Pilze Pilze Forum
Erweitert

Re: Leccinum schistophilum

Svampskogen, (vor 5030 Tagen) 737 Beiträge @ Jesko

Hallo Jesko

Ich dachte mir schon, dass es wohl noch einen Folgeartikel geben muss, da ich recht viel nicht gefunden hatte im Den Bakker (2004). Ist es vielleicht möglich, dass du mir diesen Artikel zuschicken könntest? Ich habe leider von zu Hause aus keinen Zugriff auf den Artikel.
Stimmt, das war mir aufgefallen, dass Leccinum rotundidoliae mit ITS L. scabrum recht nahe steht. Das mit den Hybridarten ist natürlich sehr spannend, vor allem auch weil man ja lange davon ausging, dass es keine Hybridisierung gibt bei den Pilzen. Auf jeden Fall bräuchte es neben ITS noch mehr andere alternative Loci. Multilocus Analysen wären wohl eh immer das Beste, wenns irgendwie geht!

Beste Grüsse Svampskogen

Hallo,
im Folgeartikel von Den Bakker & al. 2007 (Phylogeographic patterns in
Leccinum sect. Scabra ...) wurden im Übrigen weitere Kollektionen der
nunmehr als L. schistophilum bezeichneten Art untersucht.
Was mir im Vergleich der beiden Artikel (2004 und 2007) in Bezug auf die
Diskussion in diesem Thread besonders interessant erscheint, ist – sofern
ich das beim Überfliegen alles richtig kapiert habe –, dass mit Hilfe
eines zweiten Locus (Ausschnitt aus dem Erbmaterial) mehr Arten
nachgewiesen werden konnten als nur mit ITS. Während die reinen
ITS-Ergebnisse 2004 vermuten ließen, die Artenvielfalt bei den
„Birkenpilzen“ entspräche eher konservativeren Annahmen, so ließ sich 2007
durch einen weiteren Locus etwa auch L. rotundifolium (= L. pulchrum nach
diesen Ergebnissen) als ggü. L. scabrum eigenständig nachweisen.
Interessant ist auch, dass es wohl handfeste Indizien für
Hybridartenbildung bei den Birkenpilzen gibt.
Das möchte ich v.a. auch in Bezug auf die im Thread genannte 3%-Schwelle bei
ITS (s. hier:
Beitrag 230879 )
zu bedenken geben. Wenn die ITS-Ergebnisse wie in vielen Fällen mit den
morphologischen und/oder ökologischen Artkonzepten weitestgehend
übereinstimmen, dann kann man sicherlich zunächst von ihrer
Verlässlichkeit ausgehen. Ist dies nicht der Fall bzw. sind die
morphologischen/ökologischen Artkonzepte an sich bereits strittig, kann
die ITS-Analyse allein kaum entscheiden. Unterschiedliche Arten können
anscheinend dieselbe ITS haben, sich aber in anderen Loci deutlich
unterscheiden. So ist – um an Manis Morchelanmerkung anzuknüpfen – nach
neuesten Erkenntnissen ein erheblicher Teil der Morchella-Arten nicht per
ITS identifizierbar. Möglich ist auch der umgekehrte Fall, dass nämlich
mehrere ITS-Typen zu nur einer Art gehören. So kann es vorkommen, dass die
ITS-Auswertung von fünf oder zehn Belegen zwei Arten „vorgaukelt“. Fügt
man mehr Belege und/oder Loci hinzu, kann sich das Bild ändern, und es
kann nur noch von einer Art ausgegangen werden. Möglich wäre auch ... aber
eigentlich will ich nur sagen, dass auch molekulare „Beweise“ ihre
Problemchen in sich bergen.
Viele Grüße, Jesko

Eintrag gesperrt
44 Aufrufe

gesamter Thread: