Re: Rindenkugelpilz - Eutypella?
Hallo Jesko,
vielen Dank für Deine ausführliche Antwort und die Bestätigung der Gattung!
Die Angabe Ø 2,5cm hatte ich auf den Laubholzast bezogen (das war wohl etwas missverständlich geschrieben), die Stromata sind 4-5 mm im Ø mit einer Höhe um die 2mm. Bei den Mikro-Angaben hatte ich jeweils ein "my" vor dem "m" stehen - kommt so auch auf meinem Bildschirm!?
Korrigieren muss ich die Länge der Asci auf max. 80 µm (25 µm ist viel zu kurz und ohne den unteren "Stiel" gerechnet) - da hatte ich einen Fehler drin. Nachdem ich gerade in Ascofrance/Eutypella gestöbert habe, stelle ich fest: ich sollte die Asci nicht als "flaschenförmig", sondern als "spindelförmig" beschreiben - sie entspringen mit einem langen dünnen "Stiel", weiten sich dann bauchig (im unteren Teil liegt der Sporenhaufen), um wieder in einen schlankeren Hals überzugehen, der aber deutlich dicker ist als der "Stiel"; im Bauch- und Halsbereich sehr dickwandig.
Die Paraphysen sind im Schnitt 150-300 µm lang, im Einzelfall noch länger. Jedenfalls sind die Sporen mind. 3x länger als breit. Ich bin noch nicht soweit, dass ich von den Fotos aus Messreihen durchführen und berechnen könnte - tut mir selber leid.
Zur endgültigen Substratbestimmung werde ich wohl noch bis zum Frühjahr warten müssen. Dieser Waldrand endet an einer steilen Böschung, nicht gerade der Platz, an dem Leute ihre Gartenabfälle deponieren. An mir bekannten Bäumen und Sträuchern kommt dort vor: Rotbuche, Schwarzkiefer, Fichte, Ahorn, Hainbuche, Eiche, in einigem Abstand auch Salix; Schlehe, Hasel, Geissblatt, Holunder, Pfaffenhütchen. Nicht ausschließen möchte ich Wildkirsche und Hartriegel, das könnte auch gut sein. Ebereschen und Schmetterlingsblütler sind im gesamten Gebiet ausgesprochen selten - wäre sehr unwahrscheinlich.
Dieser "Ast" gehörte zu einer Gruppe von etlichen Austrieben aus dem Boden - eben der typischen Wuchsform von jüngeren Haselbüschen. Ich kann ja noch ein Standortfoto machen, sobald sich dieser dichte Nebel verzogen hat.
Eutypella scoparia würdest Du also definitiv ausschließen. Hättest Du mir noch einen weiteren Tipp, wie ich der Art näher kommen kann?
Und kannst Du mir Greenhorn verraten, was "Valsa sensu lato" heißt?
Dank Dir und viele Grüße - Rika
Hallo Rika,
in einem recht kompaktem Stroma zusammensitzende Perithezien mit 8-sporigen
Asci mit schmalen, allantoiden Sporen deutet schon auf Eutypella. 2,5 cm
Stromadurchmesser nehme ich Dir jedoch nicht ab (eher 2,5 mm), und bis 3,0
mmm geht die Breite der Sporen bestimmt auch nicht, die sollten schmaler
sein. An Hasel habe ich aus meiner Erinnerung nie eine Eutypella gefunden,
das muss freilich nichts heißen. Sollte das Substrat tatsächlich Corylus
sein, dann ist es wohl keine gängige Art bzw. Substratbeziehung. Wenn Du
Dich allerdings beim Substrat auch mit Sorbus anfreunden könntest (ich
will Dir aber nichts einreden), dann käme da die recht häufige E. sorbi in
Betracht (wohl dasselbe wie E.prunastri an Prunus), die man auch zusammen
mit der von Dir erwähnten Biscogniauxia marginata findet.
Wie bei vielen Valsa sensu lato ist man auch bei Eutypella oft in der
Zwickmühle. Morphologisch sind viele Literaturarten nicht gut
charakterisiert, besonders wenn sie mittelgroße, subhyaline Sporen wie bei
Deinem Fund haben. Dann stünde die Frage, wie wirtsspezifisch die
einzelnen Arten sind und ob man dementsprechend nach Substrat bestimmen
kann.
Eigentlich keine Bauchschmerzen habe ich in meinen Revieren bei der
Bestimmung von E. prunastri und sorbi (anhand des Substrats), dissepta und
stellulata (Substrat und Morphologie) oder scoparia (durch die kleinen
Schläuche und Sporen ganz gut festgelegt, dafür wohl aber recht polyphag,
wie mir eigene Beobachtungen zB an Acer, Caragana, Carpinus, Colutea,
Fagus, Laburnum, Robinia, Tilia und Ulmus zeigen wollen).
Viele Grüße,
Jesko