Hypomyces".
So gehört das Honigtau-Stadium von Claviceps purpurea zu den Hyphomyceten,
und damit ist es nicht ganz falsch, im Falle von Claviceps purpurea davon
zu sprechen, dass dieser Pilz in der Natur eine Schimmelpilz-ähnliche
Nebenfruchtform mit dem Namen Sphacelia segetum ausbildet.
Hyphomyceten-Stadien oder Hyphomyceten ganz allgemein sind dadurch definiert,
dass sie ihre Konidien direkt an der Oberfläche freisetzen. Wodurch der
berührende Finger weiß-, grau-, grün- oder gelb-staubig werden kann, wenn
diese Pilzstadien sporulieren.
Glücklicherweise scheint der Goldschimmel aber "essbar" und
ungiftig zu sein, genauso wie Botrytis cinerea, der Grauschimmel, essbar
ist, sonst gäbe es keine Beerenauslese beim Weißwein. Auch der
Grauschimmel ist nur ein Pilz-Stadium, wie einige wissen werden, hier von
einem Discomyceten, der mit dem Anemonenbecherling verwandt ist:
Botryotinia fuckeliana. Und die ist zum Glück eben kein Giftpilz.
Ganz zu schweigen von den essbaren und wunderbar tief-blaugrünen
Penicillium-Arten beim Blauschimmelkäse.
Die oft ziemlich komplizierte Lebensweise der Pilze, die erst im Laufe der
letzten Jahrzehnte nach und nach besser erforscht werden konnte, hat
meiner Ansicht nach zur Folge, dass sprachlich völlig korrekte Aussagen
nur schwer zu treffen sind. Und ständig werden in der modernen Mykologie
immer wieder Fachbegriffe abgeschafft und durch neue ersetzt.
Genauso könnte ich eine Diskussion zum Wort Pilz selbst lostreten, da ich der
Meinung bin, dass Schleimpilze und falsche Mehltaupilze auch alles Pilze
im eigentlichen Sinne sind. Aber das ist ein anderes Ding und ich mache
mich damit bei manchen Biologen sehr unbeliebt.
Liebe Grüße
Bernd

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